Die kurze Antwort
Wir haben unsere Pitchdeck-Datenbank vollständig ausgewertet: 3.372 Decks aus 67 Ländern. Aus Sicht der Finanzfunktion sind drei Befunde relevant. Seed ist mit 34,4 Prozent die häufigste genannte Runde, Series A folgt mit 21,7 Prozent – das ist die Phase, in der Unternehmen Finanzstrukturen brauchen, die sie noch nicht haben. Ein Viertel aller Runden liegt unter 2,5 Millionen Dollar, was den Spielraum für eine eigene Finanzabteilung eng macht. Und zwei Drittel der Decks mit hinterlegtem Geschäftsmodell sind SaaS – ein Modell, dessen Umsatzabgrenzung der häufigste Grund dafür ist, dass Buchhaltung und Reporting auseinanderlaufen.
Die vollständige Auswertung mit Methodik, Branchenverteilung und Länderdaten steht im State of Startup Pitch Decks auf derStartupCFO. Dieser Beitrag liest dieselben Daten aus der Perspektive der Finanzfunktion: Was folgt daraus für den Aufbau von Finance nach der Runde?
Die Datenbasis
Grundlage sind 20.243 einzeln erfasste Slides, gruppiert nach Unternehmen. Daraus ergeben sich 3.372 Decks aus 67 Ländern, Stichtag 31. August 2026. Die USA stellen 44,5 Prozent, Deutschland 14,5 Prozent (456 Decks), Großbritannien 13,1 Prozent. Die deutsche Übergewichtung gegenüber dem tatsächlichen Marktanteil ist gewollt: Deutsche Decks werden gezielt erfasst, weil sie für deutschsprachige Leser der relevante Vergleichsmaßstab sind.
Seed und Series A: die Phase, in der die Finanzfunktion kippt
Seed ist die häufigste konkret benannte Runde (34,4 Prozent der Decks), Series A folgt mit 21,7 Prozent. Pre-Seed liegt bei 5,3 Prozent, Series C bei 5,7 Prozent, alles ab Series E zusammen bei 1,7 Prozent.
Eine methodische Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtig genug, um sie hier zu wiederholen: Das Feld erlaubt Mehrfachwerte, 65,7 Prozent der Decks tragen mehr als einen. Die Anteile lassen sich deshalb nicht addieren. Zu lesen sind sie als Anteil der Decks, die diesen Wert mindestens einmal tragen.
Für die Finanzfunktion ist genau dieser Bereich der kritische. In der Pre-Seed-Phase reicht eine ordentliche Buchhaltung und ein Finanzplan, der die Annahmen des Geschäftsmodells trägt. Mit der Seed-Runde ändert sich die Anforderung schlagartig: Es gibt Investoren, die berichtet bekommen wollen, einen Kapitalstock, dessen Reichweite jederzeit beantwortbar sein muss, und meist die ersten Einstellungen in nennenswerter Zahl. Spätestens zur Series A kommt ein Reporting hinzu, das einer Prüfung standhält, weil es Grundlage der nächsten Bewertung wird.
Der übliche Fehler liegt nicht darin, zu spät einen CFO einzustellen. Er liegt darin, die Frage als reine Personalfrage zu behandeln. Zwischen „Buchhaltung reicht" und „eigene CFO-Stelle" liegen mehrere Jahre und mehrere Zwischenstufen: ein Fractional CFO mit einem Tag pro Woche, ein Interim CFO für die Dauer eines Fundraisings, oder CFO as a Service als dauerhafte anteilige Lösung.
Ein Viertel der Runden liegt unter 2,5 Millionen Dollar
Die Verteilung der eingesammelten Summen: 24,7 Prozent der Decks entfallen auf Runden bis 2,5 Millionen Dollar, 18,2 Prozent auf 2,5 bis 10 Millionen, 22,8 Prozent auf 10 bis 50 Millionen, 14,0 Prozent auf 50 bis 250 Millionen. Über 250 Millionen bleiben 3,0 Prozent. Ein Fünftel der Decks trägt ausdrücklich „n.a." und ist separat ausgewiesen.
Die untere Hälfte dieser Verteilung ist der Alltag der meisten Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Bei einer Runde von zwei Millionen Dollar und einem Ziel von 18 bis 24 Monaten Reichweite bleibt für die gesamte Finanzfunktion – Buchhaltung, Controlling, Reporting, Planung – ein Budget, das eine erfahrene Vollzeitkraft nicht hergibt, eine unerfahrene aber auch nicht trägt. Das ist der wirtschaftliche Grund, aus dem anteilige und ausgelagerte Modelle in dieser Größenklasse dominieren, und nicht ein Mangel an Ambition.
Praktisch heißt das: Die Frage lautet nicht „CFO ja oder nein", sondern welcher Anteil an Finanzführung sich aus welchem Budget finanzieren lässt, ohne dass die operative Buchhaltung darunter leidet. Eine Orientierung dazu gibt unser Beitrag zu den Kosten eines Interim CFO.
Zwei Drittel SaaS – und damit zwei Drittel Abgrenzungsfragen
Unter den 2.706 Decks mit hinterlegtem Geschäftsmodell ist SaaS mit 66,4 Prozent klar dominant. App liegt bei 11,4 Prozent, E-Commerce bei 11,2, Marktplätze bei 6,7 Prozent.
Für die Finanzfunktion ist das die folgenreichste Zahl der ganzen Auswertung. SaaS-Unternehmen rechnen Lizenzen im Voraus ab, häufig jährlich. Das Geld ist auf dem Konto, bevor die Leistung erbracht ist. Wird der Umsatz nicht über die Vertragslaufzeit abgegrenzt, zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung ein Bild, das mit dem Geschäft wenig zu tun hat – und der Posten der abgegrenzten Umsätze ist regelmäßig der erste, den ein Investor in der Due Diligence aufmacht.
Dazu kommt, dass die Steuerungsgrößen eines SaaS-Geschäfts – wiederkehrender Umsatz, die Herleitung seiner Veränderung aus Neugeschäft, Expansion und Kündigung, die Bindung im Bestand – nicht in der Buchhaltung entstehen, sondern aus der Verbindung von Vertragsdaten, Abrechnungssystem und Finanzbuchhaltung. Genau diese Verbindung fehlt in den meisten Setups nach der Seed-Runde. Sie herzustellen ist eine der häufigsten Aufgaben in unseren Mandaten und der Grund, warum wir für dieses Segment eine eigene Leistungsbeschreibung führen.
Bei E-Commerce und Marktplätzen, zusammen rund 18 Prozent, sind es andere Fragen mit derselben Wirkung: mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung und Retourenrückstellungen im Handel, die Abgrenzung zwischen Brutto- und Nettoausweis bei Plattformen.
Fintech führt die Branchen an – mit Folgen für die Finanzabteilung
Fintech ist mit 14,1 Prozent (428 von 3.034 Decks mit Branchenangabe) die häufigste Branche, vor AI/ML/Big Data mit 9,9 Prozent und HealthTech mit 8,0 Prozent. Insgesamt verteilen sich die Decks auf 58 Kategorien.
Fintech-Unternehmen haben in der Regel früher als andere eine regulatorische Berichtspflicht, oft Anforderungen an die Trennung eigener und fremder Gelder und eine Prüfung, die deutlich vor der ersten gesetzlichen Abschlussprüfung anfängt. Wer in diesem Feld gründet, braucht die belastbare Finanzfunktion nicht ab Series A, sondern ab der ersten Lizenz.
Was die Daten nicht sagen
Ein Datensatz ist nur so viel wert, wie seine Grenzen offengelegt sind. Vier Einschränkungen gelten für alles oben:
- Der Bestand endet 2023. Für 2023 sind 154 Decks erfasst, für 2022 noch 531. Die Sammlung bildet einen Bestand mit Schwerpunkt 2019 bis 2022 ab, keinen aktuellen Marktstand.
- Es ist eine kuratierte Sammlung, keine Vollerhebung des Marktes. Die Verteilungen zeigen auch, welche Decks überhaupt öffentlich verfügbar wurden.
- Die Branchentaxonomie überschneidet sich. Kategorien wie Software, Internet und Technology sind unscharf. Die Anteile sind Größenordnungen, keine exakte Marktsegmentierung.
- Zur B2B/B2C-Verteilung sagen wir bewusst nichts. Das Feld ist bei 77,4 Prozent der Decks leer. Aus dem Rest ließe sich eine Zahl rechnen, aber keine belegen.
Häufige Fragen
Ab welcher Finanzierungsrunde braucht ein Startup eine Finanzfunktion?
Praktisch ab der Seed-Runde. Mit dem ersten institutionellen Kapital entstehen Berichtspflichten gegenüber Investoren, eine Liquiditätsreichweite, die jederzeit beantwortbar sein muss, und die ersten Einstellungen in nennenswerter Zahl. Seed ist mit 34,4 Prozent auch die häufigste Runde in unserer Datenbank – der Bereich, in dem die meisten Unternehmen diese Schwelle überschreiten.
Wann lohnt sich eine eigene CFO-Stelle statt eines externen Modells?
Wenn die Komplexität dauerhaft eine Vollzeitkapazität bindet: mehrere Gesellschaften, internationale Strukturen, ein größeres Finanzteam oder ein Transaktionsprozess über Monate. Bei Runden unter 2,5 Millionen Dollar – rund einem Viertel aller Decks – ist das in der Regel noch nicht der Fall.
Warum ist Umsatzabgrenzung bei SaaS so häufig ein Problem?
Weil im Voraus abgerechnet wird. Zahlungseingang und Leistungserbringung fallen auseinander, teilweise um zwölf Monate. Ohne saubere Abgrenzung über die Vertragslaufzeit weicht die Gewinn- und Verlustrechnung systematisch vom tatsächlichen Geschäftsverlauf ab. Da zwei Drittel der ausgewerteten Decks SaaS-Modelle sind, betrifft das die Mehrheit der finanzierten Unternehmen.
Sind die Zahlen auf den deutschen Markt übertragbar?
Nur eingeschränkt. 44,5 Prozent der Decks stammen aus den USA, 14,5 Prozent aus Deutschland. Die Verteilung der Runden und Geschäftsmodelle ist als Muster übertragbar, die absoluten Summen nur bedingt: Runden im deutschen Markt liegen in vergleichbaren Phasen im Mittel niedriger.
Weiterlesen
- State of Startup Pitch Decks – die vollständige Auswertung mit Branchen-, Runden- und Länderverteilung sowie offengelegter Methodik.
- CFO as a Service – was das Leistungsmodell umfasst und wo die Grenze zur Beratung verläuft.
- Fractional CFO – anteilige Finanzführung dauerhaft statt Vollzeitstelle.
- Interim CFO, CFO as a Service oder Festanstellung? – der Entscheidungsleitfaden für die Phase nach der Runde.
- CFO as a Service: Leistungsmodule und Preismodelle – welcher Umfang zu welcher Unternehmensphase passt.
- CFO as a Service bei nugrow – wie die Zusammenarbeit konkret aussieht.
Quelle
Pitchdeck-Datenbank von derStartupCFO, Vollerhebung zum Stichtag 31. August 2026: 20.243 erfasste Slides, nach Unternehmen gruppiert zu 3.372 Decks aus 67 Ländern. Prozentwerte auf eine Nachkommastelle. Bezugsgröße ist bei jeder Auswertung die Zahl der Decks mit mindestens einem Wert im jeweiligen Feld. Vollständige Methodik und Einschränkungen im Ausgangsbericht. Stand: September 2026.





