Sebastian Janus
Sebastian Janus

Nach der Finanzierungsrunde: das Finance-Setup für die ersten 90 Tage

Was Gründer nach Seed oder Series A in 90 Tagen aufsetzen sollten: Reporting, Budget, Runway, Cap Table und Zuständigkeiten.

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Titelbild: Finance-Setup nach der Finanzierungsrunde in 90 Tagen

Die kurze Antwort

Nach Seed oder Series A ändert sich für ein Startup vor allem eines: Es gibt jetzt Investoren, die regelmäßig Zahlen sehen wollen, und ein Budget, das bis zur nächsten Runde reichen muss. In den ersten 90 Tagen solltest du deshalb fünf Dinge aufsetzen: ein festes Investoren-Reporting, ein Budget mit Plan-Ist-Vergleich, eine ehrliche Runway-Rechnung, einen aktuellen Cap Table und klare Zuständigkeiten in Finance. Wer das früh erledigt, geht in die nächste Runde mit Zahlen, die niemand mehr erklären muss.

Dieser Beitrag richtet sich an Gründer nach dem Closing und an Investoren, die ihren Portfoliounternehmen einen Fahrplan an die Hand geben wollen. Für Private-Equity-Beteiligungen gibt es einen eigenen Ablauf: Die ersten 100 Tage nach dem PE-Closing.

Warum die ersten 90 Tage zählen

Mit dem Geld kommen Pflichten. Der Beteiligungsvertrag regelt meist, welche Informationen Investoren wann bekommen: Monatszahlen, Quartalsberichte, Jahresabschluss, Budget. Diese Pflichten gelten ab dem ersten Monat, nicht erst, wenn das Team Zeit hat. Gleichzeitig beginnt die Uhr für die nächste Runde zu laufen. Was du jetzt sauber aufsetzt, landet in 12 bis 24 Monaten im Datenraum der nächsten Finanzierung.

Tag 1 bis 30: Grundlagen klären

  • Informationspflichten auflisten. Welche Berichte schuldest du wem, bis wann und in welchem Format? Lies dafür den Beteiligungsvertrag und die Satzung, nicht nur das Term Sheet. Ergebnis: ein Kalender mit allen Terminen.
  • Cap Table aktualisieren. Neue Anteile, Umwandlung von Wandeldarlehen, virtuelle Beteiligungen der Mitarbeitenden: alles in eine Tabelle, die mit Handelsregister und Notarurkunde übereinstimmt.
  • Kontenstruktur prüfen. Die Buchhaltung muss die Kosten so zeigen, wie du berichten willst, etwa nach Team, Produkt oder Kanal. Später umzubauen ist teuer.
  • Zuständigkeit festlegen. Wer ist intern für Zahlen verantwortlich? Wer übernimmt Buchhaltung, Lohn und Steuern? Wer gibt Zahlungen frei? Gerade nach der ersten großen Runde ist das oft noch der Gründer selbst.

Tag 31 bis 60: Budget und Runway

  • Budget aus dem Pitch-Plan ableiten. Der Plan aus dem Pitch Deck war ein Verkaufsargument. Jetzt wird daraus ein Budget pro Monat, mit Einstellungen, Marketingausgaben und erwarteten Umsätzen.
  • Plan-Ist-Vergleich einführen. Jeden Monat Budget und tatsächliche Zahlen nebeneinander, mit einer kurzen Erklärung für größere Abweichungen. Mehr braucht es am Anfang nicht.
  • Runway ehrlich rechnen. Wie viele Monate reicht das Geld beim tatsächlichen, nicht beim geplanten Burn? Rechne ein Szenario ohne Umsatzwachstum mit. Für kurze Fristen hilft eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung.
  • Kennzahlen festschreiben. Lege fest, wie du Umsatz, wiederkehrenden Umsatz, Kundenabgänge und Kundengewinnungskosten berechnest. Einmal definiert, dann nicht mehr ändern.

Tag 61 bis 90: Routine aufbauen

  • Monatsabschluss beschleunigen. Ziel ist ein Abschluss innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Monatsende. Wie das geht, beschreibt unser Beitrag zum schnellen Monatsabschluss.
  • Investoren-Update standardisieren. Immer gleicher Aufbau: drei Sätze zur Lage, Kennzahlen, Plan-Ist, Runway, Bitte um Hilfe. Investoren lesen lieber ein kurzes, regelmäßiges Update als ein langes, seltenes.
  • Förderungen und Steuern im Blick. Fristen für Fördermittel, Forschungszulage und Steuererklärungen gehören in denselben Kalender wie die Investorenberichte.
  • Datenraum für die nächste Runde anlegen. Jeden Monatsabschluss, jeden Vertrag und jedes Protokoll gleich ablegen. So wächst der Datenraum nebenbei mit.

Was Investoren in dieser Phase erwarten

Die meisten Investoren erwarten nach der ersten Runde kein perfektes Controlling. Sie erwarten Verlässlichkeit: Zahlen zum vereinbarten Termin, gleiche Definitionen über die Monate und frühe Warnung, wenn die Runway kürzer wird als geplant. Ein ehrliches Update mit schlechten Zahlen schafft mehr Vertrauen als ein spätes mit geschönten.

Typische Fehler

  • Buchhaltung läuft drei Monate hinterher. Dann basiert jedes Investoren-Update auf Schätzungen.
  • Kennzahlen ändern ihre Definition. Wer jeden Monat anders rechnet, verliert die Vergleichbarkeit und das Vertrauen.
  • Einstellungen vor dem Budget. Personal ist der größte Kostenblock. Wer schneller einstellt als geplant, verkürzt die Runway, ohne es zu merken.
  • Finance bleibt Nebenaufgabe des CEO. Das geht eine Weile gut. Spätestens vor der nächsten Runde fehlt dann die Zeit.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

Wenn niemand im Team Zeit für diese Aufgaben hat, lohnt sich ein erfahrener Finance-Partner auf Zeit. nugrow unterstützt VC-finanzierte Startups mit einem Interim CFO oder Finance-Team für Startups mit Venture Capital. Umfang und Dauer richten sich nach der Lage im Unternehmen. Investoren, die ein Startup vor dem Einstieg prüfen lassen wollen, finden das Angebot unter Startup Due Diligence.

Finance-Setup nach der Runde mit Sebastian Janus besprechen

Häufige Fragen

Welche Berichte schuldet ein Startup seinen Investoren?

Das regelt der Beteiligungsvertrag. Üblich sind Monats- oder Quartalszahlen, ein jährliches Budget und der Jahresabschluss. Manche Verträge verlangen zusätzlich einzelne Kennzahlen oder eine Zustimmung bei größeren Ausgaben.

Wie oft sollte ein Investoren-Update verschickt werden?

Monatlich ist für Startups nach Seed oder Series A üblich und sinnvoll. Wichtiger als die Frequenz ist, dass der Termin und der Aufbau gleich bleiben.

Braucht ein Startup nach der Series A einen eigenen CFO?

Nicht immer sofort. Oft reicht eine erfahrene Finanzleitung in Teilzeit oder auf Zeit, die Budget, Reporting und Buchhaltung aufsetzt. Ein fest angestellter CFO wird meist vor der Series B oder bei komplexeren Strukturen sinnvoll.

Was ist der häufigste Fehler nach dem Closing?

Die Buchhaltung läuft hinterher. Dann fehlen belastbare Monatszahlen, und Budget, Runway und Investoren-Update basieren auf Schätzungen.

Wann sollte die Vorbereitung auf die nächste Runde beginnen?

Direkt nach dem Closing. Wer Abschlüsse, Verträge und Protokolle von Anfang an geordnet ablegt, muss vor der nächsten Runde keinen Datenraum mehr nachbauen.

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Sebastian Janus
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Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen, Gründer der nugrow GmbH

Sebastian Janus ist Interim CFO für Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Unternehmen mit über 15 Jahren Erfahrung in Finanzführung, Fundraising, M&A und Restrukturierung. Er hat 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops gegründet, ihn durch zwei Exits geführt und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum.

Über den Autor

Dieser Beitrag stammt von Sebastian Janus, Interim CFO und Finance Operating Partner. Er gründete 2005 einen der ersten deutschen Online-Schuhshops, führte ihn durch zwei Transaktionen und war anschließend CFO im E-Commerce eines börsennotierten Handelskonzerns. Seit 2018 führt er die nugrow GmbH in Bochum und übernimmt Finanzverantwortung auf Zeit – überwiegend bei Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierten SaaS- und Tech-Unternehmen.

Profil und Werdegang von Sebastian Janus

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Interim CFO, CFO as a Service und Financial Modelling – aus über 350 Projekten seit 2019. Erste Profile innerhalb von 24 Stunden.
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