
Die kurze Antwort
Es gibt vier Wege zu einem Interim CFO: über einen Provider (Vermittler mit eigenem Pool), über eine offene Plattform wie unitedinterim, über das eigene Netzwerk und LinkedIn oder über ein Beratungshaus, das die Rolle mit einem Team statt einer Einzelperson besetzt. Welcher Weg passt, hängt an drei Fragen: Wie schnell muss besetzt werden? Wie spezifisch ist das Profil? Und wer trägt das Risiko, wenn die Person ausfällt?
Für eine kurzfristige, klar umrissene Vakanz ist der Provider der schnellste Weg. Für ein sehr spezifisches Profil und ein knappes Budget lohnt die Direktsuche. Für eine Funktion, die dauerhaft und in Teilzeit gebraucht wird, ist Interim Management ohnehin das falsche Modell.
Transparenzhinweis: nugrow ist selbst im Interim Management und mit CFO as a Service tätig. Dieser Beitrag beschreibt den Markt so, wie er ist – einschließlich der Wege, die an uns vorbeiführen.
Die vier Wege im Vergleich
| Weg | Wie es funktioniert | Zeit bis zum Vorschlag | Kosten | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|---|
| Provider / Sozietät | Vermittler mit eigenem Managerpool, stellt vorqualifizierte Profile | 24 bis 72 Stunden | 25–35 % Aufschlag auf den Tagessatz | es schnell gehen muss und das Profil marktgängig ist |
| Offene Plattform | Datenbank mit geprüften Profilen, direkter Kontakt ohne Provision | Tage, abhängig von der eigenen Recherche | für Unternehmen meist kostenfrei | Zeit für die eigene Auswahl da ist und das Budget knapp |
| Eigenes Netzwerk, LinkedIn | Direkte Ansprache über Kontakte, Verbände, Beirat, Hausbank | unkalkulierbar | kein Aufschlag, aber hoher Zeitaufwand | ein konkreter Name schon im Raum steht |
| Beratungshaus | Team statt Einzelperson, Rolle wird als Leistung erbracht | Tage bis wenige Wochen | Tagessatz oder Monatspauschale | Wissen im Haus bleiben soll und Ausfallrisiko stört |
Wie der deutsche Markt aufgebaut ist
Provider und Sozietäten
Provider sind der Regelweg. Sie halten einen eigenen Pool an Interim Managern, prüfen Verfügbarkeit und Referenzen vor und übernehmen Vertragsabwicklung und in der Regel die Absicherung bei Ausfall. Der Branchendienst beeInterim listet allein für den DACH-Raum 37 der bekanntesten und größten Provider – von Generalisten mit mehreren tausend Profilen bis zu Spezialisten für einzelne Branchen oder Funktionen. Einige davon sind ausdrücklich auf Finance ausgerichtet.
Der Aufschlag von typischerweise 25 bis 35 Prozent auf den Satz der vermittelten Person ist kein verstecktes Entgelt: Er bezahlt Vorauswahl, Vertragsabwicklung und Ausfallabsicherung. Man sollte trotzdem wissen, wofür man zahlt – und danach fragen, was der Provider bei einem Ausfall in Woche drei tatsächlich tut.
Offene Plattformen
Plattformen wie unitedinterim sind keine Provider und keine Personalberatung, sondern Marktplätze. Für suchende Unternehmen sind sie kostenfrei, es fällt keine Provision an, und der Kontakt läuft direkt zwischen Unternehmen und Manager. Die Profile werden nach Anbieterangabe manuell geprüft, bevor sie freigeschaltet werden, und die Verfügbarkeit wird laufend aktualisiert. Der Preis dafür ist Eigenarbeit: Vorauswahl, Referenzprüfung und Vertrag liegen beim Unternehmen.
Verbände als Filter
Wer die Qualität eines Anbieters vorab einschätzen will, kommt mit den Verbänden weiter als mit einer Google-Suche.
| Verband | Land | Wer Mitglied wird | Wofür es spricht |
|---|---|---|---|
| DDIM | Deutschland | Interim Manager und Provider, rund 500 Mitglieder | Branchenstandards, öffentliches Mitgliederverzeichnis, jährliche Marktstudie |
| AIMP | Deutschland | ausschließlich etablierte Provider | Provider-Fokus, Qualitätsanspruch, ISO-9001-Zertifizierung |
| DÖIM | Österreich | Manager und Provider, über 180 Mitglieder | Qualitätsstandards für den österreichischen Markt |
| DSIM | Schweiz | Interim Manager, über 60 Mitglieder | Interessenvertretung und Weiterbildung seit 2006 |
Eine Mitgliedschaft ist kein Gütesiegel für den einzelnen Einsatz. Sie zeigt aber, dass ein Anbieter sich an Branchenstandards messen lässt – und sie liefert ein Verzeichnis, in dem sich gezielt nach Funktion und Branche suchen lässt.
Zwölf Kriterien, die vor der Auswahl zu klären sind
| # | Kriterium | Warum es zählt |
|---|---|---|
| 1 | Passende Unternehmensgröße | Ein Konzern-CFO steuert anders als jemand, der im Mittelstand selbst die Konten bucht |
| 2 | Erfahrung mit dem konkreten Anlass | Nachfolge, Sanierung, Finanzierungsrunde und Systemwechsel verlangen unterschiedliche Routinen |
| 3 | Referenzen, die sprechen dürfen | Zwei Telefonate mit früheren Auftraggebern sagen mehr als jedes Profil |
| 4 | Verfügbarkeit und Auslastung | Wie viele Mandate laufen parallel? Vier Tage pro Woche sind etwas anderes als vier Tage im Monat |
| 5 | Startdatum, verbindlich | „Kurzfristig verfügbar“ ist kein Datum |
| 6 | Ausfallregelung | Was passiert bei Krankheit in Woche drei – und wer trägt die Einarbeitung des Ersatzes? |
| 7 | Systemkenntnis | DATEV, SAP, LucaNet, NetSuite: fehlende Kenntnis kostet die ersten zwei Wochen |
| 8 | Rechnungslegung | HGB, IFRS oder US-GAAP – im Konzernumfeld nicht verhandelbar |
| 9 | Vertragsform | Dienstvertrag oder Arbeitnehmerüberlassung, und warum genau diese Form |
| 10 | Leistungsumfang | Was ist im Satz enthalten, was wird zusätzlich berechnet – Reise, Abschluss, Sonderprojekte |
| 11 | Wissenstransfer | Dokumentation und Übergabe gehören in den Vertrag, nicht in die letzte Woche |
| 12 | Kündigungsfrist | Beidseitig, und mit einer Regelung für den Fall, dass die Chemie nicht stimmt |
Der Ablauf: von der Anfrage bis zum ersten Tag
- Rolle schärfen (1–2 Tage). Nicht „wir brauchen einen CFO“, sondern: welche drei Ergebnisse müssen nach 90 Tagen vorliegen? Daraus ergibt sich, ob überhaupt eine Finanzleitung gebraucht wird oder Controlling reicht – ein Unterschied von rund 1.000 Euro Tagessatz.
- Weg wählen (gleicher Tag). Provider bei Eile, Plattform bei Budgetdruck, Beratungshaus bei Ausfallrisiko und Wissenstransfer.
- Profile erhalten (1–3 Tage). Ein guter Provider liefert zwei bis vier passende Profile, nicht zwanzig.
- Gespräche (3–7 Tage). Zwei Runden: eine fachliche, eine mit dem Team, mit dem die Person arbeiten wird.
- Referenzen (2–3 Tage). Zwei Anrufe. Die Frage, die trägt: Würden Sie noch einmal mit dieser Person arbeiten – und wobei nicht?
- Vertrag (2–5 Tage). Vertragsform, Leistungsumfang, Ausfallregelung, Wissenstransfer, Kündigungsfrist.
- Start. Realistisch zwei bis vier Wochen von der ersten Anfrage bis zum ersten Arbeitstag – gegenüber sechs bis neun Monaten bei einer Festanstellung.
Vertrag und Recht: der Punkt, an dem es teuer wird
Der Regelfall im Interim Management ist der Dienstvertrag: Der Manager erbringt eine abgegrenzte Leistung als selbstständiger Unternehmer, ohne in die Weisungsstruktur des Auftraggebers eingegliedert zu sein. Genau daran hängt das Risiko.
Wird die Person faktisch wie eine Angestellte geführt – feste Arbeitszeiten, Weisungsgebundenheit, volle Eingliederung in die Organisation, Linienaufgaben statt Projekt –, kann die Konstruktion als Scheinselbstständigkeit gewertet werden. Die Folgen trägt überwiegend das auftraggebende Unternehmen: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und mögliche steuerliche Konsequenzen. Eine eigene GmbH des Interim Managers schützt davor nicht automatisch.
Die Alternative ist die Arbeitnehmerüberlassung über einen Provider mit AÜG-Erlaubnis. Sie ist rechtlich der sichere Weg, wenn die Rolle tatsächlich eingegliedert und weisungsgebunden ist – bringt aber eigene Grenzen mit, etwa bei der Überlassungshöchstdauer.
Praktisch heißt das: Die Vertragsform ist keine Formalie, die man dem Anbieter überlässt. Wer eine Rolle mit voller Führungsverantwortung und täglicher Präsenz besetzt, sollte die Frage aktiv stellen – und sich die Antwort begründen lassen. Im Zweifel gehört sie vor die Unterschrift zum eigenen Anwalt, nicht danach.
Was das kostet
Tagessätze für Interim CFOs liegen in Deutschland marktweit bei 1.400 bis 2.500 Euro, in Restrukturierung und Konzernumfeld darüber. Über einen Provider kommen 25 bis 35 Prozent Aufschlag dazu. Die vollständige Aufschlüsselung nach Rolle, Anlass und Abrechnungsmodell steht in unserem Beitrag zu den Kosten eines Interim CFO.
Ein Hinweis zur Rechnung, der oft fehlt: Der Aufschlag des Providers ist nicht der teuerste Posten. Das ist die Zeit bis zur Besetzung. Jeder Monat ohne Finanzleitung kostet in der Regel mehr als der Aufschlag über den gesamten Einsatz.
Fünf Warnsignale
Zwanzig Profile innerhalb einer Stunde. Wer nicht vorauswählt, hat nicht verstanden, was gesucht wird – und verlagert die Arbeit zurück ins Unternehmen.
Keine benennbaren Referenzen. Vertraulichkeit ist ein berechtigter Einwand. Dass sich in einer ganzen Laufbahn niemand findet, der sprechen darf, ist keiner.
Unklar, wer konkret arbeitet. Wenn im Angebot ein Unternehmen steht und im Projekt jemand anderes auftaucht, gehört das vorher geklärt.
Einarbeitung wird berechnet. Der Kern von Interim Management ist, ab Tag eins produktiv zu sein. Zwei Wochen bezahlte Einarbeitung widersprechen dem Modell.
Die Vertragsform bleibt vage. Wer auf die Frage nach Dienstvertrag oder Arbeitnehmerüberlassung ausweicht, verlagert ein reales Risiko auf den Auftraggeber.
Häufige Fragen
Wie finde ich einen Interim CFO?
Über vier Wege: einen Provider mit eigenem Managerpool, eine offene Plattform wie unitedinterim, das eigene Netzwerk und LinkedIn oder ein Beratungshaus, das die Rolle mit einem Team besetzt. Der Provider ist der schnellste Weg, die Plattform der günstigste, das Beratungshaus der Weg mit dem geringsten Ausfallrisiko.
Was kostet die Vermittlung eines Interim Managers?
Provider berechnen typischerweise 25 bis 35 Prozent Aufschlag auf den Tagessatz der vermittelten Person. Offene Plattformen sind für suchende Unternehmen in der Regel kostenfrei; dafür liegen Vorauswahl, Referenzprüfung und Vertrag beim Unternehmen.
Wie lange dauert es, bis ein Interim CFO startet?
Realistisch zwei bis vier Wochen von der ersten Anfrage bis zum ersten Arbeitstag. Erste Profile liegen bei einem Provider oft innerhalb von 24 bis 72 Stunden vor. Zum Vergleich: Eine Festanstellung braucht inklusive Kündigungsfrist sechs bis neun Monate.
Worauf muss ich bei der Auswahl achten?
Auf Erfahrung mit dem konkreten Anlass statt auf den Titel, auf zwei Referenzgespräche, auf eine verbindliche Ausfallregelung, auf die Vertragsform und darauf, dass Wissenstransfer im Leistungsumfang steht – nicht in der letzten Woche des Einsatzes.
Dienstvertrag oder Arbeitnehmerüberlassung?
Der Dienstvertrag ist der Regelfall für selbstständige Interim Manager mit abgegrenztem Auftrag. Ist die Person faktisch weisungsgebunden und in die Organisation eingegliedert, droht Scheinselbstständigkeit – dann ist die Arbeitnehmerüberlassung über einen Provider mit AÜG-Erlaubnis der sichere Weg. Die Folgen einer Fehleinstufung trägt überwiegend das auftraggebende Unternehmen.
Was bringt eine Verbandsmitgliedschaft?
Sie ist kein Gütesiegel für den einzelnen Einsatz, aber ein brauchbarer Vorfilter. DDIM und AIMP in Deutschland, DÖIM in Österreich und DSIM in der Schweiz setzen Branchenstandards und führen Verzeichnisse, in denen sich gezielt nach Funktion und Branche suchen lässt.
Wann ist Interim Management das falsche Modell?
Wenn die Funktion dauerhaft gebraucht wird, aber keine Vollzeitkraft auslastet. Dann ist CFO as a Service das passende Modell – dauerhafte Begleitung in Teilzeit statt befristeter Vollzeiteinsatz.
Weiterlesen
- Interim CFO, CFO as a Service oder Festanstellung? – der Entscheidungsleitfaden, bevor die Anbietersuche überhaupt beginnt.
- Was kostet ein Interim CFO? – Tagessätze nach Rolle, Abrechnungsmodelle und ein Rechenbeispiel über sechs Monate.
- CFO as a Service: Leistungsmodule und Preismodelle – wenn die Funktion dauerhaft, aber in Teilzeit gebraucht wird.
- Interim Management für die Finanzabteilung – wie ein Einsatz bei nugrow konkret abläuft.
Quellen
Zahl und Struktur der Provider im DACH-Raum: beeInterim, Übersicht Interim Management Provider. Verbände, Mitgliederzahlen und Standards: DDIM, AIMP, DÖIM und DSIM sowie die Verbandsübersicht des Interim Manager Portals. Funktionsweise und Kostenmodell offener Plattformen: unitedinterim, FAQ für Unternehmen. Abgrenzung Dienstvertrag und Arbeitnehmerüberlassung sowie Kriterien der Scheinselbstständigkeit: Management Angels und DDIM. Tagessätze und Provider-Aufschlag: Interim Profis und Effizienzbuchhalter. Stand: September 2026. Der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.




