Sebastian Janus
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CSRD nach dem Omnibus-Verfahren: Was PE-Portfoliounternehmen 2026 wirklich berichten müssen

Was der EU-Omnibus-Prozess für die CSRD-Pflicht von PE-Portfoliounternehmen ändert – und warum ESG-Reporting trotzdem gefragt bleibt.

Aktualisiert am
Titelbild: CSRD nach dem Omnibus-Verfahren – drei ESG-Datenkategorien für PE-Portfoliounternehmen.

Nach dem EU-Omnibus-Verfahren ist die CSRD-Berichtspflicht für viele Unternehmen später und in kleinerem Umfang fällig als ursprünglich geplant – trotzdem bekommen PE-Portfoliounternehmen das Thema zunehmend über eine andere Schiene zu spüren: Die Private-Equity-Häuser selbst müssen ESG-Daten ihrer Portfoliounternehmen für das eigene Reporting an ihre Investoren (LPs) liefern, unabhängig davon, ob das einzelne Portfoliounternehmen selbst direkt CSRD-pflichtig ist. Wer das ignoriert, bekommt die Anfrage trotzdem – nur später und unvorbereitet.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Omnibus-Prozess hat die CSRD-Pflicht für die meisten Portfoliounternehmen zeitlich nach hinten verschoben, aber nicht abgeschafft.
  • Auch ohne direkte CSRD-Pflicht fragen PE-Häuser ESG-Kennzahlen bei Portfoliounternehmen ab, um ihre eigenen LP-Reportingpflichten zu erfüllen.
  • Wer ESG-Daten früh strukturiert erfasst, vermeidet Last-Minute-Datensammlung kurz vor einem Exit oder einer Anschlussfinanzierung.

Was der Omnibus-Prozess tatsächlich verändert hat

Die EU-Kommission hat die Anwendungsschwellen der CSRD im Rahmen des Omnibus-Pakets deutlich angehoben und die Erstanwendung für viele Unternehmen verschoben. Für ein typisches PE-Portfoliounternehmen im Mittelstand bedeutet das: Die direkte, gesetzliche CSRD-Pflicht tritt später ein als noch vor einem Jahr angenommen – teils erst mit deutlich höheren Mitarbeiter- und Umsatzschwellen. Das nimmt kurzfristigen Druck, ändert aber nichts an der zweiten, oft unterschätzten Anforderung.

Die eigentliche Anforderung kommt vom PE-Haus, nicht vom Gesetzgeber

PE-Fonds berichten ihren eigenen Investoren – Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices – zunehmend über ESG-Kennzahlen des gesamten Portfolios. Diese Anforderung ist unabhängig von der gesetzlichen CSRD-Schwelle des einzelnen Portfoliounternehmens: Wenn der Fonds berichten muss, fragt er die Daten bei allen Beteiligungen ab, auch bei denen, die selbst nicht CSRD-pflichtig sind. Das läuft in der Praxis oft über denselben Kanal wie Covenant-Reporting gegenüber Banken und Debt-Funds – ein weiterer Datenpunkt im ohnehin bestehenden monatlichen oder quartalsweisen Reportingprozess.

Welche Daten typischerweise gefragt sind

Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Fonds, aber ein wiederkehrendes Grundset hat sich etabliert:

CO2-Bilanz (Scope 1 und 2)

Energieverbrauch und direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb – meist der Einstiegspunkt, weil die Daten am einfachsten zu beschaffen sind.

Diversität und Governance-Kennzahlen

Frauenanteil in Führungspositionen, Board-Zusammensetzung, Compliance-Strukturen.

Lieferketten-Risiken

Vor allem bei Portfoliounternehmen mit physischem Produkt oder internationaler Beschaffung – hier wird es am aufwendigsten, weil die Daten oft nicht im eigenen System liegen.

Warum das früh in die Finance-Funktion gehört, nicht erst zum Exit

ESG-Daten tauchen in der Praxis oft zuerst in der Financial Due Diligence beim Verkauf auf – als Lücke, die kurzfristig gefüllt werden muss, weil der Käufer danach fragt und niemand im Unternehmen eine belastbare Historie liefern kann. Wer ESG-Kennzahlen von Anfang an im selben Rhythmus wie die Finanzkennzahlen erfasst, hat beim Exit einen entscheidenden Vorteil: eine durchgehende Zeitreihe statt einer nachträglich rekonstruierten Momentaufnahme. Das gehört strukturell in dieselbe Überlegung wie Exit-Readiness der Finanzabteilung.

ESG-Reporting kurz vor dem Exit nachzuholen kostet deutlich mehr Zeit, als es von Anfang an mitlaufen zu lassen – und wirkt bei Käufern wie ein Warnsignal, nicht wie ein Nice-to-have.

Häufig gestellte Fragen

Ist mein Portfoliounternehmen jetzt von der CSRD befreit?

Möglicherweise von der direkten gesetzlichen Pflicht, abhängig von Mitarbeiterzahl und Umsatz nach den neuen Omnibus-Schwellen. Das befreit aber nicht von Anfragen des eigenen PE-Investors, die unabhängig davon laufen.

Wer im Unternehmen sollte ESG-Daten verantworten?

In der Praxis meist die Finance-Funktion, weil die Datenstruktur (Zeitreihen, Kennzahlen, Reporting-Rhythmus) identisch zum Finanzreporting ist – auch wenn die Inhalte fachlich woanders herkommen.

Ab wann sollte man anfangen, ESG-Daten zu erfassen?

Spätestens sobald ein PE-Investor an Bord ist, idealerweise schon vorher, wenn eine Finanzierungsrunde mit institutionellen Investoren absehbar ist.

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Mehr zur Vorbereitung auf institutionelle Investoren: Finance für Private-Equity-Portfoliounternehmen. Zum Reporting-Rhythmus, in den ESG-Kennzahlen eingebettet werden können: Effektives Investoren-Reporting.

Sebastian Janus
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Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

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