Die kurze Antwort
Bei einer Finanzierungsrunde entstehen neue Anteile für den Investor. Dadurch sinkt die prozentuale Beteiligung aller bisherigen Gesellschafter, das nennt man Verwässerung. Der Wert ihrer Anteile muss dabei nicht sinken: Ein kleinerer Anteil an einem größeren Unternehmen kann mehr wert sein als vorher.
Die Rechnung ist einfach: Der Investor bekommt den Anteil Investition geteilt durch Post-Money-Bewertung. Die Post-Money-Bewertung ist die Pre-Money-Bewertung plus die Investition. Wer 1 Million Euro bei 4 Millionen Euro Pre-Money investiert, hält danach 20 Prozent.
Vorlage zum Download: Die Rechnung aus diesem Beitrag gibt es als Excel-Datei für zwei Runden, mit Optionspool und Diagramm. Verwässerungsrechner herunterladen (Excel) Für eine einzelne Runde gibt es auch den kostenlosen Equity Dilution Calculator online.
Pre-Money und Post-Money
Die Pre-Money-Bewertung ist der Wert des Unternehmens vor der Runde. Die Post-Money-Bewertung ist der Wert danach, also inklusive des neuen Geldes. Der Unterschied entscheidet über die Beteiligung: Bei 4 Millionen Pre-Money und 1 Million Investition beträgt die Post-Money-Bewertung 5 Millionen Euro, der Investor hält 20 Prozent.
Der Anteilspreis ergibt sich aus der Zahl der Anteile: Die Investition geteilt durch die neuen Anteile, die der Investor erhält. Hat das Unternehmen vor der Runde 100.000 Anteile, geben die Beteiligten nach der Rechnung unten rund 26.000 neue Anteile aus, der Preis liegt bei rund 38 Euro je Anteil.
Der Optionspool
Viele Investoren verlangen, dass vor der Runde ein Optionspool für Mitarbeitende aufgestockt wird, zum Beispiel auf 10 bis 15 Prozent der Anteile nach der Runde. Wird der Pool vor der Runde aufgestockt, verwässert er nur die bestehenden Gesellschafter, nicht den neuen Investor. In der Praxis heißt das: Der effektive Preis für die Gründer ist niedriger, als die Pre-Money-Bewertung vermuten lässt.
Welche Größe angemessen ist, hängt von den geplanten Einstellungen ab. Eine Faustregel ist, den Pool auf die Stellen zu rechnen, die bis zur nächsten Runde besetzt werden sollen. Die geplanten Stellen und Gehälter lassen sich im Headcount-Plan zusammenstellen.
Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen
Zwei Gründer halten 45 und 35 Prozent, ein Business Angel 5 Prozent, der Optionspool 15 Prozent. Insgesamt gibt es 100.000 Anteile.
Seed-Runde: 4 Millionen Euro Pre-Money, 1 Million Euro Investition, Optionspool danach 15 Prozent. Der Investor hält 20 Prozent, der Pool wird um rund 4.600 Anteile aufgestockt. Gründer A sinkt von 45 auf 34,4 Prozent, Gründer B von 35 auf 26,8 Prozent.
Serie A: 12 Millionen Euro Pre-Money, 4 Millionen Euro Investition, Optionspool danach 12 Prozent. Der neue Investor hält 25 Prozent, der Seed-Investor sinkt von 20 auf 14,8 Prozent. Gründer A hält danach 25,5 Prozent, Gründer B 19,8 Prozent.
Die Zahlen sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Wichtig ist der Verlauf: Nach zwei Runden halten beide Gründer zusammen noch rund 45 Prozent, obwohl das Unternehmen 16 Millionen Euro bewertet wird.
Die Rechnung in vier Schritten
- Ausgangslage festhalten. Anteile je Gesellschafter und den bestehenden Optionspool.
- Anteil des Investors bestimmen. Investition geteilt durch Post-Money-Bewertung.
- Poolgröße festlegen. Gewünschte Poolgröße nach der Runde in Prozent, daraus ergibt sich, wie viele Anteile neu in den Pool kommen.
- Neue Gesamtzahl der Anteile berechnen. Die bestehenden Gesellschafter halten nach der Runde den Rest. Aus der Gesamtzahl folgen Anteilspreis und die Beteiligung jedes Einzelnen.
Was die Vorlage nicht abbildet
- Wandeldarlehen und SAFEs. Sie wandeln sich meist erst in der nächsten Runde um und verwässern dann zusätzlich.
- Liquidationspräferenzen. Sie bestimmen, wer bei einem Verkauf zuerst Geld bekommt, unabhängig von der Beteiligung.
- Anti-Dilution-Klauseln. Sie schützen Investoren bei Runden zu einem niedrigeren Preis.
- Rechtliche Gestaltung. Gesellschaftsvertrag und Beteiligungsvertrag gehen vor. Dafür braucht es eine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Was bedeutet Verwässerung?
Verwässerung beschreibt, dass die prozentuale Beteiligung eines Gesellschafters sinkt, wenn neue Anteile ausgegeben werden, zum Beispiel an einen Investor oder in den Optionspool.
Wie berechne ich den Anteil eines Investors?
Der Anteil ist die Investition geteilt durch die Post-Money-Bewertung. Bei 1 Million Euro Investition und 4 Millionen Euro Pre-Money sind das 20 Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen Pre-Money und Post-Money?
Pre-Money ist die Bewertung vor der Runde, Post-Money die Bewertung inklusive des neuen Geldes. Post-Money ist Pre-Money plus Investition.
Warum wird der Optionspool vor der Runde aufgestockt?
Wird der Pool vor der Runde aufgestockt, tragen nur die bestehenden Gesellschafter die Verwässerung. Investoren verlangen das häufig, weil ihr Anteil nach der Runde dann nicht mehr sinkt.
Ersetzt die Vorlage eine Rechtsberatung?
Nein. Die Vorlage ist eine vereinfachte Rechenhilfe. Maßgeblich sind Gesellschaftsvertrag und Beteiligungsvertrag; dafür ist eine Rechtsberatung nötig.
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Quellen und Stand
Der Beitrag beschreibt die Methode; alle Zahlenbeispiele sind erfunden. Er ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Stand: Oktober 2026.





