Carve-out-Bilanz

Die Carve-out-Bilanz stellt einen aus einem Konzern herauszulösenden Unternehmensteil so dar, als sei er ein eigenständiges Unternehmen gewesen. Sie umfasst mehrere Jahre, verteilt gemeinsam genutzte Vermögenswerte, Schulden und Kosten und ist die Grundlage für Bewertung und Kaufpreisverhandlung.

Warum es sie überhaupt gibt

Ein Carve-out verkauft einen Teil eines Unternehmens, der nie eigene Bücher geführt hat. Es gibt keine Bilanz, keine Gewinn- und Verlustrechnung, keine Historie – der Teil war eine Sparte, ein Standort, ein Produktbereich innerhalb eines größeren Ganzen. Ein Käufer kann aber nichts bewerten, was keine Zahlen hat. Die Carve-out-Bilanz stellt diese Zahlen nachträglich her, in der Regel für die letzten zwei bis drei Geschäftsjahre.

Die drei Kernfragen

Was gehört dazu? Vermögenswerte und Schulden müssen dem herauszulösenden Teil zugeordnet werden. Bei Maschinen und Kundenverträgen ist das einfach, bei einem Firmengebäude mit mehreren Nutzern, gemeinsamen Kreditlinien oder konzernweiten Pensionszusagen nicht. Jede Zuordnung ist eine Annahme, und jede Annahme wird in der Due Diligence hinterfragt.

Welche Kosten trägt der Teil? Zentralfunktionen – Buchhaltung, IT, Personal, Recht, Geschäftsführung – wurden bisher vom Konzern gestellt und oft über eine Umlage verrechnet, die betriebswirtschaftlich nichts aussagt. Für die Carve-out-Bilanz müssen sie neu bemessen werden, und zwar in der Höhe, in der sie beim eigenständigen Unternehmen tatsächlich anfielen. Diese Stand-alone-Kosten sind der am häufigsten umstrittene Posten der ganzen Rechnung: Sie senken das ausgewiesene Ergebnis und damit den Kaufpreis.

Was fällt weg, was kommt hinzu? Konzerninterne Umsätze und Lieferbeziehungen müssen als solche kenntlich gemacht werden – bleiben sie nach dem Verkauf bestehen, zu welchen Konditionen? Häufig werden sie über ein Transitional Services Agreement befristet weitergeführt, dessen Preise wiederum ins Zahlenwerk gehören.

Abgrenzung zum geprüften Abschluss

Eine Carve-out-Bilanz ist kein handelsrechtlicher Jahresabschluss. Sie folgt keiner gesetzlichen Aufstellungspflicht, wird nach vereinbarten Grundsätzen erstellt und je nach Transaktionsgröße von einem Wirtschaftsprüfer mit einer Bescheinigung versehen. Ihre Belastbarkeit steht und fällt deshalb mit der Offenlegung der Annahmen: Welche Umlage wurde wie ersetzt, nach welchem Schlüssel wurden gemeinsame Kosten verteilt, was wurde bewusst weggelassen.

Was das für die Finanzfunktion bedeutet

Eine Carve-out-Bilanz ist Projektarbeit über mehrere Monate und bindet Kapazität, die im laufenden Betrieb nicht frei ist. Sie verlangt Zugriff auf Daten, die im Konzernsystem nicht nach dieser Dimension geschnitten sind, und sie muss Entscheidungen dokumentieren, die später verhandelt werden. Genau deshalb ist sie einer der typischen Auslöser für ein Interim-CFO-Mandat: Die Aufgabe ist zeitlich begrenzt, fachlich speziell und darf den Regelbetrieb nicht anhalten.

Synonyme:
Carve-out-Abschluss, Combined Financial Statements, Pro-forma-Abschluss
Englischer Begriff:
Carve-out Financial Statements
Zuletzt aktualisiert:
September 2, 2026