Sebastian Janus
Sebastian Janus

Interim CFO im Private-Equity-Umfeld: Mandatstypen, Erwartungen, Auswahl

Fünf Mandatstypen, der Unterschied zwischen PE und VC, sechs Erwartungen des Gesellschafters und drei Fragen, die bei der Auswahl wirklich trennen. Mit den Tagessatz- und Marktzahlen der DDIM-Marktstudie 2026.

Titelbild: Interim CFO im Private-Equity-Umfeld – fünf Mandatstypen und was der Gesellschafter erwartet.

Die kurze Antwort

Ein Interim CFO im Private-Equity-Umfeld wird für eine begrenzte Zeit in ein Portfoliounternehmen gesetzt, um die Finanzfunktion auf den Standard zu bringen, den ein institutioneller Gesellschafter braucht. Der Unterschied zu einem klassischen Interim-Mandat liegt nicht in der Fachlichkeit, sondern im zweiten Auftraggeber: Es gibt eine Geschäftsführung und einen Gesellschafter, und beide erwarten Ergebnisse – nicht immer dieselben.

Fünf Mandatstypen decken den weit überwiegenden Teil der Nachfrage ab. Sie unterscheiden sich in Dauer, Anspruch und Erfolgsmaßstab deutlich.

Die fünf Mandatstypen

MandatstypAnlassTypische DauerWoran der Erfolg gemessen wird
TransitionDer CFO geht, ein Nachfolger ist noch nicht gefunden4–9 MonateKein Bruch im Berichtswesen, sauberer Übergang
BridgeNachfolger steht fest, tritt aber später an2–5 MonateLaufender Betrieb, dokumentierte Übergabe
Post-MergerZukauf im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie6–12 MonateKonsolidierung steht, einheitlicher Kontenrahmen, gemeinsamer Abschlusskalender
Exit-VorbereitungVerkauf in 12 bis 24 Monaten geplant9–18 MonatePrüfungsfähige Zahlen, Factbook, belastbare Bereinigungen
RestrukturierungPlan verfehlt, Covenant unter Druck6–12 MonateLiquidität gesichert, Maßnahmen umgesetzt, Vertrauen der Finanzierer

Diese Typen sind nicht trennscharf. Ein Transition-Mandat, das mit einem Zukauf zusammenfällt, ist in der Praxis der Normalfall.

Was Private Equity anders macht als Venture Capital

Beide sind institutionelle Eigentümer, aber die Steuerungslogik unterscheidet sich, und daran hängt, was von der Finanzfunktion erwartet wird.

Fremdkapital. PE-Transaktionen sind in der Regel fremdfinanziert. Damit gibt es einen Kreditvertrag, Covenants und Berichtspflichten mit Fristen, deren Verletzung unmittelbare Konsequenzen hat. Im VC-Umfeld gibt es das in dieser Form nicht – dort ist die Liquiditätsreichweite die bindende Größe, nicht der Verschuldungsgrad.

Zeithorizont. Ein Fonds hat eine Laufzeit. Die Frage „Wie sieht das in achtzehn Monaten aus, wenn wir verkaufen?“ steht ab dem ersten Tag im Raum und prägt jede größere Entscheidung. Im VC-Umfeld ist der Horizont die nächste Finanzierungsrunde.

Ergebnis statt Wachstum. PE steuert über Ergebnis, Cashflow und Verschuldungsgrad. VC steuert über Wachstum und Reichweite des Kapitals. Das führt zu unterschiedlichen Kennzahlen, unterschiedlichen Berichten und einer unterschiedlichen Prioritätenliste in der Finanzabteilung.

Berichtsdisziplin. Ein PE-Gesellschafter erwartet den Monatsbericht zu einem festen Werktag, nicht „Anfang des Monats“. Diese Umstellung ist für Unternehmen, die vorher familiengeführt oder gründergeführt waren, der spürbarste Teil des Eigentümerwechsels.

Was der Gesellschafter tatsächlich erwartet

Jenseits der Fachlichkeit lassen sich die Erwartungen an einen Interim CFO in einem Portfoliounternehmen auf sechs Punkte verdichten:

  • Verlässlichkeit vor Perfektion. Ein Bericht, der zum vereinbarten Termin mit erklärten Unsicherheiten kommt, ist mehr wert als ein perfekter Bericht zehn Tage später.
  • Schlechte Nachrichten früh. Eine Planabweichung, die im Monat ihrer Entstehung gemeldet wird, ist ein Sachverhalt. Dieselbe Abweichung im Quartalsbericht ist ein Vertrauensproblem.
  • Eine Meinung, nicht nur Zahlen. Erwartet wird die Einordnung: Was bedeutet diese Abweichung, was schlagen Sie vor, was kostet es.
  • Übersetzungsarbeit in beide Richtungen. Die Erwartungen des Gesellschafters für das Team operationalisieren – und die operative Realität für den Gesellschafter verständlich machen.
  • Ein Aufbau, der bleibt. Prozesse und Dokumentation, die auch nach dem Mandat tragen.
  • Loyalität zum Unternehmen. Der Gesellschafter zahlt mittelbar, aber die Verantwortung liegt gegenüber der Gesellschaft. Ein Interim CFO, der als verlängerter Arm des Investors wahrgenommen wird, verliert das Team – und damit die Grundlage für jede Umsetzung.

Woran Mandate scheitern

Unklarer Auftrag. „Die Finanzabteilung auf Vordermann bringen“ ist kein Mandat. Ohne definierte Ergebnisse mit Terminen wird nach vier Monaten über etwas anderes gesprochen als am Anfang.

Keine Entscheidungsbefugnis. Wer Prozesse ändern soll, aber weder Budget noch Weisungsrecht hat, liefert Präsentationen statt Veränderung.

Zwei Auftraggeber ohne Abstimmung. Wenn Geschäftsführung und Gesellschafter unterschiedliche Erwartungen haben und das nicht ausgesprochen ist, wird der Interim CFO zum Austragungsort.

Keine Übergabe geplant. Ein Mandat ohne definiertes Ende und ohne Nachfolgeplan endet abrupt – und das Erreichte zerfällt in wenigen Monaten.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Die üblichen Kriterien – Branchenerfahrung, Systemkenntnis, Verfügbarkeit – sind notwendig, aber nicht die entscheidenden. Drei Fragen trennen in der Praxis:

  1. Wie oft hat die Person diesen Aufbau schon gemacht? Ein PE-taugliches Berichtswesen zum ersten Mal zu bauen dauert doppelt so lange wie beim vierten Mal. Fragen Sie nach der Zahl vergleichbarer Mandate, nicht nach Jahren Berufserfahrung.
  2. Hat sie auf beiden Seiten des Tisches gesessen? Wer selbst eine Due Diligence begleitet und ein Factbook mitgebaut hat, weiß, welche Zahlen im Verkaufsprozess auseinanderfallen – und baut sie vorher richtig auf.
  3. Was passiert nach dem Mandat? Fragen Sie nach der Übergabe: Wie sieht sie aus, was wird dokumentiert, wie wird der Nachfolger eingearbeitet. Die Antwort zeigt, ob jemand für den Dauerbetrieb baut oder für die eigene Unentbehrlichkeit.

Dauer, Kosten und vertragliche Form

Der deutsche Interim-Markt ist gut vermessen. Die DDIM-Marktstudie 2026 prognostiziert einen durchschnittlichen Tagessatz von 1.317 Euro über alle Funktionen, eine Auslastung von 81 Prozent und ein Gesamtmarktvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro bei etwa 12.500 Interim Managern. CFO-Mandate mit Transaktions- und Private-Equity-Erfahrung liegen über diesem Durchschnitt; die Bandbreite reicht im Markt üblicherweise bis rund 2.500 Euro.

Mandatsdauern von vier bis zwölf Monaten sind der Normalfall, häufig mit reduziertem Umfang in der Auslaufphase. Ein Einsatz mit zwei bis drei Tagen pro Woche ist in kleineren Portfoliounternehmen üblich und wirtschaftlich oft die richtige Antwort – der Aufbau eines Berichtswesens ist keine Vollzeitaufgabe, sobald die ersten Wochen vorbei sind.

Vertraglich handelt es sich um einen Dienstvertrag mit einem selbstständigen Auftragnehmer, nicht um Arbeitnehmerüberlassung. Die Abgrenzung ist kein Formalismus: Sie entscheidet über Beitragspflichten und Haftung. Zwei Begriffe, die in jeder Vertragsgestaltung geprüft gehören, sind Scheinselbstständigkeit und Arbeitnehmerüberlassung.

Häufige Fragen

Was macht ein Interim CFO in einem Private-Equity-Portfoliounternehmen?

Er führt die Finanzfunktion für eine begrenzte Zeit und bringt sie auf den Standard, den ein institutioneller Gesellschafter erwartet: Monatsberichte zu festen Terminen, Covenant-Reporting, integrierte Planung, Liquiditätssteuerung und – je nach Anlass – Konsolidierung nach Zukäufen oder die Vorbereitung eines Verkaufsprozesses. Dazu kommt die Kommunikation mit dem Gesellschafter und dessen Investment Committee.

Wie unterscheidet sich ein PE-Mandat von einem VC-Mandat?

PE-Transaktionen sind fremdfinanziert, damit gibt es Covenants und harte Berichtsfristen; gesteuert wird über Ergebnis, Cashflow und Verschuldungsgrad. Im VC-Umfeld ist die Liquiditätsreichweite bis zur nächsten Runde die bindende Größe, gesteuert wird über Wachstum. Das führt zu unterschiedlichen Kennzahlen und einer anderen Prioritätenliste in der Finanzabteilung.

Wie lange dauert ein Interim-CFO-Mandat im Private Equity?

Bridge-Mandate liegen bei zwei bis fünf Monaten, Transition-Mandate bei vier bis neun, Post-Merger- und Exit-Vorbereitungsmandate bei sechs bis achtzehn Monaten. Häufig wird der Umfang gegen Ende reduziert, statt das Mandat abrupt zu beenden.

Ist ein Interim CFO Arbeitnehmerüberlassung?

In der Regel nicht. Ein Interim CFO wird auf Grundlage eines Dienstvertrags als selbstständiger Auftragnehmer tätig und ist nicht in die Weisungsstruktur wie ein Arbeitnehmer eingegliedert. Entscheidend ist die tatsächliche Durchführung, nicht die Vertragsüberschrift – und genau deshalb gehören Aufgabenzuschnitt und Weisungswege vor Mandatsbeginn geklärt.

Wann sollte ein Portfoliounternehmen einen Interim CFO einsetzen statt fest zu besetzen?

Wenn die Anforderung befristet ist – Aufbau nach dem Closing, Integration eines Zukaufs, Vorbereitung eines Exits – oder wenn die Stelle unerwartet vakant wird und eine dauerhafte Besetzung Monate dauern würde. Für den Dauerbetrieb einer eingerichteten Finanzfunktion ist eine feste Besetzung günstiger.

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Quellen und Stand

Tagessatz, Auslastung, Marktvolumen und Anzahl der Interim Manager: DDIM-Marktstudie 2026. Die Aussagen zu Mandatstypen, Dauern und Erwartungen beruhen auf der Mandatspraxis von nugrow in Portfoliounternehmen von Beteiligungsgesellschaften und Wagniskapitalgebern. Stand: September 2026. Der Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch die Übernahme und blieb als CFO an Bord. Seit 2017 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

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