Wachstum allein reicht Investoren nicht mehr. Wer heute Kapital einwirbt oder ein Portfoliounternehmen führt, muss zeigen, wie viel Wachstum jeder verbrannte Euro erzeugt. Zwei Kennzahlen haben sich dafür etabliert: der Burn Multiple und die Rule of 40. Beide lassen sich aus wenigen Zahlen berechnen und zeigen sofort, ob ein SaaS-Geschäftsmodell effizient wächst.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Burn Multiple setzt den Netto-Cashverbrauch ins Verhältnis zum neu gewonnenen wiederkehrenden Umsatz. Je niedriger, desto effizienter.
- Die Rule of 40 addiert Wachstumsrate und Profitabilität. Ab 40 Prozent gilt ein SaaS-Unternehmen als gesund.
- Beide Werte gehören in jedes Investoren-Reporting und in die Vorbereitung einer Finanzierungsrunde.
Burn Multiple: Was kostet jeder neue Euro Umsatz?
Der Burn Multiple beantwortet eine einfache Frage: Wie viel Cash verbrennt das Unternehmen, um einen Euro neuen wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) zu gewinnen?
Formel: Burn Multiple = Netto-Burn der Periode ÷ Netto-Neu-ARR der Periode
Ein Beispiel: Ein Unternehmen verbrennt in einem Quartal 1,5 Mio. Euro und steigert seinen ARR im selben Zeitraum um 1,0 Mio. Euro. Der Burn Multiple liegt bei 1,5. Jeder neue Euro ARR kostet also 1,50 Euro Cash.
Wie Sie das Ergebnis einordnen
Gängige Faustwerte aus der Venture-Praxis: Ein Wert unter 1 gilt als hervorragend, zwischen 1 und 2 als gut bis akzeptabel, ab etwa 2 wird es kritisch, über 3 gilt das Wachstum als sehr teuer erkauft. Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine feste Regel. Frühe Phasen dürfen höher liegen, später erwarten Investoren Verbesserung.
Rule of 40: Wachstum und Profitabilität zusammen
Die Rule of 40 besagt, dass die Summe aus Umsatzwachstum und Gewinnmarge mindestens 40 Prozent betragen sollte.
Formel: Rule of 40 = Umsatzwachstum (in %) + Profitmarge (in %)
Für die Marge verwenden Unternehmen meist die EBITDA-Marge oder die Free-Cashflow-Marge. Wichtig ist, dass Sie die Definition festlegen und konsistent beibehalten. Ein Unternehmen mit 50 Prozent Wachstum und minus 15 Prozent Marge kommt auf 35. Eines mit 20 Prozent Wachstum und 25 Prozent Marge auf 45.
Wann die Rule of 40 passt
Die Kennzahl ist vor allem für wachsende SaaS-Unternehmen ab einer gewissen Größe aussagekräftig. In sehr frühen Phasen mit kleinem Umsatz schwanken beide Werte stark, dort ist der Burn Multiple die bessere Orientierung.
Wie beide Kennzahlen zusammenspielen
Der Burn Multiple schaut auf die Effizienz der Neukundengewinnung, die Rule of 40 auf das Gesamtbild aus Wachstum und Ergebnis. Ein Unternehmen mit niedrigem Burn Multiple, aber schwachem Wachstum erreicht die 40 oft nicht. Eines mit hohem Wachstum und hohem Burn Multiple hat zwar eine gute Rule of 40, verbrennt aber Kapital, das bei der nächsten Runde fehlen kann. Erst beide Werte zusammen zeigen, ob das Geschäftsmodell trägt.
Wachstum ist nur dann ein Argument, wenn es nicht unverhältnismäßig teuer erkauft ist. Der Burn Multiple macht das sichtbar.
Typische Fallstricke bei der Berechnung
- Uneinheitliche Definitionen: Netto-Burn, Netto-Neu-ARR und Marge müssen in jedem Reporting identisch berechnet werden, sonst sind Vergleiche wertlos.
- Einmaleffekte: Große Einmalzahlungen verzerren den Burn eines einzelnen Quartals. Nutzen Sie zusätzlich einen gleitenden Durchschnitt über mehrere Quartale.
- ARR statt Umsatz: Der Burn Multiple bezieht sich auf wiederkehrenden Umsatz, nicht auf den gebuchten Gesamtumsatz mit Einmalprojekten.
- Fehlende Datenbasis: Ohne saubere Buchhaltung und eine Kundenliste mit Vertragsdaten sind beide Kennzahlen nicht belastbar. Mehr zu einem belastbaren Kennzahlenset im Beitrag Wichtige Kennzahlen für Scale-ups.
Was Sie jetzt tun können
Berechnen Sie beide Werte für die letzten vier Quartale und halten Sie die Definition schriftlich fest. Nehmen Sie die Zahlen ins monatliche Investoren-Reporting auf und vergleichen Sie sie mit den Zielen aus dem Budget. Wie Kapitaleffizienz und Wachstum zusammenhängen, erklärt der Beitrag Kapitaleffizienz vs. schnelles Wachstum. Wie lange das vorhandene Kapital reicht, zeigt der Runway-Rechner.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein guter Burn Multiple?
Als Faustregel gilt ein Wert unter 1 als hervorragend und zwischen 1 und 2 als gut bis akzeptabel. Ab etwa 2 prüfen Investoren genauer nach, über 3 gilt das Wachstum als sehr teuer erkauft. Die Werte hängen von Phase und Marktumfeld ab.
Wie berechne ich die Rule of 40?
Sie addieren das jährliche Umsatzwachstum in Prozent und die Profitmarge in Prozent, meist EBITDA- oder Free-Cashflow-Marge. Liegt die Summe bei 40 oder höher, gilt das Unternehmen als gesund.
Gilt die Rule of 40 auch für Startups in der Frühphase?
Nur eingeschränkt. Bei kleinem Umsatz schwanken Wachstum und Marge stark. In frühen Phasen ist der Burn Multiple zusammen mit der Runway die aussagekräftigere Kennzahl.
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