Die kurze Antwort
Runway ist die Zahl der Monate, bis der Kontostand unter null fällt. Die Rechnung: verfügbare Liquidität geteilt durch den monatlichen Netto-Burn. Der Netto-Burn ist das, was pro Monat tatsächlich vom Konto abfließt – Auszahlungen minus Einzahlungen.
Ein einzelner Wert reicht dafür nicht. Umsatz und Kosten ändern sich jeden Monat, deshalb gehört zu einer belastbaren Runway-Zahl immer eine Monatsrechnung mit mindestens drei Szenarien.
Vorlage zum Download: Die Rechnung aus diesem Beitrag gibt es als Excel-Datei, mit Beispielwerten und einem Diagramm über 24 Monate. Runway-Rechner herunterladen (Excel)
Brutto-Burn und Netto-Burn
Der Brutto-Burn sind alle monatlichen Auszahlungen: Gehälter, Miete, Software, Marketing, Steuern, Zinsen. Der Netto-Burn zieht davon die Einzahlungen aus dem laufenden Geschäft ab.
Für die Runway zählt der Netto-Burn, weil nur er den Kontostand verändert. Der Brutto-Burn ist die Zahl für die Kostenseite: Er zeigt, wie viel Umsatz nötig wäre, damit kein Geld mehr abfließt.
Wichtig ist, in Zahlungen zu rechnen, nicht in Buchhaltungsergebnissen. Eine Rechnung, die im März gestellt und im Mai bezahlt wird, ist im März Umsatz, aber erst im Mai Einzahlung. Wer mit dem Ergebnis aus der Gewinn- und Verlustrechnung rechnet, überschätzt die Runway oft deutlich.
Die Rechnung in vier Schritten
- Startpunkt festlegen. Kontostand heute, ohne Gelder, die schon verplant oder gebunden sind. Zugesagte, aber noch nicht ausgezahlte Mittel stehen nicht hier, sondern in Schritt 3.
- Monatliche Einzahlungen und Auszahlungen schätzen. Für den ersten Monat aus den letzten drei bis sechs Monaten ableiten. Wachstum von Umsatz und Kosten als Prozentsatz pro Monat angeben, getrennt für beide Seiten.
- Einmalige Zahlungen eintragen. Eine Finanzierungsrunde, Fördermittel oder eine große Steuerzahlung gehören mit Betrag und Monat in die Rechnung, nicht in den Durchschnitt.
- Monat für Monat fortschreiben. Kontostand neu = Kontostand alt + Einzahlungen – Auszahlungen. Der erste Monat, in dem der Kontostand unter null fällt, markiert das Ende; die Runway ist die Zahl der Monate davor.
Die einfache Überschlagsformel – Kontostand geteilt durch Netto-Burn – stimmt nur, wenn der Burn konstant bleibt. Sobald Umsatz oder Kosten wachsen, weicht sie ab, in beide Richtungen.
Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen
Ein Unternehmen hat 400.000 Euro auf dem Konto, 60.000 Euro Umsatz und 110.000 Euro Kosten pro Monat. Der Netto-Burn im ersten Monat beträgt 50.000 Euro, die einfache Rechnung ergibt acht Monate.
Mit Monatsrechnung ändert sich das Bild: Der Umsatz wächst um 4 Prozent im Monat, die Kosten um 1 Prozent. Im Basisszenario reicht das Geld neun Monate, im Monat zehn ist das Konto leer. Wächst der Umsatz nur um 1 Prozent, sind es sieben Monate. Wächst er um 6 Prozent, wird das Konto im Beobachtungszeitraum von 24 Monaten nicht leer.
Die Zahlen sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Entscheidend ist die Spannweite: Zwischen sieben Monaten und mehr als zwei Jahren liegt allein ein Unterschied von fünf Prozentpunkten Umsatzwachstum.
Drei Szenarien statt einer Zahl
Gerechnet werden drei Fälle, die sich nur im Umsatzwachstum unterscheiden: pessimistisch, Basis, optimistisch. Dazu kommen die Fragen, die jeder Fall beantworten muss:
- Wann geht das Geld aus, und wie viele Monate bleiben für Gegenmaßnahmen?
- Wie groß ist die Lücke bis zum Ende des Planungszeitraums?
- Was ändert eine Finanzierung in Monat X, und wie viel Zeit kauft sie?
Als Faustregel wird oft empfohlen, eine Finanzierung zu beginnen, solange noch mehrere Quartale Runway vorhanden sind, weil Gespräche, Prüfung und Auszahlung selbst Monate dauern. Wie lange das im Einzelfall braucht, hängt von Investoren oder Bank ab und lässt sich nicht pauschal sagen. Was eine Runde für die eigene Beteiligung bedeutet, zeigt der Verwässerungsrechner.
Was in der Rechnung oft fehlt
- Zahlungsziele. Kunden zahlen später als vereinbart, Lieferanten werden früher bezahlt als nötig. Ein Blick auf Working Capital und Zahlungsziele zeigt, wie viel Liquidität darin steckt.
- Steuern und Abgaben. Umsatzsteuer, Vorauszahlungen und Lohnsteuer fließen zu festen Terminen ab, nicht gleichmäßig.
- Einmalige Auszahlungen. Jahresbeiträge, Versicherungen, Bonuszahlungen, Rückzahlungen von Darlehen.
- Saisonalität. Ein Durchschnittswert versteckt Monate, in denen das Konto deutlich tiefer steht als im Mittel.
Von der Runway zur Wochenplanung
Die Monatsrechnung zeigt die Richtung. Sobald die Runway unter etwa sechs Monate fällt oder Zahlungen knapp werden, braucht es eine feinere Sicht: die 13-Wochen-Liquiditätsplanung zeigt auf Wochenebene, welche Zahlung wann fällig ist. Für die Steuerung von Wachstum gegen Kapitalverbrauch ergänzt die Burn Multiple die Runway um eine Effizienzkennzahl.
Wer Fixkosten und Umsatzschwelle auf einen Blick sehen will, nutzt zusätzlich den Break-even-Rechner. Den größten Posten im Burn, die Personalkosten, plant die Headcount-Vorlage pro Monat durch.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Runway eines Startups?
Die Runway ist die Zahl der Monate, bis der Kontostand unter null fällt. Als Überschlag gilt: Kontostand geteilt durch monatlichen Netto-Burn. Genauer ist die Monatsrechnung, die Wachstum von Umsatz und Kosten, einmalige Zahlungen und Zahlungsziele berücksichtigt.
Was ist der Unterschied zwischen Burn Rate und Runway?
Die Burn Rate sagt, wie viel Geld pro Monat verbraucht wird. Die Runway sagt, wie lange der vorhandene Kontostand bei dieser Rate reicht. Die Burn Rate ist die Geschwindigkeit, die Runway die Restzeit.
Was ist Brutto-Burn und was Netto-Burn?
Der Brutto-Burn sind alle monatlichen Auszahlungen. Der Netto-Burn ist die Differenz aus Auszahlungen und Einzahlungen aus dem laufenden Geschäft. Für die Runway zählt der Netto-Burn.
Wie viele Monate Runway sollte ein Unternehmen haben?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Üblich ist die Empfehlung, mit einer Finanzierung zu beginnen, solange noch mehrere Quartale Puffer da sind, weil Finanzierungsgespräche selbst Monate dauern. Ein Unternehmen mit planbaren Einzahlungen braucht weniger Puffer als eines ohne.
Warum weicht die einfache Rechnung von der Monatsrechnung ab?
Die einfache Rechnung nimmt einen gleichbleibenden Burn an. Wachsen Umsatz und Kosten unterschiedlich schnell, ändert sich der Burn jeden Monat, und die Runway wird länger oder kürzer als der Überschlag.
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Quellen und Stand
Der Beitrag beschreibt die Methode; alle Zahlenbeispiele sind erfunden. Stand: Oktober 2026.





