Financial Due Diligence

Die Financial Due Diligence ist die finanzielle Prüfung eines Unternehmens vor einem Kauf oder einer Investition. Untersucht werden vor allem die Ergebnisqualität, das Working Capital, die Nettoverschuldung und die Belastbarkeit der Planung – mit dem Ziel, Kaufpreis und Risiken realistisch einschätzen zu können.

Was geprüft wird

Im Zentrum steht nicht der Jahresabschluss als solcher, sondern die Frage, welches Ergebnis nachhaltig erzielbar ist. Dafür wird das ausgewiesene EBITDA um einmalige, periodenfremde und nicht betriebsnotwendige Effekte bereinigt. Hinzu kommen die Analyse des Working Capital über den Jahresverlauf, die Ermittlung der Nettoverschuldung inklusive verdeckter Positionen und eine Plausibilisierung der Planung.

Warum das den Kaufpreis bestimmt

Kaufpreise werden häufig als Vielfaches des bereinigten EBITDA gebildet. Jede Bereinigung wirkt deshalb mit dem Faktor multipliziert auf den Preis. Auch der übliche Working-Capital-Mechanismus im Kaufvertrag setzt auf den Ergebnissen der Financial Due Diligence auf.

Buy Side und Sell Side

Die Käuferseite lässt prüfen, um Risiken zu erkennen und den Preis zu verhandeln. Die Verkäuferseite lässt zunehmend vorab prüfen, um Überraschungen im Prozess zu vermeiden und die Verhandlungsposition zu sichern. Beides folgt derselben Methodik, unterscheidet sich aber im Fokus.

Abgrenzung zur Jahresabschlussprüfung

Eine Abschlussprüfung bestätigt die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung nach gesetzlichen Vorgaben. Die Financial Due Diligence ist eine freiwillige, transaktionsbezogene Analyse ohne Testat, dafür deutlich tiefer in den Fragen, die für den Kaufpreis relevant sind.

Was Unternehmen vorbereiten sollten

Sauber abgestimmte Monatszahlen über mindestens 24 Monate, eine nachvollziehbare Überleitung von der Buchhaltung zum Reporting, dokumentierte Verträge und eine Planung, deren Annahmen erklärbar sind. Wer das erst im Prozess herstellt, verliert Zeit und Verhandlungsspielraum.

Ablauf und Dauer

Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung wird ein Datenraum geöffnet. Es folgen Informationsanfragen, Auswertungen, Management-Gespräche und ein Bericht, der Feststellungen und deren Auswirkung auf Kaufpreis und Vertragsgestaltung benennt. Für mittelständische Transaktionen sind drei bis sechs Wochen üblich, abhängig von Datenqualität und Reaktionsgeschwindigkeit des Zielunternehmens.

Die typischen Streitpunkte

Am häufigsten diskutiert werden Bereinigungen des Ergebnisses um Gesellschafterleistungen, Sonderaufwendungen und Einmaleffekte, die Bestimmung eines normalisierten Working Capital als Referenzgröße im Kaufvertrag, die Abgrenzung von Nettoverschuldung inklusive Leasing, Pensionsverpflichtungen und offenen Boni sowie die Belastbarkeit des Planjahres.

Zusammenspiel mit den anderen Prüfungen

Die Financial Due Diligence steht neben der rechtlichen, steuerlichen und, je nach Branche, technischen oder kommerziellen Prüfung. Erkenntnisse greifen ineinander: Ein im Rechtsteil gefundener Vertrag mit Kündigungsrecht bei Eigentümerwechsel verändert die Ertragsprognose, ein steuerliches Risiko verschiebt die Nettoverschuldung.

Für kleinere Transaktionen

Auch unterhalb klassischer M&A-Größen lohnt sich eine fokussierte Prüfung – etwa beim Kauf eines Wettbewerbers, einer Nachfolgeregelung oder dem Einstieg eines Investors. Der Umfang lässt sich auf die drei entscheidenden Fragen begrenzen: Stimmt das Ergebnis, stimmt die Liquidität, stimmen die Verträge.

Synonyme:
FDD, Financial DD, finanzielle Sorgfaltsprüfung
Englischer Begriff:
Financial due diligence