Jeder PE-Beteiligungsvertrag enthält implizit oder explizit einen Value Creation Plan – die Hebel, über die der Investor die Wertsteigerung bis zum Exit erreichen will. Meist sind das Margenverbesserung, organisches Wachstum, Add-on-Akquisitionen und manchmal eine Multiple-Expansion. Das Problem: In vielen Portfoliounternehmen existiert dieser Plan als Folie aus dem Investment-Committee-Prozess, aber nicht als laufende Steuerungsgröße im Finance-Reporting.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Value Creation Plan bündelt die Werthebel, auf die sich PE-Investor und Management beim Einstieg geeinigt haben – Marge, Wachstum, Add-ons, Multiple.
- Ohne laufendes Tracking bleibt der VCP eine Absichtserklärung statt einer Steuerungsgröße, die tatsächlich Entscheidungen beeinflusst.
- Der CFO ist meist die einzige Funktion im Unternehmen, die alle vier Hebel gleichzeitig im Blick hat und zusammenführen kann.
Warum der VCP oft in der Schublade landet
Der Value Creation Plan entsteht meist während der Due Diligence, als Teil der Investment-These des PE-Hauses. Nach Closing verschwindet er häufig in der Vorstandsschublade, während der operative Alltag übernimmt. Das Ergebnis: Bei der ersten Quartalsreview fragt der Investor nach Fortschritt bei den ursprünglichen Hebeln, und niemand hat die Zahlen dafür vorbereitet – obwohl sie im laufenden Investoren-Reporting mitlaufen könnten.
Wie sich die vier Hebel operativ tracken lassen
Margenverbesserung
Konkrete Kostenprogramme (Einkauf, Personalstruktur, Automatisierung) werden gegen eine Baseline zum Einstiegszeitpunkt gemessen, nicht gegen das Vorjahr – sonst verwässert sich der tatsächliche Fortschritt im normalen Geschäftsverlauf.
Organisches Wachstum
Umsatzwachstum wird getrennt nach organisch und anorganisch (Add-ons) ausgewiesen. Diese Trennung ist entscheidend, weil PE-Investoren beide Komponenten unterschiedlich bewerten.
Add-on-Pipeline
Der Fortschritt bei geplanten Zukäufen – auch wenn noch kein Signing erfolgt ist – gehört als eigener Tracking-Punkt ins Reporting, verknüpft mit den M&A-Aktivitäten des Unternehmens.
Multiple-Sensitivität
Wie verändert sich der Unternehmenswert bei unterschiedlichen Exit-Multiples, gegeben die aktuelle EBITDA-Entwicklung? Diese Sensitivitätsrechnung gehört strukturell zum selben Werkzeugkasten wie eine Covenant-Reporting-Logik gegenüber Debt-Funds.
Ein Value Creation Plan, der nur beim Signing existiert und nie wieder angeschaut wird, ist keine Strategie – er ist eine Erinnerung an eine Strategie, die niemand mehr verfolgt.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte der VCP-Fortschritt berichtet werden?
Quartalsweise im direkten Austausch mit dem PE-Investor, idealerweise als fester Bestandteil des ohnehin bestehenden Board-Reportings.
Wer erstellt den ursprünglichen Value Creation Plan?
In der Regel das PE-Haus gemeinsam mit dem Management während der Due Diligence. Die laufende Pflege und das Tracking danach liegen meist beim CFO.
Was, wenn sich die ursprünglichen Annahmen als unrealistisch erweisen?
Ein offener, datenbasierter Dialog mit dem Investor ist meist der bessere Weg als ein stilles Verfehlen der Ziele – belastbares Reporting schafft die Grundlage für eine sachliche Anpassung des Plans.
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Zur laufenden Investoren-Kommunikation insgesamt: Effektives Investoren-Reporting. Für Unternehmen kurz nach dem PE-Einstieg: Erste 100 Tage Finance im PE-Portfoliounternehmen.

