Quality of Earnings
Die Quality-of-Earnings-Analyse prüft, wie belastbar und wiederholbar ein ausgewiesenes Ergebnis ist. Sie untersucht Zusammensetzung und Nachhaltigkeit der Erträge, die Nähe von Ergebnis und Cashflow sowie die Abgrenzungspraxis und ist der Kern jeder Financial Due Diligence.
Nicht wie viel, sondern wie verlässlich
Eine Abschlussprüfung beantwortet die Frage, ob ein Abschluss den Rechnungslegungsvorschriften entspricht. Die Quality-of-Earnings-Analyse beantwortet eine andere: ob das ausgewiesene Ergebnis das Geschäft zutreffend beschreibt und ob es sich wiederholen lässt. Ein Abschluss kann formal einwandfrei sein und trotzdem ein Ergebnis zeigen, das im nächsten Jahr nicht wieder entsteht.
Was geprüft wird
- Zusammensetzung der Erträge. Wiederkehrend oder projektbezogen, Konzentration auf einzelne Kunden, Verlauf nach Kohorten, Abhängigkeit von einzelnen Verträgen und deren Restlaufzeit.
- Abgrenzungspraxis. Wann wird Umsatz realisiert, wie werden Vorauszahlungen behandelt, wie entwickeln sich abgegrenzte Umsätze. Bei Abonnementmodellen ist das der zentrale Punkt.
- Ergebnis gegen Cashflow. Ein Ergebnis, das über Jahre nicht in Zahlungsmittel mündet, ist ein Warnsignal. Die Überleitung vom EBITDA zum operativen Cashflow gehört zu jeder QoE.
- Working Capital. Verlauf über mindestens 24 Monate, Saisonalität, Stichtagseffekte – etwa ein Forderungsbestand, der genau zum Bewertungsstichtag ungewöhnlich niedrig ist.
- Bereinigungen. Die vom Verkäufer vorgelegte EBITDA-Normalisierung wird Position für Position geprüft und regelmäßig gekürzt.
- Rückstellungen und Wertberichtigungen. Ob sie ausreichend bemessen sind oder ob ihre Auflösung das Ergebnis gestützt hat.
Typische Befunde
Wiederkehrende Muster sind: aufgelöste Rückstellungen, die als operative Verbesserung erscheinen; aktivierte Entwicklungskosten, die den Aufwand aus der Ergebnisrechnung nehmen; Umsatz, der zu früh realisiert wurde; Wartungs- und Instandhaltungsstau, der die Marge kurzfristig hebt; und ein Working Capital, das zum Stichtag durch verzögerte Zahlungen an Lieferanten geschönt ist.
Keiner dieser Punkte ist für sich ein Vorwurf. Problematisch werden sie, wenn sie erst der Käufer findet.
Konsequenz für die Vorbereitung
Die QoE ist der Teil der Prüfung, in dem der Kaufpreis am häufigsten korrigiert wird. Wer verkaufen will, führt sie deshalb sinnvollerweise selbst durch, bevor der Prozess startet – als Teil einer Vendor Due Diligence oder intern. Die Voraussetzung dafür ist unspektakulär: ein Monatsreporting, das mit dem Jahresabschluss abgestimmt ist, eine vollständige Überleitung der Bereinigungen und eine Working-Capital-Reihe, die nicht erst im Prozess entsteht.
