Kurz gefasst
EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – vereinfacht: das, was das laufende Geschäft verdient. Im ersten Jahr nach dem Kauf durch einen Private-Equity-Investor gibt es drei Gruppen von Hebeln:
- Umsatzqualität: Preise, nicht abgerechnete Leistungen, unprofitable Kunden.
- Kosten: Einkauf, Personal, Gemeinkosten.
- Prozesse: weniger Handarbeit, weniger doppelte Strukturen.
Die Reihenfolge zählt: in den Monaten 1 bis 3 die Zahlen und den Ausgangswert sauber machen, in den Monaten 3 bis 6 die schnellen Hebel ziehen, ab Monat 6 die strukturellen. Die Finanzfunktion setzt die Maßnahmen nicht allein um – aber sie macht sie messbar und hält nach, ob der Effekt in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommt.
Warum die Marge im ersten Jahr zählt
Bain & Company hat für den Global Private Equity Report 2025 rund 760 Software-Buyouts über zehn Jahre ausgewertet. 52 Prozent der Wertsteigerung kamen aus Umsatzwachstum, 42 Prozent aus höheren Bewertungsmultiples – und nur 6 Prozent aus besserer Marge, fast ausschließlich in den besten Deals.
Das heißt zweierlei. Höhere Multiples kann niemand planen; die Marge schon. Und wer sie verbessert, hebt sich vom Durchschnitt ab. Dazu kommt die Rechnung beim Verkauf: Wird das Unternehmen mit dem Zehnfachen des EBITDA bewertet, ist jeder dauerhaft zusätzliche Euro Ergebnis rund zehn Euro Unternehmenswert. Die Maßnahmen gehören deshalb in den Value Creation Plan, nicht in eine Liste guter Vorsätze.
Vor dem ersten Hebel: der Ausgangswert
Ohne sauberen Ausgangswert lässt sich kein Effekt belegen. Vier Dinge müssen stehen, bevor die erste Maßnahme startet:
- Bereinigtes EBITDA der letzten zwölf Monate, mit einer Überleitung, die jede Bereinigung einzeln zeigt. Was bereinigt werden darf, erklärt der Glossarbeitrag zur EBITDA-Normalisierung.
- Ein Monatsabschluss in festem Rhythmus, idealerweise bis zum zehnten Arbeitstag. Wie das geht, steht im Monatsabschluss-Kalender.
- Deckungsbeitrag je Kunde und Produkt – also Umsatz minus direkt zurechenbare Kosten.
- Personalkosten je Funktion, nicht nur als Summe.
Die ersten Wochen nach dem Closing beschreibt der Beitrag Die ersten 100 Tage im Detail.
Der Maßnahmenkatalog
| Hebel | Was konkret passiert | Was die Finanzfunktion liefert | Typischer Zeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Preise | Listenpreise prüfen, Rabatte begrenzen, Preisanpassungsklauseln in Verträgen nutzen | Rabattanalyse je Kunde, Preis-Mengen-Brücke | Monat 3–6 |
| Umsatzlücken | Nicht abgerechnete Leistungen, ausgelaufene Verträge ohne Preisanpassung, vergessene Nebenkosten | Abgleich Vertrag gegen Rechnung | Monat 2–4 |
| Kundenmix | Unprofitable Kunden neu bepreisen oder Mindestmengen vereinbaren | Deckungsbeitrag je Kunde | Monat 4–9 |
| Einkauf | Lieferanten bündeln, neu verhandeln, ungenutzte Softwarelizenzen kündigen | Ausgabenanalyse nach Lieferant und Kategorie | Monat 3–6 |
| Personal und Organisation | Stellenplan gegen Planung, offene Stellen hinterfragen, Agentur- und Freelancerkosten prüfen | Monatliches Personalreporting | Monat 4–12 |
| Gemeinkosten | Mieten, Beratung, Versicherungen, Reisen | Bericht nach Kostenstellen | Monat 3–9 |
| Prozesse | Rechnungsstellung, Mahnwesen und Buchhaltung automatisieren | Zeitbedarf und Kosten je Prozess | Monat 6–12 |
| Zukäufe | Doppelte Kosten nach einem Add-on abbauen | Synergie-Tracking je Maßnahme | Monat 6–12 |
Preise sind meist der stärkste Einzelhebel. McKinsey hat schon 2003 vorgerechnet: Bei einem durchschnittlichen Unternehmen aus dem S&P 1500 bringt ein Prozent höherer Preis bei gleicher Menge rund acht Prozent mehr operativen Gewinn. Die Zahl ist alt, die Rechenlogik gilt weiter – weil der Mehrpreis ohne zusätzliche Kosten direkt im Ergebnis landet.
Was kein EBITDA-Hebel ist
- Working Capital. Schneller kassieren und später zahlen bringt Liquidität, aber kein EBITDA. Wichtig ist es trotzdem – siehe Working Capital senken.
- Kosten verschieben. Wer Aufwand in die Bilanz bucht (aktiviert) oder großzügig als Einmaleffekt herausrechnet, verbessert die Zahl, nicht das Geschäft. Spätestens der Käufer beim Exit prüft das in der Quality of Earnings.
- Kürzungen, die Umsatz kosten. Wer bei Vertrieb oder Kundenservice spart, sieht das EBITDA erst steigen und dann fallen.
Die Reihenfolge über zwölf Monate
Monat 1 bis 3: Zahlen und Ausgangswert
Monatsabschluss stabilisieren, bereinigtes EBITDA festschreiben, Deckungsbeiträge rechnen. Erste Maßnahmenliste mit grob geschätztem Effekt.
Monat 3 bis 6: schnelle Hebel
Preise, Umsatzlücken und Einkauf. Sie brauchen keine Umorganisation, und ihr Effekt ist oft innerhalb weniger Monate in der Gewinn- und Verlustrechnung sichtbar.
Monat 6 bis 12: strukturelle Hebel
Organisation, Prozesse, Synergien aus Zukäufen. Gleichzeitig entsteht das Budget für das zweite Jahr – mit den Maßnahmen als eigener Zeile, damit der Effekt nicht in der Planung verschwindet.
So hält die Finanzfunktion die Hebel nach
- Eine Maßnahmenliste mit Verantwortlichem, erwartetem Effekt in Euro, Startdatum und Status.
- Eine monatliche EBITDA-Brücke: vom Vorjahr zum Ist, Maßnahme für Maßnahme.
- Effekt zählt erst, wenn er gebucht ist – nicht bei Vertragsunterschrift.
- Eine Seite für den Beirat, jeden Monat im gleichen Aufbau.
Wie das laufend gegen den Plan des Investors läuft, zeigt der Beitrag Value Creation Plan nachverfolgen.
Wann Unterstützung von außen sinnvoll ist
Oft ist die Finanzfunktion im ersten Jahr mit Reporting an den neuen Gesellschafter ausgelastet – oder es gibt noch keinen CFO. Dann kann ein Interim CFO die Maßnahmen aufsetzen und nachhalten, bis das eigene Team übernimmt. Wie nugrow Portfoliounternehmen begleitet, steht auf der Seite Private Equity; die Tagessätze nach Rolle auf der Preisseite.
Häufige Fragen
Welche EBITDA-Hebel wirken im ersten Jahr am schnellsten?
Preise, nicht abgerechnete Leistungen und Einkauf. Sie brauchen keine Umorganisation, und ihr Effekt zeigt sich oft innerhalb weniger Monate in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Erhöht ein niedrigeres Working Capital das EBITDA?
Nein. Schneller kassieren und später zahlen verbessert die Liquidität, nicht das Ergebnis. Für die Bewertung beim Verkauf zählt beides, aber getrennt.
Wer verantwortet die Maßnahmen – Finance oder Geschäftsführung?
Die Fachbereiche setzen um, die Geschäftsführung entscheidet. Die Finanzfunktion misst den Ausgangswert, rechnet den Effekt und meldet monatlich, was wirklich gebucht ist.
Was ist der Unterschied zum Value Creation Plan?
Der Value Creation Plan beschreibt, was der Investor über die gesamte Haltedauer erreichen will. Der Maßnahmenkatalog ist die Liste konkreter Schritte im ersten Jahr, die dorthin führen.
Was kostet ein Interim CFO für diese Phase?
Bei nugrow beginnt CFO-Unterstützung bei 1.800 € netto pro Tag. Das Budget ergibt sich aus Tagessatz und vereinbarten Einsatztagen. Ein erstes passendes Profil liegt in der Regel innerhalb von 24 Stunden vor.
Weiterlesen
- Interim CFO für Private-Equity-Portfolios – wie nugrow Portfoliounternehmen nach dem Kauf begleitet.
- Die ersten 100 Tage nach dem Closing – Reporting, Liquidität und Planung Woche für Woche.
- Value Creation Plan – wie der CFO die Werthebel laufend nachverfolgt.
- Finanzabteilung aufbauen – welche Rollen es für diese Arbeit braucht.
- Financial Due Diligence – wenn die Zahlen später einem Käufer standhalten müssen.
- Value Creation Plan und EBITDA-Normalisierung im Glossar.
Quellen und Stand
Wertbeiträge in Software-Buyouts: Bain & Company, Global Private Equity Report 2025 (DealEdge-Daten zu 762 Software-Deals über zehn Jahre). Margensteigerung als vernachlässigter Werthebel von Buyout-Fonds: Bain & Company, Global Private Equity Report 2024. Preishebel: McKinsey Quarterly, „The power of pricing“ (2003). Maßnahmenkatalog und Reihenfolge: Mandatspraxis von nugrow. Stand: Oktober 2026.





