Nach dem EU-Omnibus-Verfahren ist die CSRD-Berichtspflicht für viele Unternehmen später und in kleinerem Umfang fällig als ursprünglich geplant – trotzdem bekommen PE-Portfoliounternehmen das Thema zunehmend über eine andere Schiene zu spüren: Die Private-Equity-Häuser selbst müssen ESG-Daten ihrer Portfoliounternehmen für das eigene Reporting an ihre Investoren (LPs) liefern, unabhängig davon, ob das einzelne Portfoliounternehmen selbst direkt CSRD-pflichtig ist. Wer das ignoriert, bekommt die Anfrage trotzdem – nur später und unvorbereitet.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Omnibus-Prozess hat die CSRD-Pflicht für die meisten Portfoliounternehmen zeitlich nach hinten verschoben, aber nicht abgeschafft.
- Auch ohne direkte CSRD-Pflicht fragen PE-Häuser ESG-Kennzahlen bei Portfoliounternehmen ab, um ihre eigenen LP-Reportingpflichten zu erfüllen.
- Wer ESG-Daten früh strukturiert erfasst, vermeidet Last-Minute-Datensammlung kurz vor einem Exit oder einer Anschlussfinanzierung.
Was der Omnibus-Prozess tatsächlich verändert hat
Die EU-Kommission hat die Anwendungsschwellen der CSRD im Rahmen des Omnibus-Pakets deutlich angehoben und die Erstanwendung für viele Unternehmen verschoben. Für ein typisches PE-Portfoliounternehmen im Mittelstand bedeutet das: Die direkte, gesetzliche CSRD-Pflicht tritt später ein als noch vor einem Jahr angenommen – teils erst mit deutlich höheren Mitarbeiter- und Umsatzschwellen. Das nimmt kurzfristigen Druck, ändert aber nichts an der zweiten, oft unterschätzten Anforderung.
Die eigentliche Anforderung kommt vom PE-Haus, nicht vom Gesetzgeber
PE-Fonds berichten ihren eigenen Investoren – Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices – zunehmend über ESG-Kennzahlen des gesamten Portfolios. Diese Anforderung ist unabhängig von der gesetzlichen CSRD-Schwelle des einzelnen Portfoliounternehmens: Wenn der Fonds berichten muss, fragt er die Daten bei allen Beteiligungen ab, auch bei denen, die selbst nicht CSRD-pflichtig sind. Das läuft in der Praxis oft über denselben Kanal wie Covenant-Reporting gegenüber Banken und Debt-Funds – ein weiterer Datenpunkt im ohnehin bestehenden monatlichen oder quartalsweisen Reportingprozess.
Welche Daten typischerweise gefragt sind
Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Fonds, aber ein wiederkehrendes Grundset hat sich etabliert:
CO2-Bilanz (Scope 1 und 2)
Energieverbrauch und direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb – meist der Einstiegspunkt, weil die Daten am einfachsten zu beschaffen sind.
Diversität und Governance-Kennzahlen
Frauenanteil in Führungspositionen, Board-Zusammensetzung, Compliance-Strukturen.
Lieferketten-Risiken
Vor allem bei Portfoliounternehmen mit physischem Produkt oder internationaler Beschaffung – hier wird es am aufwendigsten, weil die Daten oft nicht im eigenen System liegen.
Warum das früh in die Finance-Funktion gehört, nicht erst zum Exit
ESG-Daten tauchen in der Praxis oft zuerst in der Financial Due Diligence beim Verkauf auf – als Lücke, die kurzfristig gefüllt werden muss, weil der Käufer danach fragt und niemand im Unternehmen eine belastbare Historie liefern kann. Wer ESG-Kennzahlen von Anfang an im selben Rhythmus wie die Finanzkennzahlen erfasst, hat beim Exit einen entscheidenden Vorteil: eine durchgehende Zeitreihe statt einer nachträglich rekonstruierten Momentaufnahme. Das gehört strukturell in dieselbe Überlegung wie Exit-Readiness der Finanzabteilung.
ESG-Reporting kurz vor dem Exit nachzuholen kostet deutlich mehr Zeit, als es von Anfang an mitlaufen zu lassen – und wirkt bei Käufern wie ein Warnsignal, nicht wie ein Nice-to-have.
Häufig gestellte Fragen
Ist mein Portfoliounternehmen jetzt von der CSRD befreit?
Möglicherweise von der direkten gesetzlichen Pflicht, abhängig von Mitarbeiterzahl und Umsatz nach den neuen Omnibus-Schwellen. Das befreit aber nicht von Anfragen des eigenen PE-Investors, die unabhängig davon laufen.
Wer im Unternehmen sollte ESG-Daten verantworten?
In der Praxis meist die Finance-Funktion, weil die Datenstruktur (Zeitreihen, Kennzahlen, Reporting-Rhythmus) identisch zum Finanzreporting ist – auch wenn die Inhalte fachlich woanders herkommen.
Ab wann sollte man anfangen, ESG-Daten zu erfassen?
Spätestens sobald ein PE-Investor an Bord ist, idealerweise schon vorher, wenn eine Finanzierungsrunde mit institutionellen Investoren absehbar ist.
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Mehr zur Vorbereitung auf institutionelle Investoren: Finance für Private-Equity-Portfoliounternehmen. Zum Reporting-Rhythmus, in den ESG-Kennzahlen eingebettet werden können: Effektives Investoren-Reporting.


