Die kurze Antwort
Ein Interim-CFO-Mandat läuft in den ersten 100 Tagen in drei Phasen: verstehen und sichern (Tag 1 bis 30), stabilisieren (Tag 31 bis 60) und gestalten und übergeben (Tag 61 bis 100). Zuerst geht es um Liquidität und ein ehrliches Lagebild, dann um verlässliche Abläufe, am Ende um Struktur und die Übergabe.
Der Plan ist ein Beispiel und hängt von Lage und Auftrag ab. Wer ihn vor Mandatsbeginn mit der Geschäftsführung durchgeht, klärt die wichtigsten Erwartungen in einem Gespräch.
Vorlage zum Download: Der Plan als Excel-Datei mit 19 Aufgaben, Phasen, Fälligkeitsdaten, Status und Fortschritt je Phase. 100-Tage-Plan herunterladen (Excel)
Warum ein Plan mit festen Tagen
Ohne Plan wird ein Mandat vom Tagesgeschäft gesteuert. Mit Plan gibt es drei Dinge, die beide Seiten prüfen können: was bis wann fertig sein soll, wer es verantwortet und woran man erkennt, dass es fertig ist. Das schafft auch eine Grundlage für das Gespräch, wenn sich Prioritäten verschieben.
Phase 1: Verstehen und sichern (Tag 1 bis 30)
Die ersten Wochen dienen einem Ziel: Wissen, wo das Unternehmen steht, und sicherstellen, dass nichts Dringendes anbrennt.
- Gespräche mit Geschäftsführung, Gesellschaftern und Teamleitungen.
- Zugänge zu Bank, Buchhaltung, Lohn und Steuerberater.
- Kontostände, offene Posten und Zahlungsverpflichtungen der nächsten 13 Wochen. Daraus entsteht die 13-Wochen-Liquiditätsplanung.
- Kreditverträge, Covenants und Fristen der Bank.
- Stand des Monatsabschlusses und offene Prüfpunkte.
- Verträge mit Fristen und Kündigungsterminen.
- Erste Einschätzung mit Prioritäten, an die Geschäftsführung übergeben.
Am Ende dieser Phase steht ein Lagebild, das ohne Schönfärberei auskommt: Liquidität, Risiken, offene Punkte und eine Reihenfolge für die nächsten Wochen.
Phase 2: Stabilisieren (Tag 31 bis 60)
Jetzt werden Abläufe verlässlich. Die Aufgaben sind weniger spektakulär, aber sie entscheiden, ob Zahlen am Monatsende stimmen.
- Wöchentlicher Soll-Ist-Abgleich der Liquidität.
- Monatsabschluss mit festem Kalender und Verantwortlichen, zum Beispiel nach dem Zehn-Tage-Kalender.
- Forderungsmanagement und Zahlungsziele prüfen, Maßnahmen festlegen.
- Budget und Forecast mit den Bereichsleitungen abstimmen.
- Freigaberegeln für Zahlungen und Verträge schriftlich festlegen.
- Berichtswesen für Gesellschafter und Beirat abstimmen.
Phase 3: Gestalten und übergeben (Tag 61 bis 100)
Die letzte Phase richtet den Blick nach vorn: Was braucht der Finanzbereich dauerhaft, und wie kommt es an die nächste Person?
- Kennzahlenset mit Definitionen festlegen und erstmals berichten.
- Aufbau und Besetzung des Finanzteams bewerten und eine Empfehlung erarbeiten.
- Systeme und Prozesse: Lücken und Prioritäten dokumentieren.
- Übergabedokumentation für die Nachfolge oder den nächsten Schritt erstellen.
- Abschlussgespräch mit Geschäftsführung und Gesellschaftern.
Auch wenn das Mandat länger läuft: Eine Übergabedokumentation ist in jeder Phase sinnvoll. Wie ein Wechsel oder Ausfall geregelt wird, steht im Beitrag Was passiert, wenn es nicht passt.
Woran Sie Fortschritt erkennen
- Das Lagebild steht. Nach vier Wochen können Geschäftsführung und Gesellschafter die wichtigsten Risiken und die Liquidität in einem Blatt nennen.
- Zahlen kommen pünktlich. Der Monatsabschluss folgt einem festen Ablauf.
- Entscheidungen haben Besitzer. Freigaben und Zuständigkeiten sind schriftlich festgelegt.
- Die Übergabe ist möglich. Eine neue Person könnte mit der Dokumentation in einer Woche arbeitsfähig sein.
So passen Sie den Plan an
Der Plan ist für ein mittelständisches Unternehmen mit einer Gesellschaft gedacht. Bei Restrukturierung rückt die Liquidität in die ersten Tage und der Rest verschiebt sich. Bei einer Finanzierungsrunde oder einem Verkauf kommt die Datenaufbereitung dazu. Bei einer Vakanz ohne Krise bleibt mehr Zeit für Struktur. Entscheidend ist, dass Phasen, Reihenfolge und Verantwortliche vorher abgestimmt sind.
Wie ein Mandat zustande kommt, zeigt der Beitrag Interim CFO finden; die Anforderungen an Anfrage und Angebot stehen in Ausschreiben und Angebote vergleichen. Die Rolle selbst beschreibt die Seite Interim CFO.
Häufige Fragen
Was ist ein 100-Tage-Plan für einen Interim CFO?
Ein 100-Tage-Plan legt fest, welche Aufgaben in den ersten gut drei Monaten eines Mandats in welcher Reihenfolge erledigt werden, wer sie verantwortet und bis wann. Er teilt das Mandat in drei Phasen: verstehen und sichern, stabilisieren, gestalten und übergeben.
Was passiert in den ersten 30 Tagen?
Der Interim CFO verschafft sich ein Lagebild: Gespräche, Zugänge, Liquidität der nächsten 13 Wochen, Bankverträge und Fristen, Stand des Monatsabschlusses und offene Prüfpunkte. Am Ende steht eine erste Einschätzung mit Prioritäten.
Gilt der Plan auch für kürzere Mandate?
Ja, als Raster. Bei kürzeren Mandaten werden Phasen gestrafft oder Aufgaben gestrichen; die Reihenfolge Lagebild, Stabilität, Übergabe bleibt sinnvoll.
Wer ist für die Aufgaben verantwortlich?
In der Vorlage steht je Aufgabe eine Rolle, etwa Interim CFO, Controlling, Buchhaltung oder Finanzleitung. Entscheidend ist, dass jede Aufgabe eine namentlich benannte Person hat.
Wie kann ich die Vorlage nutzen?
Startdatum eintragen, Aufgaben und Tage anpassen, Verantwortliche und Status pflegen. Die Vorlage berechnet Fälligkeitsdaten, markiert überfällige Aufgaben und zeigt den Fortschritt je Phase.
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Quellen und Stand
Der Beitrag beruht auf der Mandatspraxis von nugrow und beschreibt ein Beispiel; Aufgaben, Tage und Verantwortliche sind an das eigene Unternehmen anzupassen. Stand: Oktober 2026.





