Covenant
Ein Covenant ist eine vertragliche Nebenabrede in einem Kreditvertrag, die den Kreditnehmer zur Einhaltung bestimmter Kennzahlen oder Verhaltenspflichten verpflichtet. Typische Finanzkennzahlen sind der Verschuldungsgrad, der Zinsdeckungsgrad und die Eigenkapitalquote. Ein Bruch gibt dem Kreditgeber in der Regel ein Kündigungsrecht.
Arten von Covenants
Finanzkennzahlen. Die bekannteste Gruppe. Üblich sind der Verschuldungsgrad (Nettofinanzverbindlichkeiten zu bereinigtem EBITDA), der Zinsdeckungsgrad (EBITDA zu Zinsaufwand), teilweise die Eigenkapitalquote und eine Obergrenze für Investitionen.
Handlungsverbote. Keine weiteren Kredite ohne Zustimmung, keine Ausschüttungen über eine bestimmte Grenze, kein Verkauf wesentlicher Vermögensgegenstände, keine Veränderung der Beteiligungsverhältnisse.
Handlungspflichten. Vorlage von Abschlüssen und Berichten zu festen Fristen, Versicherungsschutz, Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Warum die Definition wichtiger ist als die Kennzahl
Die entscheidende Arbeit liegt nicht darin, den Verschuldungsgrad zu berechnen, sondern zu wissen, wie der Vertrag ihn definiert. Welches EBITDA ist gemeint – berichtet, bereinigt, oder nach einer eigenen vertraglichen Definition? Welche Bereinigungen sind zulässig, gibt es eine Obergrenze dafür? Zählen Gesellschafterdarlehen zu den Finanzverbindlichkeiten? Wird ein Zukauf für die vergangenen zwölf Monate hochgerechnet?
Diese Fragen entscheiden über Einhaltung oder Bruch, und sie werden erstaunlich oft erst dann gestellt, wenn es eng wird. Die Berechnungslogik gehört einmal schriftlich fixiert, idealerweise mit dem Kreditgeber abgestimmt, und in dieser Form monatlich mitgeführt.
Was bei einem Bruch passiert
Ein Bruch führt in der Regel nicht sofort zur Kündigung, sondern zu Verhandlungen. Üblich sind eine befristete Aussetzung, eine dauerhafte Anpassung der Grenzwerte, zusätzliche Sicherheiten, eine Erhöhung der Marge oder eine Kapitalzuführung durch die Gesellschafter. Alle diese Wege sind gangbar – der entscheidende Faktor ist der Zeitpunkt der Information.
Ein Bruch, der drei Monate vorher angekündigt und mit einem Maßnahmenplan hinterlegt wird, ist ein Gespräch. Derselbe Bruch, den der Kreditgeber im eingereichten Bericht selbst entdeckt, ist ein Vertrauensschaden – und Vertrauen ist in diesen Verhandlungen die eigentliche Währung.
Was die Finanzfunktion leisten muss
Drei Dinge: die Kennzahlen monatlich berechnen, nicht erst zum vertraglichen Stichtag; sie in der integrierten Planung vorausrechnen, damit eine drohende Verletzung Monate vorher sichtbar wird; und die Berichtspflichten fristgerecht erfüllen. Die verletzte Berichtsfrist ist übrigens der häufigste Covenant-Bruch überhaupt – und der einzige, der vollständig vermeidbar ist.
