Wenn ein Scale-up nach zusätzlicher Liquidität sucht, ist die erste Reaktion oft eine neue Finanzierungsrunde oder eine Kreditlinie. Dabei liegt in vielen Unternehmen ungenutztes Kapital bereits im eigenen Working Capital – gebunden in offenen Forderungen, die zu spät eingezogen werden, oder in Lieferantenzahlungen, die früher als nötig erfolgen. Wer DSO und DPO gezielt steuert, kann Liquidität freisetzen, ohne einen einzigen Investor anzusprechen.
Wichtige Erkenntnisse
- DSO (Days Sales Outstanding) und DPO (Days Payable Outstanding) sind die zwei Hebel, mit denen sich Working Capital gezielt steuern lässt – meist wirksamer als kurzfristige Kostensenkungen.
- Der Cash Conversion Cycle verbindet beide Kennzahlen und zeigt, wie viele Tage Kapital im operativen Geschäft gebunden ist, bevor es wieder als Cash verfügbar ist.
- Investoren bewerten eine saubere Working-Capital-Steuerung zunehmend als eigenständiges Qualitätsmerkmal im Finance-Reporting, nicht nur als Randthema.
Warum Working Capital oft der schnellere Hebel ist
Eine neue Finanzierungsrunde dauert Monate, eine Kreditlinie erfordert Verhandlungen und Sicherheiten. Die Optimierung von DSO und DPO dagegen lässt sich mit bestehenden Prozessen umsetzen und wirkt oft innerhalb weniger Wochen auf den Kontostand. Das ergänzt die grundlegenden Working-Capital-Hebel um die konkrete Steuerungsgröße, an der sich Fortschritt messen lässt.
Die zwei Stellschrauben im Detail
DSO senken, ohne Kunden zu verärgern
Days Sales Outstanding misst, wie viele Tage im Schnitt vergehen, bis eine Rechnung bezahlt wird. Ein strukturiertes Mahnwesen, klar definierte Zahlungsziele im Vertrag und automatisierte Erinnerungen senken den Wert meist deutlich, ohne dass Kunden das als aggressiv empfinden – solange die Kommunikation konsistent bleibt.
DPO verlängern, ohne Lieferanten zu belasten
Days Payable Outstanding zeigt das Gegenstück: Wie lange nutzt das Unternehmen die vereinbarten Zahlungsziele tatsächlich aus, statt früher zu zahlen? Viele Scale-ups zahlen aus Gewohnheit früher als vertraglich nötig – ein einfacher Prozessfix ohne Verhandlungsbedarf mit Lieferanten.
Der Cash Conversion Cycle als Gesamtbild
DSO plus Lagerdauer minus DPO ergibt den Cash Conversion Cycle – die Anzahl Tage, die Kapital gebunden ist, bevor es wieder als liquide Mittel zur Verfügung steht. Diese Kennzahl gehört in dasselbe Dashboard wie die Cashflow-Bridge im Investoren-Reporting, weil sie erklärt, warum sich Umsatzwachstum nicht eins zu eins im Kontostand zeigt.
Working Capital ist die Liquidität, die ein Unternehmen bereits besitzt, aber falsch verteilt hat – der Hebel kostet kein zusätzliches Kapital, nur einen saubereren Prozess.
Häufig gestellte Fragen
Welcher DSO-Wert gilt als gut?
Das hängt stark vom Geschäftsmodell ab. Als grober Richtwert gilt: Je näher DSO an den vertraglich vereinbarten Zahlungszielen liegt, desto besser funktioniert der Forderungseinzug in der Praxis.
Kann man DPO beliebig verlängern?
Nein. Über die vertraglich vereinbarten Zahlungsziele hinauszugehen, gefährdet Lieferantenbeziehungen und kann sich in schlechteren Konditionen niederschlagen. Der Hebel liegt darin, die bestehenden Ziele konsequent auszunutzen, nicht sie zu überschreiten.
Wie oft sollte der Cash Conversion Cycle berichtet werden?
Monatlich, im selben Rhythmus wie das übrige Investoren-Reporting, damit sich Veränderungen frühzeitig erkennen lassen.
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Die grundlegenden Working-Capital-Hebel im Überblick: Working Capital senken, Liquidität steigern. Zur laufenden Liquiditätssteuerung: 13-Wochen-Liquiditätsplanung aufbauen.


