Was sagen die drei Liquiditätsgrade aus?
Die Liquiditätsgrade messen, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit vorhandenen Mitteln bezahlen kann. Liquidität 1. Grades betrachtet nur flüssige Mittel, Liquidität 2. Grades ergänzt kurzfristige Forderungen, Liquidität 3. Grades bezieht das gesamte Umlaufvermögen ein. Je weiter man geht, desto mehr hängt das Ergebnis davon ab, wie schnell Forderungen und Vorräte tatsächlich zu Geld werden.
Direkt zum Abschnitt: Formeln · Rechenbeispiel · Richtwerte · Grenzen der Kennzahlen · Wie du sie nutzt
Die drei Formeln
- Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 %
- Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 %
- Liquidität 3. Grades (Current Ratio) = Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 %
Zu den flüssigen Mitteln zählen Kasse, Bankguthaben und kurzfristig verwertbare Wertpapiere. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind solche, die innerhalb eines Jahres fällig werden, etwa Lieferantenrechnungen, Steuern oder Darlehensraten. Das Umlaufvermögen umfasst zusätzlich Vorräte.
Rechenbeispiel mit fiktiven Zahlen
Fiktives, vereinfachtes Beispiel (Beträge in Tausend Euro): Ein Softwareunternehmen hat flüssige Mittel von 40, kurzfristige Forderungen von 80 und Vorräte von 60. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 100.
- Liquidität 1. Grades = 40 ÷ 100 = 40 %
- Liquidität 2. Grades = (40 + 80) ÷ 100 = 120 %
- Liquidität 3. Grades = (40 + 80 + 60) ÷ 100 = 180 %
Die Zahlen sehen solide aus. Doch die Hauptlast tragen die Forderungen: Zahlen die Kunden 30 Tage später als geplant, bleibt kurzfristig nur ein Barbestand von 40 gegen Verbindlichkeiten von 100. Genau das zeigt der erste Grad. Deshalb gehören alle drei Werte zusammen betrachtet.
Häufig genannte Richtwerte
In der Praxis begegnen dir diese Faustregeln:
- 1. Grades: grob 20 % (je nach Quelle 10 bis 30 %)
- 2. Grades: mindestens 100 %
- 3. Grades: je nach Quelle 120 bis 200 %
Die Spannen zeigen schon: Es gibt keinen gesetzlichen oder universellen Zielwert. Branche, Geschäftsmodell und Zahlungsziele verändern, was ein guter Wert ist. Ein Abo-Unternehmen mit Jahresvorauszahlungen hat andere Zahlungsströme als ein Handelsunternehmen mit hohem Lager. Nutze Richtwerte deshalb als Anlass, nachzufragen, nicht als Urteil.
Grenzen der Kennzahlen
- Stichtag: Die Werte beschreiben einen Bilanzstichtag. Stammen die Daten aus einem Abschluss von vor Monaten, hat die Realität sie längst überholt.
- Qualität der Forderungen: Offene Posten, die streitig oder überfällig sind, zählen trotzdem mit. Prüfe das Alter der Forderungen.
- Vorräte sind nicht Bargeld: Beim 3. Grad fließt Lagerware ein, die sich vielleicht nur langsam verkaufen lässt.
- Keine Zukunftssicht: Die Grade sagen nichts über kommende Zahlungstermine. Dafür braucht es eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung.
- Ergebnis ist nicht Cash: Warum ein gutes Ergebnis die Liquidität trotzdem sinken lassen kann, zeigt der Beitrag EBITDA steigt, Liquidität sinkt.
So nutzt du die Liquiditätsgrade im Reporting
- Berechne alle drei Grade aus denselben abgestimmten Bilanzzahlen und nenne den Stichtag.
- Zeige den Verlauf über mehrere Monate statt eines einzelnen Wertes.
- Ergänze das Alter der Forderungen und die nächsten großen Auszahlungen.
- Lege intern fest, ab welchem Wert du nachfasst, und halte das schriftlich fest.
- Prüfe, ob im Kreditvertrag Kennzahlen vereinbart sind, die nach anderer Definition berechnet werden (Covenants).
Wie du Engpässe früh erkennst, steht im Beitrag Liquiditätsengpass: Frühwarnsignale erkennen. Einen Gesamtüberblick weiterer Kennzahlen gibt der Beitrag Finanzkennzahlen für Unternehmen. Unterstützung bei Planung und Reporting findest du unter FP&A und Financial Modelling.
Häufig gestellte Fragen
Wie berechnet man die Liquidität 2. Grades?
Du addierst flüssige Mittel und kurzfristige Forderungen, teilst die Summe durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multiplizierst mit 100. Im Rechenbeispiel dieses Artikels ergibt das mit fiktiven Zahlen 120 %.
Welcher Wert gilt als gut?
Häufig genannt werden etwa 20 % für den 1. Grad, mindestens 100 % für den 2. Grad und je nach Quelle 120 bis 200 % für den 3. Grad. Es gibt keinen allgemeingültigen Zielwert, Branche und Geschäftsmodell spielen eine große Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen Cash Ratio, Quick Ratio und Current Ratio?
Die Cash Ratio (1. Grad) zählt nur flüssige Mittel, die Quick Ratio (2. Grad) addiert kurzfristige Forderungen, die Current Ratio (3. Grad) bezieht das gesamte Umlaufvermögen einschließlich Vorräten ein.
Reichen die Liquiditätsgrade zur Steuerung?
Nein. Sie beschreiben einen Stichtag und sagen nichts über kommende Zahlungstermine. Für die Steuerung braucht es zusätzlich eine Liquiditätsvorschau.
Quellen
Formeln und Richtwerte nach Agicap: Liquiditätskennzahlen. Das Rechenbeispiel wurde von nugrow erstellt und enthält keine Kunden- oder Benchmarkdaten. Stand: Oktober 2026.




