Interim Management
Interim Management ist die zeitlich befristete Besetzung einer Führungsposition durch eine externe Fach- oder Führungskraft. Der Einsatz dauert typischerweise drei bis zwölf Monate und dient dazu, Vakanzen zu überbrücken, Projekte zu führen oder ein Unternehmen durch eine Umbruchphase zu steuern.
Das Prinzip
Interim Manager treten in eine bestehende Organisation ein, übernehmen eine definierte Rolle mit Verantwortung und verlassen das Unternehmen nach Erreichen des vereinbarten Ziels wieder. Sie sind keine Berater: Sie führen Mitarbeitende, treffen Entscheidungen und tragen Ergebnisverantwortung.
Typische Anlässe
Eine plötzliche Vakanz in einer Schlüsselrolle, eine Restrukturierung, eine Transaktion, die Einführung eines neuen ERP-Systems, ein Wachstumssprung oder eine Elternzeitvertretung auf Führungsebene. Gemeinsam ist allen Fällen, dass Führung sofort verfügbar sein muss und eine reguläre Besetzung zu lange dauern würde.
Interim Management im Finanzbereich
Im Finanzbereich sind die häufigsten Rollen Interim CFO, Head of Finance, Leitung Rechnungswesen, Leitung Controlling sowie Spezialistenrollen in Bilanzbuchhaltung und FP&A. Der Finanzbereich eignet sich besonders, weil Prozesse und Standards weitgehend vergleichbar sind und erfahrene Kräfte schnell produktiv werden.
Rechtlicher Rahmen
Interim Manager werden in Deutschland überwiegend auf Basis eines Dienstvertrags beauftragt, häufig über einen Provider. Weil sie in betriebliche Abläufe eingebunden sind, müssen die Abgrenzung zur Arbeitnehmerüberlassung nach dem AÜG und das Risiko der Scheinselbstständigkeit im Vertrag und in der gelebten Praxis sauber geregelt sein.
Provider oder Direktansprache
Unternehmen finden Interim Manager über Provider, Plattformen, Netzwerke oder direkt. Provider übernehmen Vorauswahl, Vertragsgestaltung und Haftung und stellen bei Ausfall Ersatz – der Aufschlag gegenüber der Direktbeauftragung bezahlt genau diese Absicherung.
Ablauf einer Besetzung
Auf das Briefing folgen Profilvorschläge, meist innerhalb weniger Tage. Nach den Gesprächen entscheidet das Unternehmen, der Vertrag wird geschlossen und der Einsatz beginnt. Entscheidend für die Geschwindigkeit ist die Klarheit des Briefings: Wer nicht sagen kann, welche Aufgaben in den ersten vier Wochen erledigt sein müssen, verlängert die Auswahl unnötig.
Kostenstruktur
Abgerechnet wird über Tagessätze, seltener über Monatspauschalen. Der Satz hängt von Verantwortungsumfang, Unternehmensgröße, Branche, Dringlichkeit und Dauer ab. Zum Vergleich mit einer Festanstellung gehören die Vollkosten einer Stelle sowie die Kosten der Vakanz selbst – liegen gebliebene Abschlüsse und verschobene Entscheidungen sind der eigentliche Preis einer unbesetzten Führungsrolle.
Was den Einsatz gelingen lässt
Ein klar umrissenes Mandat, ein interner Sponsor auf Geschäftsführungsebene, Zugriff auf Systeme und Informationen ab dem ersten Tag und eine offene Kommunikation ins Team hinein. Interim-Einsätze scheitern selten an fachlicher Eignung und häufig daran, dass Auftrag und Befugnisse nicht zusammenpassen.
Übergabe
Zum Mandat gehört das Ende. Dokumentierte Prozesse, ein geordneter Systemzugang, eine Einarbeitung der Nachfolge und ein schriftlicher Abschlussbericht sind der Unterschied zwischen einer Überbrückung und einer Investition, von der die Organisation dauerhaft profitiert.
