Agentic Accounting

Agentic Accounting bezeichnet den Einsatz von KI-Agenten, die Aufgaben in der Buchhaltung mehrschrittig und weitgehend selbständig ausführen – etwa eine Abstimmungsdifferenz recherchieren, eine Rückfrage formulieren und einen Korrekturvorschlag erzeugen. Der Unterschied zur klassischen Automatisierung liegt darin, dass der Agent den Weg zum Ziel selbst festlegt.

Was den Unterschied ausmacht

Klassische Automatisierung führt einen vorher festgelegten Ablauf aus: Wenn A, dann B. Ein Agent bekommt ein Ziel und wählt die Schritte selbst – er kann Daten abrufen, Zwischenergebnisse bewerten, weitere Informationen anfordern und mehrere Werkzeuge nacheinander verwenden. Das macht ihn für Aufgaben brauchbar, deren Ablauf sich nicht vollständig vorher beschreiben lässt.

Wo der Ansatz heute trägt

Klärung von Abstimmungsdifferenzen. Offene Posten durchsuchen, mehrere Teilzahlungen einer Gutschrift zuordnen, den wahrscheinlichen Grund einer Differenz benennen. Klassische Regeln finden die Differenz; die Suche nach ihrer Ursache ist bisher Handarbeit.

Vorbereitung von Rückfragen. Fehlende Belege identifizieren, den zuständigen Kollegen ermitteln, eine Nachfrage mit dem passenden Kontext formulieren.

Zusammenstellung von Unterlagen. Für eine Betriebsprüfung oder eine Kaufprüfung Belege zu einer Anfrage zusammensuchen und vollständig zuordnen.

Abschlussvorbereitung. Checklisten abarbeiten, Vollständigkeit prüfen, offene Punkte benennen.

Wo die Grenze verläuft

Die Grenze ist nicht technisch, sondern eine Frage der Verantwortung. Ein Agent kann eine Buchung vorschlagen und begründen; er kann nicht dafür einstehen. Die Geschäftsführung haftet für die Buchführung, der Jahresabschluss wird von Menschen unterschrieben, und ein Wirtschaftsprüfer prüft die Buchung, nicht den Agenten.

Dazu kommt ein praktisches Problem: Agenten sind überzeugend, auch wenn sie falsch liegen. Eine plausibel formulierte, aber falsche Begründung für eine Abweichung ist schwerer zu entdecken als eine offensichtlich fehlende – besonders in einem Investoren- oder Bankreporting.

Die Kontrollen, die dazugehören

  • Begrenzte Rechte. Lesend arbeiten, schreibend nur mit Freigabe. Keine eigenständigen Zahlungen, keine Stammdatenänderungen.
  • Nachvollziehbare Spur. Jeder Schritt protokolliert: welche Daten, welches Zwischenergebnis, welcher Vorschlag.
  • Betragsgrenzen und Ausnahmeregeln analog zu Freigabewegen für Menschen.
  • Verfahrensdokumentation. Die GoBD verlangen die Beschreibung des Verfahrens – das gilt für agentenbasierte Abläufe unverändert und ist bei ihnen anspruchsvoller, weil der Ablauf nicht fest ist.

Einordnung

Der Begriff wird im Markt derzeit weit gefasst; vieles, was so bezeichnet wird, ist regelbasierte Automatisierung mit einer Sprachoberfläche. Die nützliche Prüffrage lautet: Lässt sich der Ablauf vollständig als Regelwerk beschreiben? Wenn ja, ist eine Regel die bessere, prüfbarere Lösung. Agenten lohnen sich dort, wo der Weg zum Ziel offen ist – und genau dort brauchen sie die engsten Kontrollen.

Synonyme:
Agentenbasierte Buchhaltung, autonome Buchhaltung, KI-Agenten in der Buchhaltung
Englischer Begriff:
Agentic accounting