Ein Quality-of-Earnings-Report ist keine zweite Bucherprüfung – er stellt eine andere Frage. Während der Jahresabschluss zeigt, was passiert ist, fragt die Quality of Earnings, wie nachhaltig der ausgewiesene Gewinn tatsächlich ist: Welche Erträge wiederholen sich, welche sind einmalig, und wo wurden Kosten verschoben statt vermieden? Wer diese Fragen erst beantwortet, wenn der QoE-Berater sie stellt, verliert im Prozess wertvolle Zeit.
Wichtige Erkenntnisse
- Eine Quality-of-Earnings-Prüfung bereinigt das EBITDA um einmalige und nicht-operative Effekte, um den nachhaltigen Ertragskern sichtbar zu machen.
- Käufer und PE-Investoren nutzen die QoE, um den Kaufpreis-Multiplikator zu rechtfertigen – ungeklärte Normalisierungen führen fast immer zu Preisabschlägen.
- Wer die eigenen Normalisierungen dokumentiert, bevor ein externer Berater sie anfordert, verkürzt den Prozess spürbar und wirkt vorbereiteter.
Was eine Quality of Earnings tatsächlich prüft
Der Kern der Analyse ist die Quality of Earnings als Konzept: Sie trennt das berichtete EBITDA in einen wiederkehrenden operativen Kern und einmalige Sondereffekte. Ein einmaliger Großauftrag, eine Versicherungserstattung oder ein Rechtsstreit-Vergleich gehören nicht in die Bewertungsgrundlage für einen Multiplikator – auch wenn sie im testierten Abschluss ganz regulär als Ertrag stehen.
Die drei häufigsten Normalisierungen
EBITDA-Normalisierung
Nicht-operative Posten wie Gesellschafter-Gehälter über Marktniveau, private Ausgaben über die Firma oder Einmaleffekte werden herausgerechnet. Die Methodik dazu ist im Beitrag EBITDA-Normalisierung: Was Käufer akzeptieren im Detail beschrieben.
Working-Capital-Normalisierung
Ein künstlich niedriger oder hoher Working-Capital-Stand zum Stichtag verzerrt die Bewertung. QoE-Berater rechnen einen normalisierten Durchschnitt über zwölf Monate, um saisonale Effekte oder bewusste Stichtags-Optimierung auszugleichen.
Umsatzqualität
Wiederkehrender Umsatz (z. B. Abo- oder Vertragsumsatz) wird anders bewertet als projektbasierter Einmalumsatz. Bei SaaS- und Abo-Modellen ist dieser Punkt oft der wertrelevanteste Teil der gesamten Prüfung.
Diese drei Bausteine sind Teil derselben Vorbereitung wie die Financial Due Diligence insgesamt – die QoE ist ihr zahlenintensivster Baustein.
Eine überraschende QoE-Anpassung kurz vor Signing ist selten ein Zeichen von Betrug – meistens ist es ein Zeichen, dass niemand die eigenen Normalisierungen vorher durchgerechnet hat.
Häufig gestellte Fragen
Braucht jedes Portfoliounternehmen eine eigene QoE, bevor der Käufer eine beauftragt?
Nicht zwingend, aber eine interne Vorab-Analyse (Sell-Side-QoE) verschafft Verhandlungsvorteile, weil Überraschungen vorab geklärt sind statt erst in der Käuferprüfung aufzutauchen.
Wie lange dauert eine Quality-of-Earnings-Prüfung?
Bei sauberer Datenbasis vier bis sechs Wochen. Fehlt eine strukturierte Kontenstruktur oder Monatsdaten, verlängert sich der Prozess deutlich.
Wer erstellt eine QoE – Wirtschaftsprüfer oder spezialisierte Berater?
Meist spezialisierte Transaction-Advisory-Teams, oft aus großen Prüfungsgesellschaften, aber mit eigenem, von der klassischen Jahresabschlussprüfung getrenntem Team.
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Was Käufer bei der Financial Due Diligence insgesamt prüfen: Financial Due Diligence – was Käufer prüfen. Zur strukturierten Vorbereitung auf den Datenraum: Datenraum für die Financial Due Diligence.

