Financial Factbook
Ein Financial Factbook ist eine vom Verkäufer beauftragte, strukturierte Aufbereitung der Finanzzahlen für einen Verkaufsprozess. Es enthält historische Ergebnisrechnung, Bilanz und Cashflow, eine bereinigte Ergebnisrechnung sowie Analysen zu Umsatz, Marge und Working Capital – ohne die Prüfungstiefe und die Haftungserklärung einer Vendor Due Diligence.
Ein Financial Factbook ist die mittlere Stufe zwischen einem selbst gebauten Zahlenanhang und einer vollständigen Vendor Due Diligence. Es wird vom Verkäufer beauftragt, meist bei einer Wirtschaftsprüfungs- oder Transaktionsberatung, und stellt die Finanzzahlen so dar, wie ein Käufer sie prüfen würde – aber ohne die formale Berichtserteilung und ohne die Haftung gegenüber dem Käufer.
Der übliche Inhalt
- Ergebnisrechnung, Bilanz und Cashflow der letzten drei Geschäftsjahre sowie der laufenden Periode
- eine bereinigte Ergebnisrechnung mit Brücke zum ausgewiesenen Ergebnis, siehe EBITDA-Normalisierung
- Umsatzanalysen nach Kunde, Produkt, Region und Kohorte, dazu Bestandskunden- und Abwanderungsquoten
- Herleitung von Nettoverschuldung und Working Capital je Monatsstichtag
- Personal- und Kapazitätsdaten sowie Investitionen
- Überleitung von der Planung zur Ist-Entwicklung der Vorjahre
Wann es die richtige Wahl ist
Ein Factbook lohnt sich, wenn ein strukturierter Prozess mit mehreren Interessenten ansteht, die Zahlen aber nicht so komplex sind, dass eine vollständige Vendor Due Diligence nötig wäre. Es hat drei Wirkungen: Alle Bieter erhalten dieselbe Grundlage, die Fragen im Datenraum sinken spürbar, und die Diskussion über Bereinigungen beginnt mit der Herleitung des Verkäufers statt mit der des Käufers.
Was es nicht leistet
Ein Factbook ersetzt keine Prüfung. Käufer und ihre Finanzierer verlangen in der Regel weiterhin eine eigene Financial Due Diligence. Anders als ein VDD-Bericht wird es üblicherweise nicht auf den Käufer erweitert, es gibt also keine Anspruchsgrundlage aus dem Bericht. Wer diese Wirkung braucht, muss die vollständige Vendor Due Diligence beauftragen.
Vorlauf und Aufwand
Die Erstellung dauert in der Praxis mehrere Wochen und bindet die Finanzabteilung erheblich, weil sämtliche Analysen aus der Buchhaltung nachvollziehbar abgeleitet werden müssen. Sinnvoll ist der Start, sobald die Abschlüsse belastbar sind und die Reporting-Struktur steht – nicht erst, wenn der Prozess schon läuft. Der Zusammenhang zur Vorbereitung insgesamt steht im Beitrag zur Exit-Readiness.
