Sebastian Janus
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Finanz-Health-Check für Startups: 8 Kennzahlen in 30 Minuten

Acht Kennzahlen mit Formel und Ampel, mit denen du die finanzielle Lage deines Startups in 30 Minuten prüfst. Dazu: was bei Rot zu tun ist.

Aktualisiert am
Titelbild: Finanz-Health-Check für Startups, 8 Kennzahlen

Ob dein Startup finanziell gesund ist, lässt sich mit acht Kennzahlen in etwa 30 Minuten prüfen. Dieser Beitrag gibt dir die Checkliste mit Formeln und einer Ampel je Kennzahl, sagt dir, was bei Rot zu tun ist, und verweist für jede Kennzahl auf einen ausführlichen Beitrag.

Wichtige Punkte

  • Acht Kennzahlen decken Liquidität, Effizienz, Planungsqualität und Finanzprozesse ab.
  • Jede Kennzahl bekommt Grün, Gelb oder Rot. Die Grenzwerte sind Faustregeln zur Orientierung, keine Normen.
  • Die Auswertung ist einfach: Zähle die gelben und roten Felder, dann weißt du, wie dringend du handeln musst.
  • Mach den Check monatlich nach dem Abschluss, immer mit denselben Definitionen.

Was du für den Check brauchst

Du brauchst vier Unterlagen: den aktuellen Kontostand aller Bankkonten, die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) oder Gewinn- und Verlustrechnung der letzten drei Monate, die Liste der offenen Forderungen und Verbindlichkeiten sowie deinen letzten Forecast. Bei Software-Unternehmen kommt der wiederkehrende Umsatz je Kunde aus dem Abrechnungssystem dazu.

Die meisten dieser Zahlen liefert deine Buchhaltung, etwa in DATEV, Lexware Office oder sevDesk. Welches Programm zu welcher Unternehmensgröße passt, steht im Vergleich DATEV-Alternativen für Startups.

Die Checkliste: acht Kennzahlen mit Ampel

Die Grenzwerte in der Tabelle sind verbreitete Faustregeln aus der Praxis mit wachstumsfinanzierten Unternehmen. Sie dienen zur Orientierung. Branche, Phase und Geschäftsmodell verschieben, was ein guter Wert ist.

KennzahlFormelGrünGelbRot
RunwayVerfügbare Liquidität ÷ monatlicher Netto-Burnüber 18 Monate12 bis 18 Monateunter 12 Monate ohne zugesagte Finanzierung
Burn MultipleNetto-Burn ÷ neuer Netto-ARR im selben Zeitraumunter 22 bis 3über 3
Liquiditätsgrad 2(Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten100 % und mehretwa 80 bis 100 %unter 80 %
Forecast-Abweichung(Ist-Netto-Burn − Plan-Netto-Burn) ÷ Plan-Netto-Burninnerhalb von ±10 %10 bis 20 %über 20 % oder drei Monate in Folge in dieselbe Richtung
Bruttomarge(Umsatz − direkte Kosten) ÷ UmsatzSoftware: 70 % und mehrSoftware: 50 bis 70 %Software: unter 50 % oder sinkend
NRR (nur SaaS)(Start-MRR + Erweiterungen − Downgrades − Kündigungen) ÷ Start-MRR100 % und mehr90 bis 100 %unter 90 %
Forderungslaufzeit (DSO)Offene Forderungen ÷ Umsatz der Periode × Tage der Periodehöchstens 10 Tage über dem vereinbarten Zahlungsziel10 bis 30 Tage darübermehr als 30 Tage darüber oder drei Monate steigend
AbschlussdauerArbeitstage vom Monatsende bis zur freigegebenen Monatsauswertungbis 10 Arbeitstage11 bis 20 Arbeitstageüber 20 Arbeitstage oder kein Monatsabschluss

1. Runway

Die Runway sagt, wie viele Monate das Geld beim heutigen Verbrauch noch reicht. Netto-Burn heißt: Auszahlungen minus Einzahlungen pro Monat, gemittelt über die letzten drei Monate. Weil eine Finanzierungsrunde oft sechs bis neun Monate dauert, solltest du mit den Gesprächen spätestens bei Gelb beginnen. Die Rechnung mit Szenarien steht im Beitrag Runway berechnen.

2. Burn Multiple

Der Burn Multiple zeigt, wie viel Geld du für jeden Euro neuen wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) ausgibst. Ein Wert von 2 heißt: 2 Euro Verbrauch für 1 Euro neuen ARR. Für Unternehmen ohne wiederkehrenden Umsatz kannst du stattdessen den Umsatzzuwachs nehmen. Mehr dazu im Beitrag Burn Multiple und Rule of 40.

3. Liquiditätsgrad 2

Er prüft, ob Bargeld und kurzfristige Forderungen die Verbindlichkeiten der nächsten Monate decken. Startups nach einer Finanzierungsrunde liegen meist weit über 100 %. Interessant wird die Kennzahl, wenn der Kontostand sinkt und überfällige Forderungen den Wert schönen. Formeln und Grenzen erklärt der Beitrag Liquiditätsgrade berechnen.

4. Forecast-Abweichung

Hier vergleichst du den geplanten mit dem tatsächlichen Netto-Burn des letzten Monats. Eine einzelne Abweichung ist normal. Kritisch wird es, wenn der Plan jeden Monat in dieselbe Richtung danebenliegt: Dann stimmen die Annahmen nicht, und auch deine Runway ist falsch. Wie du Abweichungen sauber erklärst, zeigt die Budget-Ist-Abweichungsanalyse; wie der Plan aktuell bleibt, der Beitrag zum Rolling Forecast.

5. Bruttomarge

Die Bruttomarge zeigt, was vom Umsatz nach den direkten Kosten übrig bleibt, bei Software etwa Hosting, Lizenzen und Kundensupport. Die Grenzwerte in der Tabelle gelten für Software. Für Handel, Hardware oder Dienstleistungen ist der eigene Verlauf über mehrere Monate aussagekräftiger als ein fester Wert. Wie die Marge in Kundenwert und Payback eingeht, steht im Beitrag Unit Economics berechnen.

6. Net Revenue Retention (NRR)

Die NRR misst, wie sich der Umsatz deiner Bestandskunden über zwölf Monate entwickelt, ohne Neukunden. Über 100 % heißt: Erweiterungen gleichen Kündigungen und Downgrades mehr als aus. Bei Produkten für kleine Unternehmen liegen die Werte meist niedriger als bei Großkunden. Wenn du kein SaaS-Modell hast, nimm stattdessen die monatliche Kündigungsrate. Details im Beitrag NRR und GRR berechnen.

7. Forderungslaufzeit (DSO)

DSO steht für Days Sales Outstanding, also die durchschnittliche Zahl der Tage, bis Kunden zahlen. Vergleiche den Wert mit deinem vereinbarten Zahlungsziel: Liegt er deutlich darüber, steckt Geld in unbezahlten Rechnungen statt auf dem Konto. Wie du den Wert senkst, steht im Beitrag Working Capital als Liquiditäts-Hebel.

8. Abschlussdauer

Alle anderen Kennzahlen sind nur so aktuell wie dein Monatsabschluss. Liegen die Zahlen erst nach vier Wochen vor, reagierst du auf den Stand von vor zwei Monaten. Zehn Arbeitstage sind für viele Unternehmen ein realistischer Rahmen. Einen Ablaufplan dafür bietet der Monatsabschluss-Kalender.

So wertest du die Ampel aus

Zähle die Farben und ordne das Ergebnis so ein:

  • Stabil: kein Rot und höchstens zwei Gelb. Weiter monatlich prüfen.
  • Handlungsbedarf: ein Rot oder drei und mehr Gelb. Für jede betroffene Kennzahl eine Maßnahme mit verantwortlicher Person und Termin innerhalb der nächsten vier Wochen festlegen.
  • Dringend: zwei und mehr Rot oder Runway auf Rot. Jetzt handeln, nicht erst beim nächsten Check.

Fehlen dir für eine Kennzahl die Daten, zählt sie als Rot. Halte das Ergebnis jeden Monat in einer Zeile fest. Nach einem Quartal siehst du, ob sich die Lage verbessert oder verschlechtert.

Was tun bei Rot

  1. Liquidität wochengenau planen. Steht die Runway auf Rot, ersetzt eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung den Monatsblick. So siehst du, in welcher Woche es eng wird.
  2. Ausgaben nach Hebel ordnen. Liste alle Kosten über 1.000 Euro im Monat und markiere, was sich innerhalb von 30 Tagen stoppen oder verschieben lässt. Neueinstellungen und Verträge mit langer Laufzeit zuerst prüfen.
  3. Forderungen einziehen. Alle Rechnungen, die mehr als 30 Tage überfällig sind, persönlich nachfassen. Für neue Verträge kürzere Zahlungsziele oder Vorauszahlung vereinbaren.
  4. Finanzierung früh anstoßen. Sprich bestehende Investoren an, bevor die Runway unter sechs Monate fällt. Mit wenig Zeit verhandelst du schlechter.
  5. Warnsignale ernst nehmen. Welche Anzeichen einem Engpass vorausgehen, zeigt der Beitrag Liquiditätsengpass früh erkennen. Droht die Zahlungsunfähigkeit, gelten für die Geschäftsführung feste Fristen bei Insolvenzreife.

Wann externe Unterstützung sinnvoll ist

Wenn mehrere Kennzahlen dauerhaft rot sind oder niemand im Team die Zahlen jeden Monat verlässlich liefern kann, hilft oft ein Fractional CFO für einige Tage im Monat oder, bei akutem Handlungsdruck, ein Interim CFO in Vollzeit auf Zeit.

Weiterlesen

Weitere Kennzahlen jenseits dieser Checkliste erklärt der Überblick Finanzkennzahlen für Unternehmen. Passende Tabellen zum Ausfüllen findest du in den kostenlosen Excel-Vorlagen für Finance und Controlling.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte ich den Finanz-Health-Check machen?

Einmal im Monat, direkt nach dem Monatsabschluss, solange dein Unternehmen Geld verbrennt. Läuft das Geschäft profitabel und stabil, reicht ein Quartalsrhythmus. Vor einer Finanzierungsrunde oder nach einem überraschenden Monat lohnt sich ein zusätzlicher Durchlauf.

Brauche ich dafür eine spezielle Software?

Nein. Die Zahlen kommen aus deiner Buchhaltung, dem Bankkonto und der Offene-Posten-Liste. Eine Tabelle mit acht Zeilen reicht, wenn du sie jeden Monat gleich befüllst. Spezielle Planungssoftware wird erst interessant, wenn mehrere Gesellschaften oder Szenarien zusammenkommen.

Was mache ich, wenn mir für eine Kennzahl die Daten fehlen?

Trag die Kennzahl als Rot ein. Fehlende Daten sind selbst ein Befund: Wer seine Forderungslaufzeit oder seinen Forecast nicht kennt, steuert in diesem Bereich ohne Sicht. Kläre im nächsten Monat, wer die Zahl liefert und woher sie kommt.

Sind die Ampelwerte für jedes Startup gültig?

Nein. Es sind verbreitete Faustregeln, vor allem aus der Praxis mit Software- und Plattform-Unternehmen. Ein Hardware-Startup hat eine niedrigere Bruttomarge, ein Unternehmen mit Jahresvorauszahlungen eine andere Liquiditätsstruktur. Wichtiger als der einzelne Grenzwert ist, wie sich deine Werte von Monat zu Monat entwickeln.

Ersetzt der Health-Check eine Liquiditätsplanung?

Nein. Der Check zeigt, wo es hakt, die Liquiditätsplanung zeigt, wann es eng wird. Sobald die Runway auf Gelb oder Rot steht, gehört eine wochengenaue Planung dazu.

Sollte ich die Ergebnisse mit Investoren teilen?

Ja, wenn du den Check regelmäßig machst. Eine monatliche Übersicht mit Ampel und kurzem Kommentar ist für Investoren oft hilfreicher als ein ausführlicher Bericht. Erkläre rote Werte zusammen mit der geplanten Maßnahme, statt sie wegzulassen.

Sebastian Janus
Sebastian Janus
Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

Profil und Werdegang von Sebastian Janus

Finanzabteilung verstärken – vom Reporting bis zur Finanzführung

Interim CFO, CFO as a Service und Financial Modelling – aus über 350 Projekten seit 2019. Erste Profile innerhalb von 24 Stunden.
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