Sebastian Janus
Sebastian Janus

Finanzabteilung aufbauen: welche Rollen in welcher Reihenfolge – vom Startup bis zum Mittelstand

Eine Finanzabteilung wächst in Stufen, und die Auslöser sind Ereignisse, nicht die Zahl der Mitarbeitenden. Der Stufenplan vom Gründerteam bis zum Mittelstand: welche Rolle wann kommt, was extern bleiben kann und welche Fehler teuer werden.

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Titelbild: Finanzabteilung aufbauen – Rollen und Reihenfolge

Kurz gefasst

Eine Finanzabteilung entsteht in Stufen. Die bewährte Reihenfolge:

  1. Buchhaltung – am Anfang oft beim Steuerberater.
  2. Eine interne Person, die die Zahlen verantwortet – Finance Manager oder Head of Finance.
  3. Controlling und Planung – erst, wenn die Buchhaltung verlässlich ist.
  4. CFO – wenn Kapital beschafft, eine Bank bedient oder ein Verkauf vorbereitet wird.

Der Auslöser für die nächste Stufe ist selten eine Mitarbeiterzahl, sondern ein Ereignis: die erste Finanzierungsrunde, ein Bankkredit, die Prüfungspflicht, eine zweite Gesellschaft, ein Investor mit monatlichem Reporting. Wer die Reihenfolge einhält, baut einmal auf. Wer sie umdreht, baut zweimal.

Der Stufenplan im Überblick

StufeTypische PhaseRollenTypischer Auslöser
1Gründung, wenige MitarbeitendeGründer plus Steuerberater, gute ToolsErste Kunden, erste Rechnungen
2Nach der ersten FinanzierungsrundeInterne Buchhaltung oder Finance Manager; Steuerberater für Abschluss und SteuernMonatliches Investorenreporting
3Wachstum, erste TeamstrukturHead of Finance, ein bis zwei Personen Buchhaltung, erste Stelle Controlling/PlanungBeirat, Budget, Bankkredit
4Scale-up oder PE-EinstiegCFO (anteilig, auf Zeit oder fest), Teamleitungen Buchhaltung und PlanungGrößere Runde, Prüfungspflicht, mehrere Gesellschaften, Exit
5Etablierter MittelstandCFO, Leitung Rechnungswesen, Controlling, je nach Bedarf Konzernabschluss, Steuern, TreasuryGruppe mit mehreren Gesellschaften, Kapitalmarkt oder Verkauf

Die Phasen sind Orientierung aus unserer Mandatspraxis, keine Norm. Ein Software-Unternehmen mit 60 Mitarbeitenden und Investoren braucht oft mehr Finanzfunktion als ein Handelsbetrieb mit 150.

Warum die Reihenfolge wichtiger ist als die Größe

Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Controlling wertet Buchhaltungsdaten aus – sind die falsch oder spät, rechnet der Controller mit Müll. Ein CFO verhandelt mit Investoren und Banken – ohne verlässliche Zahlen verbringt er seine Zeit mit Aufräumen statt mit Finanzierung. Deshalb ist der häufigste teure Fehler, die obere Stufe vor der unteren zu besetzen.

Die Stufen im Einzelnen

Stufe 1: Gründer und Steuerberater

Am Anfang reicht ein Steuerberater für Buchhaltung, Lohn und Steuern. Die Aufgabe der Gründer: Belege vollständig und zeitnah liefern, ein Geschäftskonto, ein Tool für Rechnungen und Ausgaben. Eine eigene Stelle lohnt sich hier selten.

Stufe 2: Die erste interne Finanzstelle

Sobald Investoren monatliche Zahlen erwarten, wird der Steuerberater zum Engpass – er bucht meist im Nachhinein. Jetzt braucht es jemanden im Unternehmen, der den Monatsabschluss verantwortet, offene Rechnungen verfolgt und die Liquidität im Blick hat. Der Steuerberater bleibt für Jahresabschluss und Steuern zuständig.

Stufe 3: Head of Finance und erstes Controlling

Ein Head of Finance führt die Buchhaltung, baut Budget und Planung auf und liefert dem Beirat verlässliche Zahlen. Ein erster Controller oder FP&A-Analyst (Financial Planning & Analysis, also Planung und Auswertung) kommt dazu, wenn die Daten stimmen. Zur Größenordnung: In den Organigrammen von rund 1.400 überwiegend US-amerikanischen Unternehmen kommt im Wachstum (etwa 200 bis 2.000 Mitarbeitende) im Mittel eine Person in der Planung auf rund 130 Mitarbeitende.

Stufe 4: CFO

Ein CFO lohnt sich, wenn Geld beschafft, eine Bank mit Auflagen bedient oder ein Verkauf vorbereitet wird. Das muss nicht sofort eine Festanstellung sein: Ein Fractional CFO arbeitet dauerhaft, aber nur einige Tage im Monat; ein Interim CFO übernimmt befristet, etwa für eine Finanzierungsrunde. Ob gerade ein Head of Finance oder ein CFO fehlt, klärt der Beitrag Head of Finance oder CFO.

Stufe 5: Mittelstand mit voller Abteilung

Mit mehreren Gesellschaften kommen Konzernabschluss, Steuerabteilung und Finanzierungssteuerung (Treasury) dazu. Hier ist die Frage weniger, ob eine Rolle nötig ist, sondern ob sie intern ausgelastet ist – oder besser zugekauft wird.

Ab wann Gesetz, Bank und Investor mitreden

  • Prüfungspflicht. Seit 2024 gilt eine GmbH als klein, solange sie an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen zwei von drei Grenzen nicht überschreitet: 7,5 Mio. € Bilanzsumme, 15 Mio. € Umsatz, 50 Mitarbeitende. Ab „mittelgroß“ muss ein Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss prüfen, und für die Aufstellung bleiben drei statt sechs Monate.
  • Bankkredit mit Auflagen. Kennzahlen müssen regelmäßig berechnet und gemeldet werden – mehr dazu beim Anlass Covenant-Reporting.
  • Investoren. Monatliches Reporting kurz nach Monatsende setzt einen festen Abschlussrhythmus voraus.

Intern, extern oder auf Zeit?

Nicht jede Stufe braucht sofort eine Festanstellung. Drei Wege, die sich kombinieren lassen:

  • Dauerhaft anteilig: Finanzführung für einige Tage im Monat, zum Beispiel über CFO as a Service.
  • Befristet verstärken: Buchhaltung oder Planung auf Zeit, wenn eine Lücke oder ein Rückstand entsteht – siehe Interim Accounting & FP&A.
  • Befristet führen: ein Interim CFO für eine Runde, einen Bankwechsel oder den Aufbau der nächsten Stufe.

Ein deutliches Zeichen, dass Stufe 2 fehlt: Der Monatsabschluss kommt Wochen zu spät. Was dann hilft, steht beim Anlass Monatsabschluss im Rückstand.

Die fünf häufigsten Fehler

  • CFO vor Buchhaltung. Die teuerste Person räumt Belege auf.
  • Zu lange alles beim Steuerberater. Die Zahlen kommen für Investoren und Planung zu spät.
  • Controller ohne saubere Daten. Auswertungen, denen niemand glaubt.
  • Keine Vertretung. Eine Person kennt alles – bis sie kündigt oder ausfällt.
  • Software vor Prozessen. Ein neues System macht unklare Abläufe nur schneller unklar.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Mitarbeitenden braucht ein Unternehmen eine eigene Finanzabteilung?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist ein Ereignis: Sobald Investoren oder eine Bank monatliche Zahlen erwarten, braucht es mindestens eine interne Person, die den Monatsabschluss verantwortet.

Welche Finanzrolle besetzt man zuerst intern?

Eine Person für Buchhaltung und Monatsabschluss, oft als Finance Manager. Sie sorgt dafür, dass die Zahlen vollständig und pünktlich sind. Jahresabschluss und Steuern können beim Steuerberater bleiben.

Head of Finance oder Controller – wer kommt zuerst?

Der Head of Finance. Ein Controller wertet Buchhaltungsdaten aus; sind sie nicht verlässlich, sind es seine Auswertungen auch nicht.

Wann braucht ein Unternehmen einen CFO?

Wenn Kapital beschafft, eine Bank mit Auflagen bedient oder ein Verkauf vorbereitet wird. Am Anfang reicht oft ein Fractional CFO für einige Tage im Monat oder ein Interim CFO für einen begrenzten Zeitraum.

Was kostet eine Übergangslösung?

Bei nugrow liegen die Tagessätze je nach Rolle zwischen 850 € netto für Buchhaltung und 1.800 € netto für CFO-Unterstützung. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und vereinbarten Einsatztagen.

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Quellen und Stand

Verhältnis Planung zu Mitarbeitenden: Pave, FP&A Team Size Benchmarks (April 2025; Organigramme von rund 1.400 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden). Größenklassen und Prüfungspflicht: §§ 264, 267 und 316 HGB in der seit 2024 geltenden Fassung. Stufenplan und Fehler: Mandatspraxis von nugrow. Stand: Oktober 2026.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

Profil und Werdegang von Sebastian Janus

Finanzabteilung verstärken – vom Reporting bis zur Finanzführung

Interim CFO, CFO as a Service und Financial Modelling – aus über 350 Projekten seit 2019. Erste Profile innerhalb von 24 Stunden.
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