Die kurze Antwort
Der Wert eines Startups lässt sich nicht exakt berechnen, sondern nur herleiten. Drei Methoden sind verbreitet: die VC-Methode (vom erwarteten Verkaufserlös rückwärts gerechnet), der Umsatzmultiplikator (Umsatz mal Faktor aus vergleichbaren Deals) und die Berkus-Methode (Punkte für Idee, Team, Produkt, Markt). Am besten rechnest du mit mindestens zwei Methoden und prüfst, ob die Ergebnisse zusammenpassen.
Methode 1: VC-Methode
Investoren fragen: Was muss die Beteiligung in einigen Jahren wert sein, damit sich das Risiko lohnt? Du rechnest vom erwarteten Verkaufswert zurück.
- Erwarteten Unternehmenswert beim Verkauf schätzen (Exit-Wert).
- Zielrendite festlegen (Vielfaches des eingesetzten Geldes).
- Heutigen Nachinvestitionswert (Post-Money) berechnen: Exit-Wert geteilt durch Zielrendite.
- Vorab-Bewertung (Pre-Money): Post-Money minus die Investitionssumme.
Rechenbeispiel (frei gewählte Zahlen): Du erwartest einen Verkauf für 50 Mio. Euro. Der Investor will das Zehnfache zurückbekommen. Dann liegt der Post-Money-Wert bei 50 Mio. geteilt durch 10, also 5 Mio. Euro. Investiert er 1 Mio. Euro, beträgt der Pre-Money-Wert 4 Mio. Euro und der Investor hält 20 Prozent. Weitere Finanzierungsrunden verwässern seinen Anteil später, das solltest du in die Rechnung einbeziehen.
Methode 2: Umsatzmultiplikator
Hier multiplizierst du den (jährlich wiederkehrenden) Umsatz mit einem Faktor, den vergleichbare Finanzierungen oder Verkäufe in deiner Branche erzielt haben. Die Formel lautet: Unternehmenswert gleich Umsatz mal Multiplikator. Der Faktor hängt stark von Wachstum, Marge und Marktlage ab. Eine belastbare Zahl bekommst du nur aus aktuellen, vergleichbaren Deals, nicht aus Faustregeln. Mehr dazu im Beitrag Startup-Unternehmensbewertung: ein Leitfaden.
Methode 3: Berkus-Methode
Für Startups ohne nennenswerten Umsatz vergibst du pro Bereich einen Wertbeitrag: Idee, Prototyp oder Produkt, Team, strategische Beziehungen und erste Verkäufe. Die Summe ergibt einen groben Startwert. Die Methode ist einfach, aber subjektiv. Sie eignet sich für eine erste Einordnung, nicht für Verhandlungen über den letzten Euro.
Wann welche Methode passt
| Phase | Passende Methode |
|---|---|
| Vor dem ersten Umsatz | Berkus-Methode, ggf. Vergleich mit ähnlichen Seed-Runden |
| Erste Umsätze, wiederkehrende Einnahmen | Umsatzmultiplikator, ergänzt durch VC-Methode |
| Wachstumsphase mit Planung | VC-Methode und Szenarien auf Basis eines Finanzmodells |
Typische Fehler
- Zu optimistischer Exit-Wert: Je höher er angesetzt wird, desto unglaubwürdiger wirkt die Rechnung auf Investoren.
- Nur eine Methode: Erst der Vergleich zeigt, ob die Zahlen plausibel sind.
- Verwässerung vergessen: Spätere Runden verkleinern deinen Anteil.
- Bewertung mit Wunschpreis verwechseln: Am Ende gilt, was ein Investor bereit ist zu zahlen.
Wie du dich vorbereitest
Sauber hergeleitete Zahlen, eine nachvollziehbare Planung und saubere Annahmen machen die Verhandlung leichter. Wie wir Gründer dabei unterstützen, steht auf der Seite Fundraising. Eine Übersicht von Werkzeugen findest du im Vergleich von Bewertungssoftware.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Wert meines Startups?
Du leitest ihn mit einer oder mehreren Methoden her, zum Beispiel VC-Methode, Umsatzmultiplikator oder Berkus-Methode, und vergleichst die Ergebnisse.
Was ist der Unterschied zwischen Pre-Money und Post-Money?
Pre-Money ist der Wert vor der Investition, Post-Money der Wert danach. Post-Money entspricht Pre-Money plus Investitionssumme.
Gibt es einen Online-Rechner für die Startup-Bewertung?
Es gibt Rechner, die eine der Methoden umsetzen. Sie liefern nur so gute Ergebnisse wie die eingegebenen Annahmen. Nutze sie als Gegenprobe, nicht als alleinige Grundlage.
Wie hoch ist ein typischer Anteil, den Investoren verlangen?
Das hängt von Bewertung und Investitionssumme ab. Der Anteil ergibt sich aus Investitionssumme geteilt durch Post-Money-Wert.
Nach der Bewertung folgt das Term Sheet: Term Sheet erklärt: Die wichtigsten Klauseln für Gründer.





