Kurz gefasst
Eine Finanzfunktion fällt selten mit einem Knall aus. Sie hängt schleichend hinterher – erst bei den Zahlen, dann bei den Abläufen, zuletzt im Gespräch mit Investoren und Bank. Dieser Beitrag ist ein Selbsttest: zwölf Warnsignale in drei Gruppen und zu jedem Muster die passende Antwort.
- Signale bei den Zahlen: Meist fehlt eine interne Person, die den Monatsabschluss verantwortet – noch kein CFO.
- Signale bei Prozessen und Planung: Zeit für einen Head of Finance.
- Signale bei Investoren und Bank: Jetzt braucht es CFO-Erfahrung – anteilig als Fractional CFO, befristet als Interim CFO oder fest angestellt.
Die Zuordnung beruht auf unserer Mandatspraxis, nicht auf einer Norm. Welche Rollen in welcher Reihenfolge entstehen, beschreibt der Beitrag Finanzabteilung aufbauen.
So nutzt du die Liste
Geh die zwölf Punkte durch und zähl ehrlich, was bei euch in den letzten drei Monaten zutraf. Ein einzelnes Signal ist ein Hinweis, kein Befund. Entscheidend ist, in welcher Gruppe sich die Treffer häufen – daran siehst du, welche Stufe der Finanzfunktion fehlt.
Warnsignale in den Zahlen
- Der Monatsabschluss kommt spät oder gar nicht. Mehr als 15 Arbeitstage nach Monatsende ist ein Warnzeichen; zehn Arbeitstage sind erreichbar, wie der Monatsabschluss-Kalender zeigt. Liegt schon ein Rückstand vor, hilft der Anlass Monatsabschluss im Rückstand.
- Niemand kann sagen, wie lange das Geld reicht. Es gibt keine 13-Wochen-Liquiditätsplanung, und der Kontostand ist die einzige Steuerungsgröße.
- Der Gewinn steigt, das Konto nicht. Forderungen wachsen schneller als der Umsatz oder Vorräte binden Geld. Weitere Frühwarnzeichen stehen im Beitrag Liquiditätsengpass früh erkennen.
- Zahlen widersprechen sich. Der Umsatz im Vertriebstool, in der Buchhaltung und im Investorenbericht weicht ab, und keiner kann die Differenz erklären.
Warnsignale in Prozessen und Planung
- Es gibt kein Budget – oder es wird nach der Freigabe nie wieder angeschaut. Ein Plan-Ist-Vergleich fehlt.
- Die Geschäftsführung macht Buchhaltung. Gründer oder Geschäftsführer verbringen jede Woche mehrere Stunden mit Rechnungen, Freigaben und Rückfragen des Steuerberaters.
- Das Wissen hängt an einer Person. Fällt die Buchhalterin oder der Finance Manager aus, steht der Abschluss.
- Entscheidungen fallen ohne Rechnung. Einstellungen, Preise und große Verträge werden beschlossen, ohne die Wirkung auf Ergebnis und Liquidität durchzurechnen.
Warnsignale bei Investoren und Bank
- Investoren fragen immer öfter nach – nach Zahlen, die im Bericht stehen sollten, oder nach Erklärungen für Abweichungen. Oft liefert der Bericht Daten, aber keine Einordnung. Was ein guter Bericht enthält, steht im Beitrag Board Pack.
- Eine Finanzierungsrunde, ein Bankkredit oder ein Verkauf steht in den nächsten 6 bis 12 Monaten an, und niemand im Haus hat so etwas schon geführt.
- Der Kreditvertrag enthält Auflagen (Covenants), aber niemand rechnet den Spielraum monatlich nach.
- Anfragen dauern Wochen. Beirat, Investor oder Bank wollen einen Datenraum, eine Mehrjahresplanung oder einen Covenant-Nachweis – und die Antwort braucht Wochen. Zur Vorbereitung: Bankgespräch vorbereiten.
Was bei welchem Muster hilft
| Muster | Was fehlt | Passende Lösung | Typischer Umfang |
|---|---|---|---|
| Kaum Signale, keine externen Kapitalgeber | Nichts Grundsätzliches | Steuerberater plus gute Tools | – |
| Signale 1–4 (Zahlen) | Eine interne Person für Buchhaltung und Monatsabschluss | Finance Manager, bei Rückstand Buchhaltung auf Zeit; Steuerberater bleibt für Jahresabschluss und Steuern | Vollzeit oder befristet |
| Signale 5–8 (Prozesse) | Führung der Finanzfunktion | Head of Finance, fest oder auf Zeit | Vollzeit oder befristet |
| Signale 9–12, dauerhaft | Finanzführung ohne Vollzeitbedarf | Fractional CFO | Einige Tage im Monat |
| Signale 9–12 mit festem Termin (Runde, Kredit, Verkauf, CFO-Abgang) | CFO-Erfahrung sofort, befristet | Interim CFO | Mehrere Tage pro Woche, befristet |
| Signale in allen Gruppen, Vollzeitbedarf auf Dauer | Eigene Finanzleitung | Fest angestellter CFO, bis zur Besetzung ein Interim CFO | Vollzeit |
Oft treffen Signale aus mehreren Gruppen zu. Dann gilt: von unten nach oben. Erst die Zahlen verlässlich machen, dann die Prozesse, dann die CFO-Rolle. Ein CFO, der Belege sortiert, ist die teuerste Lösung für das kleinste Problem.
Die Stufen kurz erklärt
Steuerberater reicht
Solange keine Investoren oder Banken monatliche Zahlen erwarten und die Gründer die Liquidität im Blick haben. Wo der Steuerberater an Grenzen stößt, zeigt der Anlass Interim-Buchhaltung oder Steuerberater.
Head of Finance
Führt Buchhaltung und Monatsabschluss, baut Budget und Planung auf. Den Unterschied zur CFO-Rolle erklärt der Beitrag Head of Finance oder CFO; für Übergänge gibt es den Head of Finance auf Zeit. Fehlt nur Kapazität im Team, hilft Interim Accounting & FP&A.
Fractional CFO
Dauerhafte Finanzführung an einigen Tagen im Monat: Planung, Investorenbericht, Bankgespräche. Ob sich das rechnet, zeigt der Beitrag Fractional CFO bei 30 Mitarbeitenden. Wie nugrow das umsetzt, steht auf der Seite Fractional CFO.
Interim CFO
Befristet und mit vollem Mandat: für eine Finanzierungsrunde, einen Bankwechsel, einen Verkauf oder wenn der bisherige CFO geht (siehe CFO-Abgang überbrücken). Mehr auf der Seite Interim CFO.
Fest angestellter CFO
Lohnt sich, wenn die Aufgaben dauerhaft eine volle Stelle füllen und das Unternehmen das Gehalt tragen kann. Die Suche dauert oft Monate; ein Interim CFO kann die Zeit überbrücken. Vergleich: Interim CFO oder Festanstellung und Alternativen zum festangestellten CFO.
Eine Pflicht, die oft übersehen wird
Seit 2021 verpflichtet § 1 StaRUG die Geschäftsleitung juristischer Personen, etwa einer GmbH, fortlaufend über Entwicklungen zu wachen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden können, gegenzusteuern und die Überwachungsorgane – zum Beispiel einen Aufsichtsrat oder Beirat – unverzüglich zu informieren. Ohne Liquiditätsplanung und verlässlichen Monatsabschluss ist das kaum zu leisten. Die Warnsignale 1 und 2 sind deshalb mehr als eine Organisationsfrage.
Was es kostet
Bei nugrow gelten Tagessätze nach Rolle: Buchhaltung 850 €, Controlling 1.050 €, FP&A 1.150 €, Head of Finance 1.300 €, CFO ab 1.800 € – jeweils netto pro Tag. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und Einsatztagen. Ein erstes passendes Profil liegt in der Regel innerhalb von 24 Stunden vor. Details auf der Preisseite.
Häufige Fragen
Ab welcher Größe braucht ein Unternehmen einen CFO?
Eine feste Größe gibt es nicht. Entscheidend sind Ereignisse: eine Finanzierungsrunde, ein Bankkredit mit Auflagen, ein geplanter Verkauf oder Investoren, die monatlich Zahlen sehen wollen.
Woran erkenne ich, dass der Steuerberater nicht mehr reicht?
Wenn Investoren oder die Bank Zahlen kurz nach Monatsende erwarten, der Abschluss aber Wochen dauert – und wenn niemand sagen kann, wie lange das Geld noch reicht.
Fractional CFO oder Interim CFO – was ist der Unterschied?
Ein Fractional CFO arbeitet dauerhaft, aber nur einige Tage im Monat. Ein Interim CFO übernimmt befristet und meist mit mehr Tagen pro Woche, etwa für eine Finanzierungsrunde oder nach dem Abgang des bisherigen CFO.
Zuerst Head of Finance oder zuerst CFO?
Meist zuerst den Head of Finance. Ohne verlässliche Buchhaltung und festen Monatsabschluss verbringt ein CFO seine Zeit mit Aufräumen statt mit Finanzierung und Planung.
Was kostet CFO-Unterstützung auf Zeit?
Bei nugrow beginnt CFO-Unterstützung bei 1.800 € netto pro Tag. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und vereinbarten Einsatztagen. Ein erstes passendes Profil liegt in der Regel innerhalb von 24 Stunden vor.
Weiterlesen
- Finanzabteilung aufbauen – welche Rollen in welcher Reihenfolge.
- Head of Finance oder CFO – mit kurzem Selbsttest.
- Alternativen zum festangestellten CFO – welche Lösung wann passt.
- Liquiditätsengpass früh erkennen – acht Warnsignale für die Liquidität.
- Board Pack – was in den Monatsbericht an Beirat und Investoren gehört.
- Im Glossar: Fractional CFO, Interim CFO und Head of Finance.
Quellen und Stand
Pflicht zur Krisenfrüherkennung: § 1 Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG), in Kraft seit 1. Januar 2021; Einordnung u. a. CMS Hasche Sigle, „Pflicht zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement nach § 1 StaRUG“ (2024). Warnsignale, Schwellen wie 15 Arbeitstage und die Zuordnung zu den Stufen: Mandatspraxis von nugrow, keine Marktstatistik. Tagessätze: nugrow-Preisliste. Stand: Oktober 2026.





