Sebastian Janus
Sebastian Janus

Interim CFO, CFO as a Service oder Festanstellung? Der Entscheidungsleitfaden für die Finanzabteilung

Drei Wege, eine Finanzabteilung zu verstärken – und drei sehr unterschiedliche Kostenstrukturen. Mit belegten Tagessätzen, Vollkosten für Deutschland 2026, einem Rechenbeispiel über sechs Monate und sieben Fragen, die jeder Anbieter beantworten sollte.

Aktualisiert am
Titelbild: Interim CFO, CFO as a Service oder Festanstellung – drei Modelle im Vergleich.

Die kurze Antwort

Wer eine unbesetzte Rolle in Vollzeit überbrücken muss, braucht Interim Management. Wer dauerhaft CFO-Kompetenz braucht, aber keine Vollzeitstelle rechtfertigen kann, braucht CFO as a Service. Eine Festanstellung lohnt sich erst, wenn die Finanzfunktion dauerhaft mehr als eine Vollzeitkraft auslastet und die Rolle intern besetzbar ist. Die drei Modelle unterscheiden sich weniger in der Qualifikation als in Bindung, Verfügbarkeit und Kostenstruktur.

Interim Management, CFO as a Service und Festanstellung im Vergleich

KriteriumInterim ManagementCFO as a ServiceFestanstellung
ZweckVakanz überbrücken, Sonderprojekt stemmenDauerhafte Finanzführung in TeilzeitDauerhafte Finanzführung in Vollzeit
Zeitliche EinbindungMeist Vollzeit oder nahe VollzeitWenige Tage pro Monat bis mehrere Tage pro WocheVollzeit
Typische DauerEinige Monate bis rund ein JahrLaufend, mit anpassbarem UmfangUnbefristet
StartzeitTage bis wenige WochenTage bis wenige WochenSechs bis neun Monate inklusive Kündigungsfrist
AbrechnungTagessatz 1.400–2.500 €Bei nugrow: ab 1.800 € netto/Tag × vereinbarte EinsatztageJahres-Vollkosten 140.000–300.000 €
BindungBefristet, klar definiertes EndeKurzfristig anpassbarArbeitsvertrag mit Kündigungsfrist
WissenstransferMuss aktiv geplant werdenTeam statt Einzelperson, Wissen bleibt beim AnbieterWissen bleibt im Unternehmen
RisikoAbhängigkeit von einer PersonAbhängigkeit vom AnbieterFehlbesetzung ist teuer und langwierig

Wo der Fractional CFO einzuordnen ist

Ein Fractional CFO übernimmt laufend Finanzführung in Teilzeit mit anpassbarem Umfang. Ein Interim CFO übernimmt Verantwortung für einen begrenzten Zeitraum, etwa bei einer Vakanz oder einem Sonderprojekt. Bei nugrow werden beide Modelle nach vereinbartem Tagessatz und Einsatzumfang kalkuliert; Laufzeit, Umfang und Kündigungsfrist werden vertraglich festgelegt. Weiterlesen: Fractional CFO · Fractional CFO, externer CFO, Teilzeit-CFO: was die Begriffe wirklich meinen.

Wann passt welches Modell?

Startups und Scale-ups

Vor der ersten oder zweiten Finanzierungsrunde steigt die Finanzkomplexität schneller als das Team. Gefragt sind belastbare Planung, Investoren-Reporting und eine saubere Datenbasis für die Due Diligence. Eine Vollzeit-CFO-Stelle ist in dieser Phase selten gerechtfertigt. CFO as a Service deckt genau diese Lücke: strategische Finanzführung in dem Umfang, den das Unternehmen gerade braucht.

Mittelstand

Hier existiert meist eine funktionierende Buchhaltung, aber keine Steuerungsebene darüber. Typische Auslöser sind Nachfolge, Digitalisierung der Finanzprozesse, ein Bankgespräch oder ein Turnaround. Beide Modelle kommen infrage: Interim Management, wenn eine konkrete Rolle vakant ist, CFO as a Service, wenn Controlling und Reporting erst aufgebaut werden müssen.

Konzerne und Großunternehmen

In bestehenden Finanzabteilungen geht es um die befristete Besetzung einzelner Rollen: Head of Accounting während einer Elternzeit, Projektcontrolling für eine Systemumstellung, Konsolidierung während einer Transaktion. Das ist klassisches Interim Management. Entscheidend ist, dass die Person am ersten Tag produktiv ist, nicht dass sie langfristig bleibt. Wie ein solches Mandat konkret abläuft, steht im Beitrag zu Rollen, Ablauf und den ersten 90 Tagen.

Vor der Wahl des Modells steht oft die Frage nach der Rolle: Fehlt eher jemand, der die Zahlen verlässlich macht, oder jemand, der mit ihnen Geld beschafft? Das klärt der Beitrag Head of Finance oder CFO. Fehlt nur die Leitung des Teams, nicht die Ebene darüber, ist ein Head of Finance auf Zeit meist die passende und günstigere Besetzung.

Was die Modelle kosten

Die drei Modelle sind nur vergleichbar, wenn auf Vollkosten gerechnet wird. Bei einer Festanstellung kommen zum Bruttogehalt Arbeitgeberanteile, Bonus, Arbeitsplatz und Recruiting hinzu. Interim Management wird auf Tagesbasis abgerechnet, wirkt pro Tag teurer und ist über einen befristeten Einsatz häufig günstiger. CFO as a Service liegt dazwischen und skaliert mit dem abgerufenen Umfang.

Tagessätze im Finanzbereich

Die folgenden Spannen sind Marktwerte aus öffentlich zugänglichen Erhebungen für Deutschland, Stand 2026. Sie geben die Größenordnung wieder, in der sich seriöse Angebote bewegen. Wer die Sätze nach Rolle, Anlass und Abrechnungsmodell im Detail braucht, findet sie in der ausführlichen Übersicht zu Tagessätzen im Interim Management.

RolleTagessatzAnmerkung
Interim CFO, Finanzleitung1.400–2.500 €Einstieg meist ab rund 1.500 €
Interim CFO in Restrukturierung oder Konzernumfeldab 3.000 €Sanierung, Carve-out, Transaktion
Controlling800–1.200 €Aufbau Reporting, Projektcontrolling
Finanz- und Bilanzbuchhaltung880–1.120 €110–140 € pro Stunde; über Provider 25–35 % Aufschlag
HR- und Personalleitung800–1.500 €zum Vergleich, außerhalb Finance

Zur Einordnung: Die DDIM-Marktstudie prognostiziert für 2026 einen durchschnittlichen Tagessatz von 1.317 Euro über alle Funktionen hinweg, bei rund 12.500 Interim Managern am Markt, einer Auslastung von 81 Prozent und einem Marktvolumen von etwa 2,7 Milliarden Euro. Finance liegt systematisch über diesem Durchschnitt, weil die Rolle Ergebnisverantwortung trägt.

CFO as a Service: Tagessatz und Einsatzumfang

Bei nugrow beginnt CFO-Unterstützung bei 1.800 € netto pro Tag. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und vereinbartem Einsatzumfang. Acht Tage ergeben beispielsweise 14.400 € netto; dies ist eine Rechenhilfe, keine Monatspauschale. Weiterlesen: einzelnen Leistungsmodule.

Festanstellung: die Vollkostenrechnung

Das Bruttogehalt ist nur ein Teil. Der Median für CFO-Positionen in Deutschland liegt laut StepStone-Gehaltsdaten bei rund 114.400 Euro im Jahr, mit deutlicher Spreizung nach Region und Unternehmensgröße. Rechnet man Arbeitgeberanteile, Bonus und Arbeitsplatz hinzu, ergeben sich Jahres-Vollkosten von etwa 140.000 bis 190.000 Euro im klassischen Mittelstand und 180.000 bis 300.000 Euro im gehobenen Mittelstand und Konzernumfeld. Dazu kommt einmalig das Recruiting mit typischerweise 25 bis 30 Prozent eines Jahresgehalts – und eine Besetzungsdauer von sechs bis neun Monaten inklusive Kündigungsfrist.

Rechenbeispiel: sechs Monate Finanzleitung

ModellRechengrundlageKosten über 6 Monate
Interim Management4 Tage pro Woche, rund 104 Einsatztage146.000–260.000 €
CFO as a Service1–3 Tage/Woche × 4,33 Wochen/Monat × 6 Monate × 1.800 €/Tag46.764–140.292 € netto
Festanstellunganteilige Jahres-Vollkosten70.000–160.000 €, verfügbar aber frühestens nach 6–9 Monaten

Die Zeilen enthalten unterschiedliche Einsatzumfänge und sind keine Angebote mit gleicher Kapazität. CFO as a Service wird mit dem nugrow-Einstiegstagessatz berechnet; die übrigen Zeilen zeigen Marktannahmen.

Der Vergleich über sechs Monate ist bewusst unfair – und genau das ist der Punkt. Eine Festanstellung ist in diesem Zeitraum überhaupt nicht verfügbar. Wer ehrlich rechnet, legt einen Horizont von 24 Monaten an und zählt die Vakanzmonate mit: sechs bis neun Monate ohne Finanzleitung kosten in der Regel mehr als der Aufschlag eines Interim-Tagessatzes.

Wann die Rechnung kippt

Vergleichen Sie denselben Zeitraum und den tatsächlich benötigten Einsatzumfang. Berücksichtigen Sie bei der Festanstellung Arbeitgeberkosten, Recruiting und Vakanz. Eine feste Kostenschwelle gibt es nicht; eine eigene Stelle passt vor allem bei dauerhaft ausreichender Auslastung und erfolgreicher Besetzung.

Für Beratungsleistungen kann in Deutschland zudem eine BAFA-Förderung greifen. nugrow ist als Beratungsunternehmen bei der BAFA gelistet.

Sieben Fragen an jeden Anbieter

  1. Wer arbeitet konkret im Projekt – und mit welcher Erfahrung in vergleichbaren Unternehmen?
  2. Was passiert, wenn diese Person ausfällt?
  3. Welche Leistungen sind im Preis enthalten, welche werden zusätzlich berechnet?
  4. Wie kurzfristig lässt sich der Umfang nach oben und nach unten anpassen?
  5. Welche Kündigungsfrist gilt?
  6. Wie wird Wissen dokumentiert und übergeben, wenn die Zusammenarbeit endet?
  7. Welche vergleichbaren Projekte lassen sich als Referenz sprechen?

Wie die Anbietersuche praktisch abläuft – über Provider, offene Plattformen oder das eigene Netzwerk – steht im Auswahlleitfaden für Interim CFOs.

Häufige Fehler bei der Auswahl

Nur auf den Tagessatz schauen. Ein günstiger Tagessatz hilft nicht, wenn die Einarbeitung doppelt so lange dauert. Entscheidend sind die Kosten bis zum Ergebnis, nicht pro Tag.

Das Modell vor dem Problem wählen. Erst die Frage klären, ob eine Rolle überbrückt oder eine Funktion aufgebaut werden soll. Daraus ergibt sich das Modell.

Den Wissenstransfer vergessen. Ohne dokumentierte Prozesse steht das Unternehmen nach dem Einsatz wieder am Anfang.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Interim CFO und CFO as a Service?

Ein Interim CFO überbrückt eine konkrete Vakanz, meist in Vollzeit und für einen klar befristeten Zeitraum. CFO as a Service bedeutet dauerhafte Begleitung in Teilzeit, mit einem Umfang, der sich an den Bedarf anpasst.

Was kostet ein Interim CFO pro Tag?

In Deutschland liegen die Tagessätze für einen Interim CFO marktweit bei 1.400 bis 2.500 Euro, mit Einstieg meist ab rund 1.500 Euro. In Restrukturierungs- und Konzernprojekten sind 3.000 Euro und mehr üblich. Der Durchschnitt über alle Interim-Funktionen liegt laut DDIM-Marktstudie 2026 bei 1.317 Euro.

Was kostet CFO as a Service pro Monat?

Bei nugrow beginnt CFO-Unterstützung bei 1.800 € netto pro Tag. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und vereinbartem Einsatzumfang. Acht Tage ergeben beispielsweise 14.400 € netto; dies ist eine Rechenhilfe, keine Monatspauschale.

Wie schnell kann ein Interim Manager starten?

Interim Manager sind in der Regel kurzfristig verfügbar und nehmen die Arbeit oft innerhalb weniger Tage bis zu zwei Wochen auf – deutlich schneller als eine reguläre Festanstellung, die inklusive Kündigungsfrist sechs bis neun Monate braucht.

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich ein externer CFO?

Komplexität und Arbeitsumfang sind wichtiger als die Mitarbeiterzahl. Externe CFO-Unterstützung kann helfen, wenn Geschäftsführung und Buchhaltung Finanzplanung, Liquiditätssteuerung und Reporting nicht zuverlässig abdecken können. Vergleichen Sie denselben Zeitraum und den tatsächlich benötigten Einsatzumfang. Berücksichtigen Sie bei der Festanstellung Arbeitgeberkosten, Recruiting und Vakanz. Eine feste Kostenschwelle gibt es nicht; eine eigene Stelle passt vor allem bei dauerhaft ausreichender Auslastung und erfolgreicher Besetzung.

Bleibt das Wissen im Unternehmen?

Nur wenn es vertraglich geregelt ist. Dokumentation von Prozessen, Übergabe der Modelle und Reporting-Strukturen gehören in den Leistungsumfang – nicht in die letzte Woche des Einsatzes.

Kann ein Interim CFO in Teilzeit oder remote arbeiten?

Beides ist üblich, hängt aber vom Anlass ab. Restrukturierung, Transaktion und Führung eines größeren Finance-Teams verlangen Präsenz und meist Vollzeit. Vakanzüberbrückung in einem eingespielten Team, Investoren-Reporting und Projektsteuerung funktionieren mit drei Tagen pro Woche und überwiegend remote. Teilzeit und Remote-Arbeit senken den Tagessatz, weil Auslastung und Reisezeit planbarer werden; sobald der Bedarf dauerhaft unter drei Tagen pro Woche liegt, ist CFO as a Service das passendere Modell.

Weiterlesen

Quellen

Tagessatz-Spannen nach Funktion: Interim Profis, Übersicht Interim-Manager-Tagessätze. Marktdurchschnitt, Auslastung und Marktvolumen: DDIM-Marktstudie 2026 des Dachverbands Deutsches Interim Management. Einstiegstagessatz Interim CFO: Robert Walters. Stunden- und Tagessätze Buchhaltung sowie Provider-Aufschlag: Effizienzbuchhalter. CFO-Gehaltsmedian: StepStone-Gehaltsdaten Deutschland. Alle Werte Stand August 2026; sie beschreiben den Markt, nicht die Konditionen eines einzelnen Anbieters.

Passend dazu: Interim Controller: Wann sich Controlling auf Zeit lohnt.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

Profil und Werdegang von Sebastian Janus

Finanzabteilung verstärken – vom Reporting bis zur Finanzführung

Interim CFO, CFO as a Service und Financial Modelling – aus über 350 Projekten seit 2019. Erste Profile innerhalb von 24 Stunden.
Jetzt Erstgespräch vereinbaren
Oder direkt anrufen: +49 234 47995220