Sebastian Janus
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Financial Due Diligence: was der Käufer wirklich prüft

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Sechs Prüffelder entscheiden über den Preis: Ergebnisqualität, Umsatzabgrenzung, Working Capital, Nettoverschuldung, Planungstreue und Konzentrationen. Was ein Käufer in jedem Feld anfordert – und wie sich die Zahlen darauf vorbereiten lassen.

Titelbild: Financial Due Diligence – sechs Prüffelder, die über den Preis entscheiden.

Die kurze Antwort

Eine Financial Due Diligence prüft nicht, ob die Buchhaltung stimmt. Sie prüft, wie viel von dem ausgewiesenen Ergebnis der Käufer im nächsten Jahr wiedersehen wird – und was er zusätzlich zum Kaufpreis noch bezahlen muss. Sechs Felder entscheiden darüber: die Qualität des Ergebnisses, die Umsatzabgrenzung, das Working Capital, die Nettoverschuldung, die Treffsicherheit der Planung und die Konzentrationen im Geschäft.

Das ist keine Prüfung im Sinne des Jahresabschlusses. Ein Wirtschaftsprüfer testiert die Vergangenheit gegen Rechnungslegungsvorschriften. Eine Financial Due Diligence bewertet die Zukunftsfähigkeit der Zahlen gegen die Kaufpreisrechnung. Ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk schützt deshalb vor keinem einzigen Abzug.

Wer prüft – und mit welchem Auftrag

Beauftragt wird die Prüfung vom Käufer, in der Regel bei einer Transaktionsberatung oder der Transaction-Services-Einheit einer Prüfungsgesellschaft. Der Auftrag hat drei Zwecke: den Kaufpreis absichern, die Kaufpreismechanik mit Zahlen füllen und den Finanzierern des Käufers eine Grundlage geben. Der dritte Zweck wird unterschätzt – bei fremdfinanzierten Transaktionen liest die Bank denselben Bericht und leitet daraus ihre Auflagen ab.

Der Umfang hängt an der Größe: Bei kleineren Transaktionen bleibt es bei einer Red-Flag-Prüfung, die nur nach Ausschlussgründen sucht. Ab dem mittleren zweistelligen Millionenbereich ist eine vollständige Prüfung üblich, die alle sechs Felder abdeckt und typischerweise vier bis acht Wochen dauert.

Feld 1: Quality of Earnings

Der Kern jeder Prüfung. Die Quality-of-Earnings-Analyse fragt: Welcher Teil des ausgewiesenen Ergebnisses wiederholt sich, und welcher nicht? Dazu wird das EBITDA um einmalige, periodenfremde und nicht betriebsnotwendige Effekte bereinigt – in beide Richtungen.

Geprüft wird jede Bereinigung einzeln, mit Beleg. Anerkannt werden in der Praxis Einmaleffekte mit Nachweis, die marktgerechte Anpassung einer Gesellschaftervergütung und Kosten, die nach dem Verkauf nachweislich entfallen. Nicht anerkannt werden Positionen, die jedes Jahr auftauchen, Bereinigungen ohne Beleg und erhoffte künftige Einsparungen. Welche Regeln dabei gelten, steht im Detail im Beitrag zur EBITDA-Normalisierung.

Zweite Hälfte der Analyse ist die Nähe von Ergebnis und Cashflow. Ein EBITDA, das über Jahre deutlich über dem operativen Cashflow liegt, löst Nachfragen aus – meist zu Recht.

Feld 2: Umsatz und Abgrenzung

Hier geht es um die Frage, ob der Umsatz in der richtigen Periode steht. Geprüft werden der Zeitpunkt der Erlösrealisierung, die Behandlung von Vorauszahlungen, Rabatten, Boni und Rückstellungen für Gewährleistung sowie der Umgang mit mehrjährigen Verträgen. Bei Softwareunternehmen kommen wiederkehrende Erlöse, Verlängerungsquoten und die Trennung von Lizenz-, Abonnement- und Dienstleistungsumsatz dazu.

Ein häufiger Befund: Umsatz, der kurz vor dem Stichtag gebucht wurde, obwohl die Leistung erst danach erbracht wird. Der Effekt trifft doppelt – er senkt das bereinigte Ergebnis der Periode und nährt den Zweifel an der Abgrenzungspraxis insgesamt.

Feld 3: Working Capital

Geprüft wird nicht der Bestand zum Stichtag, sondern die Reihe: Wie hat sich das Working Capital über die letzten 24 bis 36 Monatsstichtage entwickelt, wie saisonal ist es, und wie hoch ist das Niveau, das der Betrieb tatsächlich braucht? Daraus leitet der Käufer die Zielgröße für das Net Working Capital Adjustment ab – und damit einen Betrag, der unmittelbar auf den Kaufpreis wirkt.

Wer das Working Capital kurz vor dem Prozess herunterfährt, gewinnt nichts: Die Monatsreihe zeigt den Eingriff, und die Zielgröße wird auf dem alten Niveau festgesetzt. Was hilft, ist eine dauerhafte Verbesserung mit belegbarer Ursache – die Stellschrauben stehen im Beitrag Working Capital senken.

Feld 4: Nettoverschuldung und schuldähnliche Posten

Der Käufer stellt eine vollständige Liste dessen auf, was er als Nettoverschuldung ansieht. Neben Darlehen und Leasing sind das regelmäßig Pensionsverpflichtungen, offene Boni und Abfindungen, Urlaubs- und Überstundenrückstellungen, Steuernachzahlungen aus laufenden Prüfungen, Investitionsstau und Rechtsrisiken. Jeder dieser Posten mindert den Kaufpreis in voller Höhe.

Die zweite Hälfte betrifft die Liquidität: Verpfändete Guthaben, Kautionen und die Barmittel, die der Betrieb braucht, werden häufig nicht als überschüssige Mittel anerkannt.

Feld 5: Planung und Planungstreue

Die Planung wird nicht auf Optimismus geprüft, sondern auf Herkunft. Gefragt wird, wie die Annahmen entstanden sind, welche Treiber dahinterstehen und – vor allem – wie gut die Planungen der letzten drei Jahre eingetroffen sind. Eine Überleitung von Plan zu Ist je Jahr, mit Erklärung der Abweichungen, ist die glaubwürdigste Unterlage, die ein Verkäufer in diesem Feld liefern kann.

Wer drei Jahre in Folge nah am Plan gelegen hat, verhandelt anders als jemand, dessen Planungen regelmäßig weit danebenlagen.

Feld 6: Konzentrationen und Abhängigkeiten

Geprüft wird, wie breit das Geschäft steht: Anteil der fünf größten Kunden am Umsatz und am Deckungsbeitrag, Laufzeiten und Kündigungsrechte der wichtigsten Verträge, Kontrollwechselklauseln, Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten, Standorten oder Schlüsselpersonen. Eine hohe Kundenkonzentration ist kein Ausschlussgrund, aber sie verändert die Struktur des Deals – häufig über einen Earn-out oder einen höheren Einbehalt.

Wie die Prüfung abläuft

  1. Anforderungsliste. Der Prüfer schickt eine umfangreiche Liste angeforderter Unterlagen. Sie ist der eigentliche Test: Wer sie zügig befüllt, signalisiert Kontrolle über die eigenen Zahlen.
  2. Datenraum. Die Unterlagen werden strukturiert bereitgestellt – Aufbau und Reihenfolge stehen im Beitrag zum Datenraum für die Financial Due Diligence.
  3. Fragerunden. Über ein Frage-und-Antwort-Verfahren, meist zwei bis vier Wochen lang. Widersprüchliche Antworten aus verschiedenen Abteilungen sind der häufigste Vertrauensverlust in dieser Phase.
  4. Management-Gespräche. Ein bis zwei Termine, in denen die Zahlen erklärt werden müssen – nicht vorgelesen.
  5. Berichtsentwurf und Diskussion. Der Entwurf enthält die Bereinigungen, die der Prüfer streicht. Hier wird verhandelt, nicht später.

Was sich vorher tun lässt

Die wirksamste Vorbereitung ist, die Prüfung vorwegzunehmen: eine eigene Ergebnisbrücke mit belegten Bereinigungen, eine eigene Herleitung von Nettoverschuldung und Working-Capital-Zielgröße, eine Plan-Ist-Überleitung über drei Jahre und ein Datenraum, der der Anforderungsliste folgt statt der eigenen Ordnerstruktur. Wer das mitbringt, verhandelt über die eigene Rechnung. Wer es nicht mitbringt, verhandelt über die des Käufers.

Wie viel Vorlauf dafür nötig ist und in welcher Reihenfolge gearbeitet wird, steht im Beitrag zur Exit-Readiness. Ob sich zusätzlich eine eigene Prüfung lohnt, klärt der Beitrag zu Vendor Due Diligence und Financial Factbook.

Häufige Fragen

Was prüft eine Financial Due Diligence genau?

Sie prüft sechs Felder: die Qualität und Wiederholbarkeit des Ergebnisses, die Umsatzabgrenzung, das Working Capital über die Monatsreihe, die Nettoverschuldung samt schuldähnlichen Posten, die Herkunft und Treffsicherheit der Planung sowie Konzentrationen bei Kunden, Lieferanten und Schlüsselpersonen.

Wie lange dauert eine Financial Due Diligence?

Eine Red-Flag-Prüfung dauert ein bis zwei Wochen, eine vollständige Prüfung in der Regel vier bis acht Wochen. Entscheidend für die Dauer ist weniger der Prüfer als die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen die Anforderungsliste befüllt.

Ersetzt ein geprüfter Jahresabschluss die Due Diligence?

Nein. Ein Bestätigungsvermerk bezieht sich auf die Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften in der Vergangenheit. Die Financial Due Diligence bewertet die Wiederholbarkeit des Ergebnisses und füllt die Kaufpreismechanik mit Zahlen. Beides überschneidet sich nur teilweise.

Welche Befunde drücken den Preis am häufigsten?

Gestrichene EBITDA-Bereinigungen, eine zu hoch angesetzte Working-Capital-Zielgröße, schuldähnliche Posten wie Urlaubs- und Bonusrückstellungen, Umsatz in der falschen Periode und eine Kundenkonzentration ohne langfristige Verträge.

Wer bezahlt die Financial Due Diligence?

In der Regel der Käufer, weil er sie beauftragt. Der Verkäufer trägt die Kosten seiner eigenen Vorbereitung – also eines Financial Factbook oder einer Vendor Due Diligence, falls er sich dafür entscheidet.

Wie bereite ich die Zahlen auf die Prüfung vor?

Mit vier Unterlagen: einer eigenen Ergebnisbrücke mit Belegen für jede Bereinigung, einer eigenen Herleitung von Nettoverschuldung und Working-Capital-Zielgröße, einer Plan-Ist-Überleitung über drei Jahre und einem Datenraum, der der Anforderungsliste des Prüfers folgt.

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Quellen und Stand

Grundlage sind die Prüffelder, wie sie in Transaktionsprozessen im deutschen Mittelstands- und Private-Equity-Markt üblich sind, sowie eigene Mandatserfahrung aus Exit-Vorbereitung und Finanzierungsrunden. Stand: September 2026. Der Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

Profil und Werdegang von Sebastian Janus

Finanzabteilung verstärken – vom Reporting bis zur Finanzführung

Interim CFO, CFO as a Service und Financial Modelling – aus über 200 Projekten seit 2019. Erste Profile innerhalb von 24 Stunden.
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