Sebastian Janus
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Exit-Readiness: Wie die Finanzabteilung ein Unternehmen verkaufsfähig macht

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Der Kaufpreis wird nicht in der Verhandlung entschieden, sondern in den zwölf Monaten davor. Was die Finanzfunktion vorbereiten muss, in welcher Reihenfolge – und die fünf Befunde, die in der Due Diligence regelmäßig Geld kosten.

Titelbild: Exit-Readiness – zwölf Monate Vorlauf und die Reihenfolge, die den Preis schützt.

Die kurze Antwort

Der Kaufpreis eines Unternehmens entsteht nicht in der Verhandlung, sondern in den zwölf Monaten davor. Wer erst mit dem Aufräumen beginnt, wenn ein Interessent da ist, verhandelt aus einer Position, in der jeder Befund gegen ihn wirkt: Er kostet Preis, Zeit oder beides.

Exit-Readiness ist deshalb keine Verkaufsvorbereitung im Sinne von Verpackung. Sie ist die Herstellung von drei Eigenschaften, die ein Käufer prüft, bevor er über Geld spricht: Die Zahlen stimmen überein, das Ergebnis ist erklärbar und das Unternehmen funktioniert ohne den Verkäufer. Alles andere folgt daraus.

Warum zwölf Monate

Die Zahl ist keine Faustregel aus dem Lehrbuch, sondern folgt aus den Fristen der Arbeit selbst. Eine Quality-of-Earnings-Analyse braucht historische Daten von mindestens 24 Monaten in konsistenter Qualität – wenn das Reporting erst umgestellt werden muss, entsteht diese Reihe nicht rückwirkend. Eine Vendor Due Diligence braucht sechs bis zwölf Wochen, und ihre Befunde brauchen danach Zeit zur Behebung. Ein Datenraum braucht sechs bis zehn Wochen. Und die Abhängigkeit vom Gesellschafter lässt sich nicht in einem Quartal auflösen.

Wer weniger Zeit hat, kann trotzdem verkaufen. Er verkauft nur zu einem Preis, in dem die Unsicherheit des Käufers eingepreist ist.

Monat 1 bis 3: die Zahlenbasis

Am Anfang steht kein Bericht, sondern eine Abstimmung. Monatsreporting, Jahresabschluss und Planung müssen dieselbe Größe gleich ausweisen. Klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis selten – und ein Käufer, der drei Zahlen für denselben Umsatz findet, prüft ab diesem Moment alles doppelt.

  • Überleitung Reporting zu Abschluss für die letzten zwei bis drei Jahre, dokumentiert, mit Erklärung jeder Differenz.
  • Umsatz nach Dimensionen: Kunde, Produkt, Region, wiederkehrend gegen einmalig. Diese Auswertung fragt jeder Käufer in Woche eins ab.
  • Working Capital als Monatsreihe über mindestens 24 Monate, inklusive Saisonalität. Sie ist später die Grundlage für den Normalwert, an dem der Kaufpreis angepasst wird.
  • Netto-Finanzverbindlichkeiten mit allen schuldähnlichen Posten: Leasing, Pensionszusagen, ausstehende Boni, Gesellschafterdarlehen.

Monat 4 bis 6: Bereinigung und Datenraum

Jetzt entsteht die EBITDA-Normalisierung – und zwar mit Belegen, nicht als Liste. Jede Position braucht einen Nachweis und eine Begründung, warum der Effekt sich nicht wiederholt. Positionen ohne Beleg werden in der Prüfung gestrichen, und mit ihnen der zugehörige Kaufpreisanteil.

Parallel wird der Datenraum aufgebaut. Der Aufwand liegt selten beim Hochladen, sondern beim Beschaffen: Verträge, die nur mündlich existieren, Gesellschafterbeschlüsse, die nie protokolliert wurden, Lizenzen, deren Nachweis fehlt. Diese Lücken zu schließen dauert Wochen – im laufenden Prozess dauert es zu lange.

In dieselbe Phase gehören die Themen, die kein Finanzthema sind und trotzdem den Preis bestimmen: Kundenkonzentration, Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, ungelöste Rechtsstreitigkeiten, ein Gesellschafter, der operativ unersetzlich ist.

Monat 7 bis 9: Prüfung und Equity Story

Wer in ein Bieterverfahren geht, lässt jetzt eine Vendor Due Diligence erstellen. Wer das nicht tut, sollte dieselbe Prüfung intern durchführen – die Frage ist nicht, ob die Befunde entstehen, sondern wer sie zuerst sieht.

Gleichzeitig entsteht die Planung, die verhandelt wird. Sie muss aus der Historie herleitbar sein: Jede Wachstumsannahme braucht einen Treiber, den man in den vergangenen Zahlen wiederfindet. Eine Planung, die einen Sprung macht, den nichts erklärt, wird vom Käufer gekürzt – und die Kürzung wirkt über den Multiplikator.

Monat 10 bis 12: Prozess

Erst jetzt beginnt, was viele für den Anfang halten: Ansprache, Information Memorandum, indikative Angebote, Due Diligence, Verhandlung. Die Finanzfunktion liefert in dieser Phase vor allem Geschwindigkeit. Käuferfragen, die innerhalb von 48 Stunden belastbar beantwortet werden, halten den Prozess in Bewegung; Fragen, die zwei Wochen liegen, erzeugen Zweifel an allem übrigen.

Wichtig ist, dass das laufende Geschäft in dieser Zeit nicht einbricht. Ein Ergebnisrückgang während der Transaktion ist der klassische Anlass für Nachverhandlung – und er entsteht häufig genau deshalb, weil die Führung mit dem Verkauf beschäftigt ist.

Die fünf Befunde, die regelmäßig Geld kosten

  1. Umsatzabgrenzung. Vorausgezahlte Leistungen, die als Umsatz gebucht wurden. Bei Abonnementmodellen der häufigste Befund überhaupt.
  2. Working Capital zum Stichtag. Ein Forderungsbestand, der genau zum Bewertungsstichtag ungewöhnlich niedrig ist, oder Lieferantenzahlungen, die verschoben wurden. Beides fällt in der Monatsreihe sofort auf.
  3. Bereinigungen ohne Beleg. Eine Liste von Einmaleffekten, die niemand nachweisen kann.
  4. Personenabhängigkeit. Kundenbeziehungen, Preisverhandlungen oder Fachwissen, die an einer Person hängen – meist am Verkäufer selbst.
  5. Aufgeschobene Investitionen. Wartung, IT, Ersatzbeschaffungen, die verschoben wurden und die Marge kurzfristig heben. Ein Käufer rechnet sie zurück.

Keiner dieser Punkte ist für sich ein Vorwurf. Teuer werden sie, wenn der Käufer sie findet und der Verkäufer sie nicht kannte.

Warum die Rolle häufig extern besetzt wird

Exit-Vorbereitung ist Zusatzlast auf einer Finanzfunktion, die im Regelbetrieb ausgelastet ist. Sie läuft über neun bis zwölf Monate, endet dann und verlangt Erfahrung mit einem Prozess, den ein Unternehmen im Idealfall einmal durchläuft. Dazu kommt ein Interessenaspekt: Die Person, die den Prozess führt, arbeitet auf ihr eigenes Ende hin.

Das ist die Konstellation, in der ein Interim CFO oder ein CFO as a Service üblich ist – befristet, mit Transaktionserfahrung, ohne den laufenden Betrieb anzuhalten. Tagessätze in transaktionsnahen Mandaten liegen über dem Marktmittel; die Bandbreiten stehen auf unserer Preisübersicht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Vorbereitung auf einen Unternehmensverkauf?

Realistisch zwölf Monate bis zum Prozessstart. Die Frist folgt aus der Arbeit: 24 Monate konsistente Zahlenhistorie, sechs bis zwölf Wochen für eine Vendor Due Diligence, sechs bis zehn Wochen für den Datenraum, dazu Zeit für die Behebung der Befunde. Mit weniger Vorlauf ist ein Verkauf möglich, aber teurer.

Was prüft ein Käufer als Erstes?

Die Überleitung vom testierten Ergebnis zum bereinigten EBITDA, den Umsatz nach Kunden und Wiederkehr sowie den Working-Capital-Verlauf. Diese drei Auswertungen entscheiden, ob die weitere Prüfung entspannt oder misstrauisch verläuft.

Braucht man eine Vendor Due Diligence?

In einem Bieterverfahren mit mehreren Interessenten und bei einem Carve-out fast immer, weil sie sonst von jedem Bieter einzeln beauftragt würde. Bei einer bilateralen Transaktion mit einem Interessenten reicht häufig die interne Vorbereitung nach denselben Fragen.

Was ist der häufigste Grund für eine Kaufpreisreduktion?

Befunde in der Ertragsqualität: Bereinigungen, die nicht belegt sind, Umsatz, der zu früh realisiert wurde, und ein Working Capital, das zum Stichtag besser aussieht als im Jahresverlauf. Da der Kaufpreis über einen Multiplikator entsteht, wirkt jede Korrektur des EBITDA vervielfacht.

Muss der Gesellschafter nach dem Verkauf bleiben?

Das ist Verhandlungssache, aber die Ausgangslage entscheidet der Vorlauf. Je stärker Kundenbeziehungen und operative Entscheidungen an einer Person hängen, desto länger die geforderte Übergangszeit und desto größer der Anteil des Kaufpreises, der an spätere Bedingungen geknüpft wird.

Was kostet die Vorbereitung?

Die externen Kosten – Vendor Due Diligence, Datenraum, Rechtsberatung – hängen von Größe und Komplexität ab. Der größere Posten ist meist die Finanzkapazität über neun bis zwölf Monate. Gemessen wird beides an der Hebelwirkung: Bei einem Multiplikator von acht verändert eine Anpassung von 200.000 Euro den Kaufpreis um 1,6 Millionen.

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Quellen und Stand

Der Beitrag beruht auf der Mandatspraxis von nugrow in Transaktions- und Vorbereitungsprojekten sowie auf den in den verlinkten Glossarbeiträgen dargestellten Verfahren. Tagessatzangaben: DDIM-Marktstudie 2026 und die Bandbreiten der nugrow-Preisübersicht. Stand: September 2026. Dieser Beitrag ist eine Übersicht und ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

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