Factoring

Factoring ist der laufende Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen Finanzierer. Das Unternehmen erhält den Betrag sofort statt zum Fälligkeitstag; je nach Ausgestaltung geht auch das Ausfallrisiko auf den Factor über.

Echtes und unechtes Factoring

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko (Delkredere). Die Forderung verlässt die Bilanz, die Bilanzsumme sinkt, die Eigenkapitalquote steigt. Beim unechten Factoring bleibt das Risiko beim Unternehmen; bilanziell ist das ein Kredit, keine Verkürzung.

Der Unterschied ist keine Formalie: Nur die echte Variante verbessert Kennzahlen, an denen Banken und Covenants hängen.

Was es kostet

Der Preis besteht aus drei Teilen: einer Factoring-Gebühr auf den Umsatz für die Dienstleistung, Zinsen auf den bevorschussten Betrag für die tatsächliche Laufzeit, und – beim echten Factoring – einer Delkredere-Prämie für die Risikoübernahme. Ein Sicherheitseinbehalt von üblicherweise 10 bis 20 Prozent wird erst nach Zahlungseingang ausgekehrt.

Der Vergleich mit dem Kontokorrent ist die richtige Rechnung, nicht der Vergleich mit null. Factoring ist meist teurer als eine Kreditlinie – dafür wachstumsabhängig statt betragsbegrenzt.

Wann es sich rechnet

  • Schnelles Wachstum, bei dem das Working Capital schneller steigt als die Kreditlinie.
  • Lange Zahlungsziele gegenüber großen Kunden, die nicht verhandelbar sind.
  • Bilanzoptik vor einem Stichtag, etwa vor einer Finanzierungsrunde oder einer Bankenprüfung.
  • Wenn die Kreditlinie ausgereizt ist und weitere Sicherheiten fehlen.

Wann nicht

Bei wenigen sehr großen Kunden mit hohem Klumpenrisiko lehnen Factoren häufig ab oder verlangen Aufschläge. Bei Werkverträgen mit Abnahmevorbehalt, Teilleistungen oder Gewährleistungseinbehälten ist die Forderung schwer verkäuflich. Und wenn die Ursache des Liquiditätsdrucks ein zu hoher DSO aus eigenem Verschulden ist – späte Fakturierung, kein Mahnwesen –, kauft Factoring Zeit, ohne das Problem zu lösen, und kostet dafür dauerhaft Marge.

Stille oder offene Abtretung

Beim offenen Verfahren erfährt der Kunde vom Forderungsverkauf und zahlt an den Factor. Beim stillen Verfahren bleibt die Abtretung verborgen. Die stille Variante ist teurer und wird nur bei guter Bonität angeboten – sie ist dann sinnvoll, wenn die Kundenbeziehung unter dem Signal leiden würde.

Synonyme:
Forderungsverkauf, Debitorenverkauf
Englischer Begriff:
Factoring
Zuletzt aktualisiert:
September 3, 2026